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Off-Topic Alles, was sonst nirgendwo reinpasst, aber Bezug zur Fotografie hat.




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Alt 22.02.2011, 09:26
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Ando Ando ist offline
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"Was soll dieses Bild, bitte?" - Plädoyer für "inhaltlose" Fotos

Ich betrachte ein Foto und weiß damit nichts anzufangen. Das Bild hat für mich keine Aussage, keine fertig erzählte Geschichte, keine Pointe. Ich verlange vom Fotografen Erklärung, Anleitung zum Verstehen, vielleicht sogar Rechtfertigung.

Das wäre doch viel zu einfach! Ich denke, dass man als Betrachter eines Fotos immer gefordert ist, seine ganz persönlichen Assoziationen und Phantasie spielen zu lassen. Die Herausforderung ist, in jedem Bild etwas für sich zu sehen, oder, noch besser, etwas zu empfinden. Erklärungen, ja eigentlich auch schon Bildtitel, beeinflussen diesen Vorgang, bevormunden den Betrachter und sollten eigentlich völlig fehlen. Außer, der Fotograf möchte seine persönliche Interpretation des Bildes deutlich machen.

Wer - auf den ersten Blick - "inhaltlosen" Bildern nur mit Kopfschütteln oder sogar Ablehnung begegnen kann beziehungsweise nach Erklärungen, Anleitungen zum Verstehen etc. verlangt, sollte besser seine eigene, innere Bilderwelt prüfen. Die Frage dazu könnte lauten, warum einen dieses eine, bestimmte Bild so überhaupt nichts sagen möchte. Was könnte der Grund dafür sein? Ist es tatsächlich das Versagen des Fotografen - inhaltlich, technisch?

Ich denke, dass es ein Bild ohne Aussage nicht geben kann. In jedem Foto ist Inhalt, die Frage ist, wie und ob man sich als Betrachter diesen erschließen kann. Beziehungsweise erschließen möchte.

Und der Fotograf ist von diesem Prozess, der Prüfung der inneren Bilderwelt, nicht ausgenommen. Ganz im Gegenteil, denn er muss aus der unendlichen Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten, die ihm die Motivwelt bietet, diejenige Variante auswählen oder finden, die seiner inneren Sicht entspricht, die ihn anspricht oder - im besten Fall - fasziniert. Das kann oft sehr mühsam sein, an manchen Tagen möchte einem so gar kein gutes Bild "gelingen".

Für beide Seiten, also Betrachter und Fotograf, ein anspruchsvoller Prozess, der sich aber in jedem Fall lohnt, da es das "innere Panoptikum" bunter, vielfältiger und damit reicher macht.
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Gruß, Andreas
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Alt 22.02.2011, 09:50
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mbreu mbreu ist offline
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AW: "Was soll dieses Bild, bitte?" - Plädoyer für "inhaltlose" Fotos

Ich habe es ja bereits in ähnlichem Zusammenhang geschrieben, ich meine ein Bild kann zwei Funktionen haben:
  • entweder es dokumentiert etwas
  • oder es erzählt eine Geschichte.

Ein Loch im Asphalt kann man fotografieren. Wenn man bei der Straßenmeisterei arbeitet macht das ggf. sogar Sinn. Allerdings habe ich ein Problem damit so etwas als Kunst zu betrachten.

Da die Meinungen zu kontrovers und die Ansichten festgefahren sind halte ich mich aus derartigen Bildbeiträgen heraus.
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Alt 22.02.2011, 10:13
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Timotheos Timotheos ist offline
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AW: "Was soll dieses Bild, bitte?" - Plädoyer für "inhaltlose" Fotos

Ein Foto kann mehrere Betrachtungsebenen haben, die ganz leicht auch im Widerspruch zueinander stehen können und das schafft dann oft die bekannten Missverständnisse und Streitereien, wenn Leute über Bilder reden. Vereinfacht gesagt, kann ein oberflächlich "trashiges" Foto, mit wenigen harmonischen Strukturmerkmalen, sozusagen ein Bild für die Tonne, inhaltlich überzeugend sein, während andere Bilder mit ähnlich banalen Kompositionsinhalten wirklich nur in den Mülleimer gehören, weil sich unter der dürftigen Oberfläche kein weiterer Bildinhalt befindet. Lange Rede, kurzer Sinn: Müll ist nicht gleich Müll und zweimal hinschauen ist manchmal nicht verkehrt.
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Wer schön schreiben kann, schreibt auch schön mit einem schlechten Pinsel.
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Alt 22.02.2011, 10:23
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AW: "Was soll dieses Bild, bitte?" - Plädoyer für "inhaltlose" Fotos

Zitat:
Zitat von Ando Beitrag anzeigen
[I]
Für beide Seiten, also Betrachter und Fotograf, ein anspruchsvoller Prozess, der sich aber in jedem Fall lohnt, ....
Andreas,
laß mich den Vergleich zu einem Tennisspiel legen, daß so treffend in Mortimer Adler's Buch "Wie lese ich ein Buch" beschrieben wurde. Mortimer vergleicht die Interaktion zwischen dem Autor und dem Lesenden mit einem Tennisspiel.

Der Ball hat an sich kein Eigenleben. Er transportiert die Absicht und die Ausführung dieser Absicht des Senders zum Empfänger. (und retour). Ein Buch kann einfach mehrere hundert Seiten belangloses Zeug enthalten, oder von der ersten bis zur letzten Seiten fesseln. Ditto ein Bild.

Dazu muß aber einer der 4 möglichen Fällen eintreten:
  • Der Fotograf war willens eine "Aussage" ins Bild zu bannen und der Betrachter ist willens es zu interpretieren.
  • Der Fotograf will keine Aussage, aber der Betrachter schon
  • Der Fotograf will mit seinem Bild etwas mitteilen, der Betrachter denkt nicht daran den Aufwand des "lesens" zu treiben
  • Das belanglose Bild wandert vom absichtslosen Fotografen zum desinteressierten Betrachter.

Der "lohnende Prozess" trifft nur im ersten Fall ein, in den anderen geht das Leben ganz normal weiter und das Bild wird nicht zum temporären Interessenpunkt und Botschafter der Nachricht.

Ein Bild erzeugt nicht die "Kommunikation", sie ist einfacher Transporteur. Und manchmal wird aus welchen Gründen auch immer eine leere Schachtel versendet. Klar kann der Empfänger ob dieses Ereignisses in tiefe meditative Übungen verfallen. Ich vermute, daß ein Großteil der Menschen dies einfach zu Kenntnis nehmen und ihr eigenes Leben weiterleben.


LG,
Andy


PS: Mortimer's Buch ist eines der besten Bücher, daß ich je gelesen habe. Es ist u.U. für jene von Interesse, die gerne und viel lesen.
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Alt 22.02.2011, 10:37
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AW: "Was soll dieses Bild, bitte?" - Plädoyer für "inhaltlose" Fotos

Zitat:
Zitat von AndyE Beitrag anzeigen

Dazu muß aber einer der 4 möglichen Fällen eintreten:
  • Der Fotograf war willens eine "Aussage" ins Bild zu bannen und der Betrachter ist willens es zu interpretieren.
  • Der Fotograf will keine Aussage, aber der Betrachter schon
  • Der Fotograf will mit seinem Bild etwas mitteilen, der Betrachter denkt nicht daran den Aufwand des "lesens" zu treiben
  • Das belanglose Bild wandert vom absichtslosen Fotografen zum desinteressierten Betrachter.

Der "lohnende Prozess" trifft nur im ersten Fall ein, in den anderen geht das Leben ganz normal weiter und das Bild wird nicht zum temporären Interessenpunkt und Botschafter der Nachricht.

.
Fall 1: Ist klar.
Fall 2: Ist schwer vorstellbar - sobald der Fotograf in Bild zeigt, macht er eine Aussage.
Ob sie der geneigte Leser versteht, verstehen möchte, verstehen kann ist eine andere Frage.
Fall 3: Wohl von Ando gemeint
Fall 4: Auch schwer vorstellbar. Das Zeigen eines Bildes ist Absicht.

Fall 5: Auch denkbar: Der Fotograf meint etwas - der Leser versteht etwas anderes.

So einfach, wie es von Mortimer geschildert wird, ist es nicht.
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  #6  
Alt 22.02.2011, 10:44
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AW: "Was soll dieses Bild, bitte?" - Plädoyer für "inhaltlose" Fotos

Zitat:
Zitat von Kay Beitrag anzeigen
Fall 2: Ist schwer vorstellbar - sobald der Fotograf in Bild zeigt, macht er eine Aussage.
Ob sie der geneigte Leser versteht, verstehen möchte, verstehen kann ist eine andere Frage.
So einfach, wie es von Mortimer geschildert wird, ist es nicht.
Kay, das ist mir klar.
Ersetze bitte "keine Aussage" mit "geringerer Aufwand des Erstellens der Aussage"
Wie beim Tennisspiel: Der Ball kommt in jedem Fall, ob er geschupft ist, oder mit einem tollen Top-Spin genau aufs Eck gesetzt wird- In letzterem Fall braucht es mehr Aufwand beim Sender und ditto beim Empfänger.


LG,
Andy
  #7  
Alt 22.02.2011, 10:53
Benutzerbild von woici
woici woici ist offline
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AW: "Was soll dieses Bild, bitte?" - Plädoyer für "inhaltlose" Fotos

Zitat:
Zitat von Kay Beitrag anzeigen
Fall 2: Ist schwer vorstellbar - sobald der Fotograf in Bild zeigt, macht er eine Aussage.
Ob sie der geneigte Leser versteht, verstehen möchte, verstehen kann ist eine andere Frage.
bin ich nur bei dir, wenn als aussage auch gilt:
"ich war in afrika auf einer safari, habe eine D3 + das neueste 600er/2,0 gekauft und damit auf löwen gezielt und abgedrückt, damit ich das auch beweisen kann" oder
"ich war am sonntag nachmittag spazieren und bin aus versehen auf den auslöser gekommen"
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  #8  
Alt 22.02.2011, 10:53
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Werner Gilliam
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AW: "Was soll dieses Bild, bitte?" - Plädoyer für "inhaltlose" Fotos

..irgendein Maler hat mal gesagt: "Kunst" kommt von "Können", und wird daher mit "K" geschrieben, und nicht mit "W" wie "Wollen", sonst hiesse sie ja "Wunst"!
  #9  
Alt 22.02.2011, 10:54
Benutzerbild von shovelhead
shovelhead shovelhead ist offline
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AW: "Was soll dieses Bild, bitte?" - Plädoyer für "inhaltlose" Fotos

Nee Ando, ich teile deine Sicht der Dinge nicht. Ein Bild ohne erkennbares Motiv oder mit einem solchen, aber ohne Bezugspunkt (Loch in der Strasse ist ein Motiv, gibt aber sonst echt nix her!), ist Müll und und in letzter Konsequenz ein Zeitdieb, sowohl für den Photographen, wie auch für den Betrachter.

Das sehe ich so wie Texte, hinter denen sofort die Frage auftaucht "Was will uns der Autor damit sagen?". Wenn der Autor seine Kernaussage nicht vernünftig formulieren kann, sollte er keine Texte verfassen, sondern von mir aus im Keller Aquarelle malen. Und JA! ich bin ein Ingenieur, ja, ich kann ein Auto reparieren, ja, ich kann ein Computer-Netzwerk einrichten und GFK laminieren. Ich verschwende weder meine eigene Zeit, noch die meiner Umwelt, indem ich mich bildlich (oder textlich) in schönen Betrachtungen über den Geist der Abendlandes ergehe ...

Es ist nämlich nicht so, dass "inhaltslose" Bilder stets auf das Erreichen der buddhistisch-erstrebenswerten inneren Leere des Photographen hinweisen. Sie weisen auch (für mich ausschliesslich) darauf hin, dass mit (und in) dem Photographen einfach nix los ist.

Stefan
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Alt 22.02.2011, 10:56
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AW: "Was soll dieses Bild, bitte?" - Plädoyer für "inhaltlose" Fotos

http://www.burnmagazine.org/essays/2...r-colourblind/

"Kunst" oder "Müll", wer vermag das zu beurteilen?
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schönen Tach noch...
  #11  
Alt 22.02.2011, 10:57
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AW: "Was soll dieses Bild, bitte?" - Plädoyer für "inhaltlose" Fotos

Manchmal ist es so,daß es dem Fotografen einfaxh nicht gelingt,die Eindrücke,welche er am Ort des Fotografierens hatte,auf das Bild zu transportieren,
oder er schafft es,aber die Betrachter sind anders gepolt und können damit schlichtweg nichts anfangen!
Die Menschen sind unterschiedlich,
deswegen gibt es ja auch unterschiedliche Kunstformen,
man kann einfach nicht immer alle Menschen erreichen,-
cest la Vie,-wie die Russen sagen!
Mit freundlichen Grüßen,-Stephan!
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Alt 22.02.2011, 10:58
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AW: "Was soll dieses Bild, bitte?" - Plädoyer für "inhaltlose" Fotos

Zitat:
Zitat von woici Beitrag anzeigen
"ich war am sonntag nachmittag spazieren und bin aus versehen auf den auslöser gekommen"
Eines der am wenigsten beachteten aber doch wichtigsten Features moderner Fast-Food-Knipsen ist die Löschen Taste.
Von der Gebrauch zu machen wenn man schon unkritisch (um die Vokabel willenlos nicht zu verwenden) "fotografiert" ist oftmals kein Fehler.
  #13  
Alt 22.02.2011, 11:07
Benutzerbild von Kay
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Zitat:
Zitat von woici Beitrag anzeigen
bin ich nur bei dir, wenn als aussage auch gilt:
"ich war in afrika auf einer safari, habe eine D3 + das neueste 600er/2,0 gekauft und damit auf löwen gezielt und abgedrückt, damit ich das auch beweisen kann" oder
"ich war am sonntag nachmittag spazieren und bin aus versehen auf den auslöser gekommen"
Mit Seidenwatte, oder ohne?

Mir ist klar, dass es genug Fotos gibt, bei denen nicht viel mehr Aussage hinter der Aufnahme steht. Trotzdem ist mir ein belangloses Safari-Bild oft noch angenehmer als das perfekt eingefangene Portrait des dritten Kindes.

Wenn Du - wie Du das gerne zelebrierst - fragst, was gemeint sei, ist das eine Vorgehensweise.

Wenn Ando jetzt sinngemäß sagt, es gibt Fälle, in denen es nicht schaden könnte, sich selbst erst einmal zu fragen - und das sind möglicherweise mehr als ohne eigene Mühe zu vermuten ist, dann beklagt er ja nicht den Fotografen=Sender, sondern den Betrachter/Empfänger.

Das ist von der Denke erst einmal ein anderer Ansatz ("Paradigmenwechsel" - tolles Wort!).
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  #14  
Alt 22.02.2011, 11:39
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Hallo,

Zitat:
Zitat von Ando Beitrag anzeigen
Wer - auf den ersten Blick - "inhaltlosen" Bildern nur mit Kopfschütteln oder sogar Ablehnung begegnen kann beziehungsweise nach Erklärungen, Anleitungen zum Verstehen etc. verlangt, sollte besser seine eigene, innere Bilderwelt prüfen.
ein Bild kann vieles. Es kann Inhalte und Botschaften transportieren, es kann auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden. All das kann ein Bild ... muss es aber nicht. "Botschaft" ist für mich kein digitaler Begriff mit dem Wertebereich "vorhanden" und "nicht vorhanden", sondern es hat eine vielfältigere Skale beginnend von "erkenne ich nicht" bis "verändert mein Leben". So sehr relativ/absolut ein Fotograf sein Werk als botschaftsbehaftet bewerben darf, möchte ich als Betrachter das gleiche Bild relativ/absolut auch als inhaltslos bezeichnen dürfen. Wenn die Bilderwelt des Betrachters so wenig deckungsgleich ist mit der des Fotografen, dass man sich auf keine Konsensbotschaft einigen kann, hat IMO der Fotograf mehr falsch gemacht als der Betrachter, denn er hat offensichtlich das Foto nicht für den Betrachter gemacht, sondern nur für sich. Dieses Bild dann zu zeigen muss irgendwo zwischen überflüssig und unhöflich eingestuft werden.

Wenn wirklich jedes Bild eine Botschaft transportiert, dann lasst uns das nächste Mal im Zoo nicht die Paviane fotografieren, sondern lasst die Paviane uns fotografieren. Wir stellen unsere Anstrengungen besser zu werden dann auf das gleiche Niveau wie das der Primaten, denn es wird sich schon irgend wann mal ein Affe finden, der jedes beliebige Foto toll findet.

Die totale Freiheit in der Fotografie führt so letztendlich zur totalen Beliebigkeit. Ich fände es spannender, nicht die eigene fotografische Erleuchtung im stillen Kämmerlein auszubrüten, sondern mich mit anderen auf eine Sprache zu einigen und mit bzw. an anderen zu lernen. Damit ist aber zwangsläufig verbunden eine Kategoriesierung der Bilder, die letztendlich manches Bild (sehr relativ, aber immerhin) als "besser" oder "schlechter" - weil konsensbedingt als unterschiedlich inhaltsbehaftet - einstuft. Das ist dann eben die Kröte, die geschluckt werden muss, wenn man sich mit anderen unterhalten will.

Ciao
HaPe
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Alt 22.02.2011, 11:47
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Zitat:
Zitat von Kay Beitrag anzeigen
... und das sind möglicherweise mehr als ohne eigene Mühe zu vermuten ist, dann beklagt er ja nicht den Fotografen=Sender, sondern den Betrachter/Empfänger.
niemand, das weder aber doch wann auch immer Kunst nicht, doch auch Kunst, kleine Geburt.

Wer das nicht versteht hat einfach nicht genügend nachgedacht?

Das würde dann gelten, wenn z.B. die überwiegende Anzahl von Betrachter auf eine nachvollziehbare und zumindest in Ansätzen ähnliche Interpretation oder auch Stimmung/Emotion kommen würden - ansonsten hat der Fotograf (Autor/Maler/Bildhauer...) schlichtweg sein Ziel verfehlt.

vg, stefan
  #16  
Alt 22.02.2011, 11:49
Benutzerbild von robert_m
robert_m robert_m ist offline
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AW: "Was soll dieses Bild, bitte?" - Plädoyer für "inhaltlose" Fotos

Zitat:
Zitat von shovelhead Beitrag anzeigen
Das sehe ich so wie Texte, hinter denen sofort die Frage auftaucht "Was will uns der Autor damit sagen?". Wenn der Autor seine Kernaussage nicht vernünftig formulieren kann, sollte er keine Texte verfassen, sondern von mir aus im Keller Aquarelle malen.
Du willst also selbstevidente Texte bzw. Bilder, bei denen man nicht mal einen Augenblick nachdenken muss. Nicht dass das nicht in Ordnung wäre, aber mir wäre das schnell langweilig. Vor diesem Hintergrund kann ich mit Andos Bildern und seiner im Eingangsposting dargelegten Idee wesentlich mehr anfangen als mit irgendwelchen Studioporträts beispielsweise, die doch immer wieder nur dasselbe sind. Deswegen halte ich mich von entsprechenden Beiträgen in aller Regel fern.

Gruß, Robert
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  #17  
Alt 22.02.2011, 11:53
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Kay Kay ist offline
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Zitat:
Zitat von Hans-Peter R. Beitrag anzeigen
... Die totale Freiheit in der Fotografie führt so letztendlich zur totalen Beliebigkeit. Ich fände es spannender, nicht die eigene fotografische Erleuchtung im stillen Kämmerlein auszubrüten, sondern mich mit anderen auf eine Sprache zu einigen und mit bzw. an anderen zu lernen. Damit ist aber zwangsläufig verbunden eine Kategoriesierung der Bilder, die letztendlich manches Bild (sehr relativ, aber immerhin) als "besser" oder "schlechter" - weil konsensbedingt als unterschiedlich inhaltsbehaftet - einstuft. Das ist dann eben die Kröte, die geschluckt werden muss, wenn man sich mit anderen unterhalten will.

Ciao
HaPe
Wozu willst Du Bilder in "besser" und "schlechter" einteilen. Du kritisierst wieder den Fotografen=Sender (und die Einteilung in "schlecht" hat schon in der Schule wenig geholfen).

Natürlich ist es erstrebenswert, dass wir auf lange Sicht "bessere" Bilder bekommen.

Es kann aber auch helfen, wenn wir uns als Betrachter zukünftig mehr Mühe geben.

Das eine schließt doch das andere nicht aus.

Bessere Bilder, sensiblere ...

Ach, was? Löschtaste - soll doch - geht schnell - ist das die einzige Lösung?
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Alt 22.02.2011, 11:54
Benutzerbild von shovelhead
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Zitat:
Zitat von hatschipu Beitrag anzeigen
Du willst also selbstevidente Texte bzw. Bilder, bei denen man nicht mal einen Augenblick nachdenken muss.
Ich will vor Allem nicht von Dilettanten gelangweilt werden!
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Alt 22.02.2011, 11:58
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Zitat:
Zitat von shovelhead Beitrag anzeigen
Ich will vor Allem nicht von Dilettanten gelangweilt werden!
so´ne Antwort haut mir die Perücke vom Kopf (Formulierung geklaut).
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Alt 22.02.2011, 12:06
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Hallo Ando,

ich lese gerne alle Arten von Themen und Beiträgen, die unser Hobby und deren Geräte von emotionaler oder gar philosophischer Seite beleuchten.
Manches "Du hast einen an der Waffel" ist für mich da völlig nachvollziehbar - da müssen Kirschen mit Sahne gemeint gewesen sein.

Ich stimme auch gerne jedem zu, der dazu einlädt, das ein oder andere Bild auch zweimal oder öfter zu betrachten, weil manche Botschaft halt auch gern mal etwas verborgen ist und sich erst der Wahrnehmung öffnet, wenn der Betrachter dies auch so zulassen möchte oder bereit dafür ist.


Vorsichtig werde ich, wenn ich eine Missionsabsicht zu erkennen glaube. Ebenso, wenn mir nahegelegt wird, dass ich meine Wahrnehmung prüfen oder trainieren soll, um manchen Bildern doch etwas abzugewinnen. Da mag etwas dran sein.

Es mag dann aber auch etwas dran sein, dass vielleicht mal ein "Kaiser" einem "gewissen Schneider" aufgessenen ist, wo ein "Narr" sehr schnell die "Wahrheit" erkennt.

Gegenseitige Toleranz löst so etwas gerne und gut. Imho.


GLG FMA



Die Wahrheit ist nur dann die Wahrheit, wenn es die Wahrheit von Beiden ist. (Chuck Spezzano)
Die folgenden 2 User sagen Dankeschön zu FMAnton für diesen nützlichen Beitrag:
flyyer (22.02.2011), Haryboo (04.03.2011)
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Stichworte
fotos, inhaltlose, plädoyer


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