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Am 22. November 2011 starb der großartige Drummer
Paul Motian.
Paul Motian am 3. November 1984 beim Jazzfest Berlin
Statt eines Nachrufs hier meine Besprechung seiner allerletzten Platte:
Paul Motian – The Windmills Of Your Mind
Winter & Winter 910 182-2
Es gehört zu den Treppenwitzen der Jazzgeschichte, dass Paul Motian
– Übervater aller frei aufspielenden Drummer – sein stupendes Handwerk
ausgerechnet bei der U.S. Navy lernte. Dabei kann der Kahlkopf, der einst
bei Bill Evans das Schlagzeug emanzipierte, auch amtlich trommeln. Was
er als Begleiter von Saxophon-Legenden wie John Coltrane, vor allem aber
als Klavier-Experte, der allein mit Keith Jarrett ein Dutzend Alben einspielte,
eher selten zeigte, umso mehr dafür als Taktgeber von Arlo Guthrie in
Woodstock – pecunia non olet. Längst ein exzellenter Bandleader eigener
Gnaden, übertrifft sich der in Philadelphia geborene Sohn armenischer
Einwanderer auf „The Windmills Of Your Mind“ nun endgültig selbst.
Atemberaubend delikat seziert er mit Bill Frisell, der selten gelassener
agierte, und dem wunderbaren Thomas Morgan am Bass alte Klassiker wie
„Tennessee Waltz“, „Lover Man“ oder „I Loves You Porgy“, die Petra Haden
mit entzückend unschuldiger Stimme traumhaft veredelt. Da sitzt, superb
transparent auf Ein-Zoll-Stereo-Tape (!) gebannt, jede Note perfekt, leuchtet
pure Schönheit in solcher Intensität, dass einem Tränen in die Augen treten.
Am 25. März wird Paul Motian 80 – ad multos annos.
Tja, mein Geburtstagswunsch ist leider nicht in Erfüllung gegangen.
So bleiben Erinnerungen und viele großartige Tonträger …
R.I.P.
Sven
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