...stammt aus dem Jahre 1837, ist somit schon 187 Jahre alt.
Es zeigt die Münchner Frauenkirche und sie wurde fotografiert von Franz von Kobell - zwei Jahre bevor Louis Daguerre in Paris die Technik der Daguerrotypie vorstellte.
Es ist gelagert im Archiv des Deutschen Museums zu München.
Näheres zu diesen Anfängen der Fotografie kann man lesen in dem Buch von Cornelia Kemp Licht - Bild - Experiment im Verlag Deutsches Museum.
Wobei der Bericht den üblichen Fehler enthält, die Daguerreotypie als Beginn und Daguerre als Erfinder der Fotografie zu setzen. Das war aber lediglich das erste kommerziell nutzbare Verfahren. Das Urfoto aus dem Jahr 1826 wurde von Nicéphore Niépce aufgenommen, der auch in fachlichem Kontakt mit Daguerre stand. All diese frühen Arbeiten waren die Basis der Daguerreotypie.
Ist ja auch kein unbekanntes Bild, obwohl sich das ZDF leider selten dämlich ausdrückt und beschreibt, es sei "entdeckt" worden, was danach klingt, daß es erst jetzt entdeckt wurde, was natürlich Lötzinn ist. Es geht bei der aktuellen Berichterstattung bloß darum, daß das Bild nun nachweislich 2 Jahre älter als bisher angenommen ist (1837 anstatt 1839), das ist die "Entdeckung". Und damit evtl. noch vor der kommerziellen Daguerreotypie entstanden ist (1839 offiziell in Paris vorgestellt). Daguerre soll seine ersten Bilder aber ebenfalls schon 1837 gemacht haben. Ich vermute sogar noch um einiges früher, wenn er mit Niepce verpartnert war, dessen ältestes bekanntes Foto immerhin von 1826 datiert.
Es ist bekannt, daß Daguerre und Niépce über das Thema Heliografie korrespondierten, weil beide ein kommerzielles Verfahren entwickeln wollten. Leider starb Niépce schon 1833, seine Arbeiten flossen aber in die Daguerrotypie ein.
Offenbar konnten die beiden aber zumindest ein Foto gemeinsam/in Zusammenarbeit erstellen, ein Stillleben eines gedeckten Tisches, und zwar 1832. Zwar von Niépce erstellt, aber durch einen Prozess entstanden, den beide gemeinsam entwickelt hatten (ein "Physautotype").
Und das sind nur die Fotos (das Arbeitszimmer und der gedeckte Tisch), die heute noch bekannt sind. Ich glaube nicht, daß Niépce nur alle 6 Jahre (1826, 1832) ein Foto zustande gebracht hat. Der "große Rest", von dem ich stark annehme, daß es ihn gab, ist halt verloren.
Bei dem Foto aus dem Arbeitszimmer erkenne ich im abgebildeten Original mehr Details und Abstufungen als in der bekannten Kodak-Fassung. Ich finde, es ist an der Zeit, das nochmal neu - digital - abzulichten. Aber ohne Zuhilfenahme von KI, versteht sich.
Es ist aus Aufzeichnungen bekannt, daß Niépce bereits vor seinem Foto aus dem Arbeitszimmer eine Reihe von Fotos erstellt hat. Die sind allerdings verloren, weshalb das Foto aus dem Arbeitszimmer als erstes erhaltenes Foto gilt. Das Vefahren der Physautotype ist wahrscheinlich die gleiche wie die beim Le-Gras-Foto verwendete Heliografie. Die Platte war mit lichtempfindlichem Asphalt beschichtet und wurde mit Lavendelöl entwickelt.
Das Problem mit dem Original liegt darin, daß es extrem empfindlich ist und unter einer Schutzatmosphäre aus Edelgas aufbewahrt wird. Nachdem Helmut Gernsheim es 1952 wiederentdeckt und für seine Sammlung gekauft hatte, wurde es in einem sehr aufwendigen Prozess von Kodak reproduziert. Daß es 2012 für die Ausstellung Die Geburtsstunde der Fotografie in Mannheim ausgeliehen wurde, war eine Ausnahme, denn aufgrund der Empfindlichkeit wird das Foto sonst nicht verliehen. Deshalb wird es wohl auch keine neue Reproduktion geben, weil es dafür aus seinem Schutzrahmen genommen werden müßte.
Ob eine neue Reproduktion unbedingt besser würde, bezweifele ich zudem. Ich habe damals in Mannheim vor dem Schaukasten mit dem Schutzrahmen gestanden und mußte gehörig den Kopf verdrehen, um überhaupf etwas zu sehen. Man wird heute, digital oder was auch immer, mit den selben Problemen zu kämpfen haben wie Kodak damals.