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  #21  
Alt 07.03.2019, 19:15
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AW: Mein kleines Costa Rica

Sehr schöner Bericht mit schönen Bildern von schönen und interessanter Fauna!
So etwas wie den Rotaugenfrosch haben wir hier ja nicht.

Freigeräumte, gefegte Wege - na, das wäre was für mich, dachte ich mir zuerst,
als ich es gelesen habe. - Im Klartext: finde ich eigentlich unmöglich, so etwas,
im (Regen-)Wald.

Etwas später habe ich aber mal Eins und Eins zusammengezählt, und mir kam
eine Vermutung, warum man dort so etwas macht: Du berichtest ja von Schlangen,
auf die man besser nicht treten sollte. Also vermute ich: Gefegter Weg wird von
Schlangen gemieden, weil sie dort auffallen würden.

Habe ich damit recht?

Edit hat mal recherchiert, der Specht mit den rot-gelben Federn auf dem Kopf ist
wahrscheinlich ein Hoffmanspecht:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hoffmannspecht

Grüße,
Christian
.
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magnusfotofix (07.03.2019)
  #22  
Alt 07.03.2019, 20:23
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Danke Christian, es ist so wie du es vermutest, Schlangen legen sich überall hin, manchmal auch zum aufwärmen auf warme Steine. Teilweise sind sie dort sehr giftig und ich würde auch gerne auf einen direkten Kontakt verzichten. Du kannst übrigens beides haben, auf den Pfaden einiger Lodges wird nicht gefegt. In diesem Fall hier ist es aber ein "Park" der eben diese Qualität anbietet. Auf den Hängebrücken findet man auch kein rutschiges Laub.... Danke für den Specht, ich schaue....
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  #23  
Alt 07.03.2019, 20:29
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Auge in Auge mit der Bestie :)



PS: das Bild hier entstand übrigens erst am Tag der Abreise aus dem Auto heraus..... :)

... unser Eintreten blieb nicht unbemerkt und so kam die Herde sogleich auf uns zugelaufen. Wenn ich eins bei meinen vergeblichen Mühen reiten zu lernen mitgenommen habe, dann ist es keine Furcht zu zeigen, wenn man mit großen Tieren umgeht. Meinen Stock hatte ich also in der Rechten, meine D700 mit dem 20er in der Linken - mir war zwar nicht zum Fotografieren zumute, aber ich hatte ja keinen Kameragurt mehr und im Rucksack auch keinen Platz, da steckte das Tele - das waren zusammengefasst nur begrenzt gute Voraussetzungen für einen Stierkampf. Aber mit einer D700 kann man zur Not auch mal zuschlagen :)
Die Tiere kamen flott näher und es war nicht klar, ob sie neugierig waren und vielleicht Leckereien erwarteten, oder ob sie uns aus ihrem Areal einfach vertreiben wollten. Ich bin auch nicht auf dem Land aufgewachsen, und eine viel befahrene Straße wäre mir jetzt zehn Mal lieber gewesen.
Meine Frau blieb dicht hinter mir, wir gingen straff auf die Herde zu. Irgendwie hatte ich einen richtigen Hals, auf mich und meine Dummheit, und auf den Rest der Welt. Vielleicht war das gar nicht so schlecht.
Als die ersten Tiere etwa die Fünfmetermarke erreichten gab ich ein lautes "KSSS" von mir und lief unbeirrt weiter. Die Jungbullen stoben auseinander, wirkten irritiert und ebenso verunsichert wie ich es war, nur machten sie uns Platz und hielten Abstand.
Ich gebe zu dass mir das ein kleines Lächeln ins Gesicht zauberte, "Held zu sein" ist irgendwie ein herrliches Gefühl (grins) . Sie ließen uns passieren, hielten Abstand, kamen uns aber hinterher, so dass ich mich noch mal zu ihnen wendete und meinen Ton wiederholte. Wieder suchten Sie das Weite und ich hoffte nun, dass wir aus der Koppel rauskommen, bevor es sich einer anders überlegte und uns von hinten aufs Korn nahm.
Ich dankte Gott, als wir einen Ausgang fanden, und ich das Gatter hinter uns wieder verschlossen hatte. "Überstanden" dachte ich, aber wir waren ja noch nicht an der Lodge... Was man auf dem Handy nicht sehen konnte war, wie weit es denn noch sein könnte. Also für Entwarnung war es noch zu früh. Das Land ist recht hügelig und so gingen wir endlose Schritte über diese Weide, ich denke die Abschnitte waren etwa jeweils 500 Meter lang bis die nächste Koppel begann.
Hinter der nächsten Anhöhe sah ich in der nun untergehenden Sonne ein Dach und dann ein Auto. Das ist unser nächstes Ziel dachte ich, es war mir egal, wer dort wohnte, sicher bekämen wir geholfen. Nur noch ein paar hundert Meter ....und als wir dem Haus näher kamen entdeckte ich etwas weiter hinten unser Auto und dieses "wunderschöne Restaurant" der Anlage, wir waren tatsächlich in unserer Lodge angekommen.
Ich war völlig verdurstet und ging sofort zur Theke, dort stand ein Speicher mit gekühltem Wasser von dem man sich jederzeit nehmen konnte.... wie gut Wasser schmecken kann....
Wir setzten uns an einen Tisch, um zu verschnaufen und der nette Canadier am Nachbartisch fragte:" na, habt ihr einen schönen Spaziergang gemacht...? "
Ich bestellte ein paar Bier und wir erzählten und lachten miteinander.... Wie zu vermuten war, sind diese Rinder völlig harmlos, das kann so ein Greenhorn natürlich nicht wissen....
Der Canadier erwies sich als ein ebenso Fotoverrückter wie ich es bin, der hier seiner Passion der Vogelfotografie nachging. Er war ein kräftiger Mann, der seine Linse "500/4.0" mit einer verschwindend kleinen Canon hinten dran freihand benutzte.
Wie schon erwähnt gibt es ja keine Zufälle, denn mit ihm zusammen konnten wir die Tour durch die Mangroven noch buchen, die die Lodge für nur zwei Personen nicht gemacht hätte.
Das bedeutete früh aufstehen, was uns von einem gemütlichen Abend aber nicht abgehalten hat.
Die Tour durch die Mangroven machten wir mit Fidel, dem netten Guide der alle Verstecke der interessantesten Vögel kannte, und die ich dann auch mit mehr Bildern in Kürze präsentieren möchte...
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Alt 07.03.2019, 20:54
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Ja, einerseits mag ich so etwas nicht, andererseits kann ich verstehen, daß man seinen Gästen einen schlangenfreien
Weg anbieten möchte; einerseits kann man auf diese Weise einfach losgehen, andererseits, bei ungefegtem Weg, muß
man sich eben passende Schuhe, Hosen und ggfls. auch Stulpen anziehen, so daß die Waldbewohner nicht zubeißen
können.

Auf jeden Fall, immer noch, ein schöner Bericht.

Grüße,
Christian
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magnusfotofix (07.03.2019)
  #25  
Alt 09.03.2019, 14:59
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Tour in die Mangroven

Es ging früh los und ich musste mir den Wecker stellen, um 5.00 Uhr nicht zu verschlafen. Wir trafen uns mit Fidel, unserem Guide im Restaurant, tranken einen schnellen Kaffee und gingen gemeinsam zum Stand. Fidel hatte ein waches Auge auf ein voller Holz liegendes Areal, in dem sich zeitweise wohl Krokodile aufhalten, wenn man den Hinweisschildern Glauben schenken mag. Jedenfalls wird Baden hier nicht "empfohlen"
Ein Boot war bereits zu Wasser gelassen, mit Sonnenschutz und Platz für zwanzig Passagiere, aber wir waren glücklicherweise mit Fidel nur zu fünft, das heißt wir hatten jede Menge Platz zum entspannten Fotografieren.
Auf dem rustikalen Steg hatten zahlreiche Vögel übernachtet, dominiert wurde er von Seeschwalben, die sich nicht weiter durch uns stören ließen und etwas entfernt sitzen blieben.





Das erste Licht war knapp für mich und ohne VR, es würde wohl eine ganze Weile noch so bleiben und ich hoffte inständig, dass ich irgendwie von diesen 6400 ISO runterkomme.
Zunächst zeigte sich aber die Morgensonne als Lichtmagier, frühes Aufstehen lohnt eigentlich immer.





Fidel ließ den Motor brummen und wir machten ordentlich Meter in nordwestlicher Richtung an den Ufern entlang .
Schon jetzt sahen wir überall in den Bäumen große Greifvögel sitzen, die erstaunlicherweise hier eine recht hohe Fluchtdistanz hatten. Wir waren echt früh unterwegs, die ganzen Vögel noch auf den Schlafbäumen und mancher noch mit dem Kopf unter dem Flügel :)
Uns kam ein Fischer entgegen, der einen ganzen Tross flapsig fliegender Fregattvögel hinter sich herzog, die es auf Fischreste abgesehen hatten.





Irgendwie kann ich diese Vögel nicht so recht leiden, seit ich einen Film über schlüpfende Meeresschildkröten gesehen hatte, die zum großen Teil eben von diesen Fregattvögeln gefressen wurden. Na ja, so ist die Natur eben...
Auf der anderen Seite haben die eine so elegante Silhouette, dass sie einen wiederum faszinieren.





Wir näherten und den Mangrovenfeldern, ich hatte die irgendwie anders in Erinnerung, nämlich dass von Land aus Bäume auch in das Wasser hineinwachsen und diese typischen Wurzeln ausbilden.
Hier war von "Land" gar nichts zu sehen, also wenn man ins Wasser fällt ... da kommt man nicht hoch, keine Chance, es ist ein Habitat für Fische und Vögel. Durch und durch nur Geäst bzw. "Gewurzel"








Ein Löffelreiher kurz nach dem Erwachen.... er hatte sich freundlicherweise umgedreht, er zeigte zuerst nur den Rücken...





Einer der Pelikane, die zusammen mit den Fregattvögeln den Baum geteilt hatten, nahm uns unter die Lupe.





Wie zu erwarten gab es hier die unterschiedlichsten Reiher, allesamt aber recht scheu.





Ein ganz besonderes Gemüt haben diese Kahnschnäbel, leider saßen sie extrem im Schatten. Der hier ignorierte uns ewig, bis er mal zu uns schaute. Was für Augen....




Für mich so etwas wie ein großer Brachvogel, hier war er sehr häufig.




Obwohl unerreichbar auf dem Ast hatten wir gerade die Fluchtdistanz unterschritten, im nächsten Bild waren die Flügel schon außerhalb des Formates.





Und noch ein ganz kleines verstecktes Tier, ich frage mich wie der Guide es sehen konnte, denn der Canadier und ich brauchten Minuten um es auf Anweisung zu entdecken.





Zusammengefalteter Fregattvogel... also ob er kein Wässerchen trüben könnte





Ausgeschlafen machten sich die Tiere auf den Weg zu den Futterquellen.





Etwas weiter auf den Sandbänken waren dann auch solche Kollegen anzutreffen. Das Bild hier entstand aber bei einer anderen Gelegenheit. Nicht minder eindrucksvoll.





Es war ein schöner Tagesauftakt, beim Frühstück wurden die Bilder gesichtet , der Canadier hatte mit seiner famosen Linse sehr gute Aufnahmen gemacht. Für manche Szene war die Linse aber zu lang und so fachsimpelten wir über das Für und Wider von solch einem Zoom wie meinem....

Die nächste Station führte uns noch mal in den Regenwald, aber diesmal so richtig, mit einer Anfahrt die alleine schon ein Abenteuer war.
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Alt 12.03.2019, 17:24
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AW: Mein kleines Costa Rica

Zu unserer letzten Urwald Station ging es über einem weiteren Zwischenstop im kleinen und sehr feinen Hotel Beso del Viento nahe Parrita direkt an einem endlosen Strand am Pazifik.
Es ist dort derartig sauber und gepflegt, dass es einen starken aber nicht unwillkommenen Kontrast zur Lodge auf dem Land darstellt. In der ebenso mit Herz gepflegten, wie auch schönen Anlage mit Palmen, Pool und Leguanen kann man herrlich entspannen. Der Pazifik ist hier nicht zum Schwimmen geeignet, da sehr gefährliche Strömungen auftreten können. Der palmengesäumte Strand ist wirklich endlos, die Sonne gnadenlos. Also Pool mit Sonnenschirm :)
Die französischen Gastwirte servieren ein sehr feines Abendessen, Fisch mit einer würzigen aber milden Chilisoße, dazu einen feines Gratin aus Kartoffeln/Blumenkohl.... und zum Nachtisch eine Mousse aus Schokolade/Kokosnuss mit zwei Kugeln Erdbeersorbet, Wein, Espresso, Digestiv.... genau... zusammen mit der perfekt dosierbaren Klimaanlage war das eine gute Sache.
Weiter ging es am nächsten Morgen an der Küste entlang bis fast ganz runter in den Süden von Costa Rica. Die Destination nannte sich Finca Bellavista, Provinz Puntarenas, Piedras Blancas. Ich hatte schon gelesen, dass das letzte Stück Straße der Hammer sein soll.
Definiere "letztes Stück"..... es waren nach Angaben der Lodge drei Kilometer, wie ich nachher lesen konnte, gefühlt waren es zehn. Durch die letzte Ortschaft führte schon eine Schotterpsite, hier eine kleine Furt, und für leichte Fahrzeuge eine Brücke.




Die Straße wurde zunehmend grober und ich dachte aha, jetzt geht es los, dann kann es nicht mehr weit sein. Das Auto hüpfte hin und her.... Eine Stimme sagte zu mir "lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen" - Ich lächelte und war froh und es kam schlimmer.
Das hier ist noch ein perfekter Abschnitt, doch nun wurde es auch noch steil...




Offensichtlich spült der sintflutartige Regen der Regenzeit gerade auf den steilen Passagen die ganzen kleinen Steine hinweg und es bleiben nur die größten hier zu sehenden Brocken liegen. Das hatte in einigen Passagen nahezu Flußbettcharakter.... Ich schaltete auf permanenten Allradbetrieb und dachte ok, dann schauen wir mal. Es ging bergauf und bergab und ich hoffte inständig, dass kein Gegenverkehr auftauchte, denn es war definitiv nur eine Spur.
Das Ziel auf dem Handy rückte näher, lag dann aber etwas ab von uns, wir sollten uns irgendwie mehr rechts halten. Da war aber kein Weg. Es ging wieder steil bergab und links herum und wir bewegten uns nun deutlich weg von unserer Zielmarkierung und zwar kontinuierlich.
Es ging wieder bergauf die Straße wurde schlimmer, wir waren augenscheinlich schon vorbei. Auf der anderen Seite war ja auch keine Abzweigung zu sehen gewesen.....oder ? Also so ein Off-Road-Fan hätte seinen Spaß gehabt. Die Steine flogen unter dem Auto, ich dachte nur ojeoje.... Gott sei Dank Vollkasko OHNE Selbstbeteiligung.... Ein kleines Schild wäre so schön gewesen.
Irgendwann war es mir egal, man wird ja schon irgendwo ankommen. Ein paar Biegungen, Steigungen, Gefälle weiter kam tatsächlich das Schild willkommen in der Finca Bellavista und dann konnte man auch schon einen Parkplatz entdecken.
Auf einer freundlichen Lichtung an einem Bachlauf war ein hübsches Areal angelegt mit der Rezeption, Restaurant und Bar als Basiscamp. Fazit: Die Zielfahne muss nicht mit dem korrekten Ort korrelieren, das ist man allerdings gar nicht mehr gewöhnt in GPS-Zeiten. Also ich war glücklich angekommen zu sein.
Nach dem Check-In nahmen wir nur das Wichtigste in ein paar Tüten mit, denn zu unserem Baumhaus mit dem klangvollen Namen "El Castillo Mastate " war es eine kleine Wanderung von einer halben Stunde. Ich fragte mich bei dem Weg, ob ich das Haus auch im Dunkeln später noch finden würde, denn das Abendessen gab es im Basislager, aber erst nach Sonnenuntergang.
In der Beschreibung steht, man sollte für diese Lodge eine gute physische Konstitution haben. Das kann ich bestätigen, denn es war ein hoch und runter die halbe Stunde, dass ich geschnauft habe wie ein Walross. Ich "liebe" meinen Zwölfkilofotorucksack..... Zum Schluss des Weges ging es dann noch mal vier Stockwerke nach oben zu dem Basishaus.
Das Haus war groß, es konnten dort mit dem Baumhaus zusammen sechs Personen übernachten, Küche war vorhanden, alles sehr neu und ordentlich. Zum eigentlichen Baumhaus führte eine Hängebrücke in einen Aussichtsbereich und dann noch eine steile Treppe nach oben in ein kleines Appartement mit Sofa, Himmelbett, WC, und zwei Liegen auf dem Balkon. Die Räume sind nur mit Fliegengittern nach außen abgetrennt, man liegt also nachts mit den Ohren mitten im Wald.




Leider habe ich von dieser tollen Lokation aus kaum Tiere sehen können, dafür hatten wir sie nachts ganz nah.

Erkundung der Anlage:
Durch den kleinen Bach war das Insektenleben in dem Bereich des Basislagers besser als in den anderen Lodges, es war einfach feuchter und ich widmete mich dieser Fauna mit meinem 105er Makro. Endlich sah ich mal ein paar echt bunte und skurrile Insekten die mich ja hier hergelockt hatten. Zarte Libellen flatterten sorgsam zwischen dem Grün und ein riesiger Morphofalter kam den Weg entlang geflattert, und passierte uns nicht weiter beachtend.... hier war ich richtig.

Ein paar Impressionen für Euch... :)


Heuschrecke




Libelle




Rüsselkäfer




Wanze




Einer der vielen Schmetterlinge




Heupferdnymphe




Eine kleine Zikade, mit solch breiten Flügeln habe ich sie noch nie gesehen... faszinierend




Heuschreckennymphe




Grabwespe




Erstmalig konnte ich eine Besonderheit bei diesen Grabwespen beobachten. Grabwespen zeichnen sich dadurch aus, dass sie Raupen oder andere Beutetiere lähmen, sie in eine Bruthöhle bringen, ein Ei daran legen und die Höhle verschließen. Guten Appetit.... Zunächst dachte ich das Opfer ist eine grüne Raupe, dann hatte sie weiter hinten eine andere Farbe... hm... Was ich noch nie gesehen hatte war, dass sie die armen Raupen-Opfer vor dem Transport massiv bearbeiten, so dass diese sich komplett entleeren. Das grüne war also sozusagen frisches Pesto :))
Flugtechnisch macht das natürlich Sinn, denn bei allem was sich in die Lüfte erheben will ist das Gewicht ein sehr limitierender Faktor. Also man lernt nie aus.
Die Zeit verging wie im Fluge, die Berg und Talbahn die immer zu bezwingen war forderte ihren Tribut, und ein drastischer Durst zog mich hin zur Bar, die ab 17.00 Uhr zur Happy Hour rief.
Es ist kaum vorstellbar wie gut ein kaltes Bier schmecken kann, auch wenn man eigentlich Weintrinker ist.
36 Grad und die Bewegung im Gelände sorgen für einen Flüssigkeitsbedarf, dessen Ausgleich sofort aus allen Poren kommt. Man sollte immer Wasser mit dabei haben, wenn man durch das Gelände läuft. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern jemals so geschwitzt zu haben. Die Bar mit einem herrlichen Ausblick über das kleine Bachtal lud dazu ein, die Szene einfach bei einem kühlen Bier auf sich wirken zu lassen. Wieder war einiges an Kleinvögeln zu sehen, nicht so nah wie auf der Maquenque Lodge, aber auch gut. Ich war gespannt auf das Abendessen.... und auf die Nachtwanderung...
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Um 19.00 gab es Abendessen, das als ein Buffet aufgebaut war. Die junge Crew dort hatte das alles selbst gemacht, einen regelrechten "Koch" gibt es wohl nicht, und so gab es sozusagen Hausmannskost. Das war an dem Abend eine Art würziges Hühnercurry, natürlich Bohnen und Reis, Gemüse, gebackene Bananen, aber auch Salat. Insgesamt war es keine kulinarische Offenbarung, aber schmeckte durchaus und war ausreichend.
Mittlerweile war es schon dunkel und nachdem die wichtigsten Nachrichten mit der Heimat ausgetauscht waren stand der erste Weg in die Unterkunft an. Leider war der Vorteil einer größeren Gruppe nun dahin, die Chancen von einem Jaguar gerissen zu werden lagen im Falle des Falles bei fünfzig/fünfzig.
Für ein Fotoforum ist es natürlich blöd das ohne Bilder zu beschreiben, aber ich denke es interessiert möglicherweise doch den Einen oder Anderen und so schildere ich einfach mal die folgenden Erlebnisse.
Mit unseren Kopflampen machten wir uns auf den Weg zur Hängebrücke über die man das Basislager verließ und den finsteren Dschungel betrat.
Ja, also ich hatte schon gemischte Gefühle, die Konzentration lag aber darauf sich nun nicht zu verlaufen, und die richtigen Abzweigungen zu treffen. Es war ganz gut, dass wir tagsüber die Gegend noch erkundet hatten und uns bestimmte Marken einprägen konnten.
Es knackte schon hier und da, aber wir leuchteten in erster Linie den Weg ab, der voller Laub lag und auch Tiere beherbergen konnte, auf die ich nicht gerne treten würde.
Plötzlich hörten wir ein Geräusch ganz nah bei uns aus dem Dickicht am Wegrand. Wir blieben stehen und leuchteten in die Richtung. Es war ein massiges Geräusch, es musste ein Tier sein, dass von einem Baum auf den Boden gesprungen oder gefallen war. Also standen wir da und sahen... einen kleinen Nasenbären, den wir wohl durch unseren Lärm erschreckt hatten und der jetzt das Weite suchte. Es war richtige "Dunklerwaldstimmung ", doch wir fanden den Weg ohne Irrläufer. Ich war dennoch recht glücklich als wir unsere Heimstatt erreichten und mit einer Flasche gut gekühlten chilenischen Weißwein in das Baumhaus stiegen, um unsere erste Urwaldnacht in den Baumwipfeln zu verbringen.
So ganz dicht schien unser Baumhaus aber nicht zu sein, denn als wir das Licht am Bett anschalteten dachte ich einen Kolibri fliegen zu hören. So hübsch war das Tier dann doch nicht und ich habe noch nie eine so große Schabe gesehen, die an dem Lampenschirm herumkletterte. Sie ließ sich mit dem großen Wasserglas und der laminierten Wegbeschreibung aber leicht fangen und in die Freiheit entlassen.
Das Licht ließen wir dann einfach aus und lauschten bei einem kühlen Wein den Geräuschen der Nacht. Es wehte ein angenehmes Lüftchen dort oben. Die Zikaden machten einen ohrenbetäubenden Lärm, also wenn die Mittelmeerzikaden zirpen, dann kreischen diese Tiere hier.
Irgendwann trat dieses Zirpen in den Hintergrund flaute auch ab und andere Geräusche traten hervor. Irgendetwas wälzte sich durch die Büsche am Boden. Es muss groß gewesen sein, wenn man das Blattwerk schätzt, welches geräuschvoll beim Durchschreiten verdrängt wurde. Es war stockdunkel. Etwas war auf das dünne Welldach gesprungen und lief etwa über meinem Kopf, trollte sich aber scheinbar wieder, da es dann ruhig war. Vermutlich irgendein Hörnchen.... Immer wieder schien etwas auf das Dach zu fallen, darüber zu kullern oder zu laufen... es war insgesamt auch ein reges Treiben dort unten zu hören. Plötzlich erschien so etwas wie ein Glutfunke und schwebte unter unserem Vordach. Feuerrot glimmte ein offensichtlich flugfähiges Glühwurmäquivalent auf der Suche nach einem Geschlechtspartner. Wie ich erfuhr war das ein Feuerwurm, der dieses Wunder der Natur zu uns in die Baumkrone transportierte.
Wir schliefen unter einem Moskitonetz, was nach der Schabenattacke schon etwas beruhigend war....
...und erwachten mit dem Vogelkonzert zum Sonnenaufgang, in der Ferne hörte man Brüllaffen. Es hatte sich abgekühlt und im Licht sah man die Feuchtigkeit aufsteigen. Wir machten uns einen Kaffee im Haupthaus und genossen das morgendliche Treiben auf der Terrasse auf dem Baum. Die zwei Nächte hier werde ich wohl nie mehr vergessen.
Mein Fazit für die Lodge:
Eine Hammererfahrung, es ist sehr ursprünglich, aber alles sehr sauber und gepflegt, gute Sanitäranlagen am Restaurant und in unserer Unterkunft, die jungen Leute haben hier ihren Spass und machen das mit Freude. Das Essen ist ok, ich würde hier wieder hinfahren, gerne noch einen Tag oder zwei länger....
Zum Abschluss möchte ich noch ein paar Urwaldimpressionen zeigen, Ich hoffe es hat etwas Spaß gemacht das Erlebte mitzulesen und ich konnte Euch einen Eindruck vermitteln, wie sich eine Reise in den Urwald anfühlen kann. Es war einer meiner interessantesten Urlaube den ich je hatte.

Ein Spagetti-Fruchtstand




Eine bizarre Blüte, extra für Kolibris konzipiert?




Kleine Schwebfliege




Blütenstand, oder Frucht??




Licht und Schatten




Wurzelbereiche



Blütenpracht



Das Kitschigste am Schluss..... So wie eine Blüte irgendwann zu Boden fällt, neigte sich unser Urlaub auch dem Ende zu. Es stand am nächsten Tag die diesmal sehr lange Fahrt nach San Jose mit rund 450 Kilometern an. In der Villa Colon hatten wir eine letzte gepflegte Übernachtung und einen pünktlichen Transfer zum Airport.
Das hat alles so gut geklappt, dass ich die Agentur "Travel to Nature" und hier die fleißige Frau Müller einfach lobend erwähnen muss, die ganze Reise war von der Planung bis zum Schluss ein Genuss.


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Was ich noch einstellen wollte war die Gesamtroute unserer Reise.

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