2:1 Makroaufbau aus Makro+Kupplungsring+Retro

11.04.2010 16:07 Wuxi#1
Hallo Zusammen,
vor einigen Wochen fand ich meinen alten Analog-Fotokoffer im Keller wieder.
(Den ganz alten aus den 70ern ;-))
Dabei fielen mir so ein paar Minolta-Objektive in die Hände und ich erinnerte mich gelesen zu haben, dass ein umgekehrtes Weitwinkel von ein Makro geschraubt werden kann um damit die Bereiche größer 1:1 zu erreichen.
Ich habe dann ein paar Threads (1, 2) dazu gelesen und einen eigenen eröffnet, wo mir sehr gut geholfen wurde. (Danke)
Daher hier ein klitzekleiner "Erfahrungsbericht" als Dankeschön.

Zuerst ist einmal wichtig zu wissen dass das Verbindungselement KUPPLUNGSRING heisst. Denn dann findet man erst Anbieter dafür.

Ich habe dann bei Heliopan für kleines Geld so ein Ding bestellt (gibts bei eBy oder anderen etl noch billiger) welches ich nach 2 Tagen in der Hand hatte. Und: es klappt. Sogar gut!

Hier ist mein Linsenaufbau:


Nikon AF-S 105
Kupplungsring 62x52 (mit Rändelung)
Minolta MD Rokkor 50/f1,7
(Es ist noch ein Reduzierring im Spiel, der wäre aber nicht nötig. Ich hätte auch einen Kupplungsring 62x49 bestellen können. Das hat nur den Grund dann ich noch weitere MF Objektive anschliessen kann.)
Man beachte die ziemlich große Hinterlinse des relativ lichtstarken MF Objektivs. :D

Hier ist mein "Studio":


Weil Kamera und Linsenkombi nun doch recht unhandlich geworden sind, stelle ich die einfach stabil auf meinen Schreibtisch und bewege lieber das Motiv, hier eine Hortensien(schein)blüte, mit Hilfe einer einfachen "dritten Hand" aus China (eigentlich für Lötarbeiten gedacht)
Licht kommt aus der Schreibtischlampe.

Hier ist mein Ergebnisfoto (Best of only 10):


Blende 22, 3 Sec, 105mm + Retro 50mm an DX (kein Ausschnitt)
Die innere (grünlich gefüllte) Blütenknospe ist in diesem Fall ca 2mm klein gewesen.
Die Vergrößerung liegt bei ca 2:1.
Dieses Ergebnis ist doch gar nicht so schlecht, oder? Die Auflösung der weit aussermittig liegenden Blüte ist sehr gut (auch in voller Auflösung wirklich toll).

Meine Zusammenfassung:
1) wenn man schon ein Makro und ein altes Normalobjektiv hat (und das sind ja vielleicht ganz schön viele) dann kostet der Spass nur 20 Euro oder sogar weniger.
2) Die Retro-Optik ist vollständig korrigiert und damit weit besser korrigiert als jede Nahlinse
3) Alle Kamerafunktionen (Belichtung, Blende, AF, usw.) funktionieren, was bei Balgen oder Retroadapter ja nicht immer der Fall ist.
4) Ich sehe keine Vignettierung in dieser Kombination (an DX wohlgemerkt!). Zuerst hatte ich mein 35/F2,8 erprobt, welches ca 4:1 bringen würde. Dabei ist aber leider das Bildfeld deutlich zu klein, sprich man hat nur einen kreisförmigen Ausschnitt auf dem Sensor.
11.04.2010 17:09 Beuteltier#2
Hallo!
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Originally Posted by Wuxi »

...
4) Ich sehe keine Vignettierung in dieser Kombination (an DX wohlgemerkt!). Zuerst hatte ich mein 35/F2,8 erprobt, welches ca 4:1 bringen würde. Dabei ist aber leider das Bildfeld deutlich zu klein, sprich man hat nur einen kreisförmigen Ausschnitt auf dem Sensor.

Bravo, gut hinbekommen!
Um das 35/2.8 verwenden zu können, brauchst du vermutlich ein Telemakro mit 200mm oder mehr...
11.04.2010 17:18 Wuxi#3
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Originally Posted by Beuteltier »

Hallo!
Bravo, gut hinbekommen!
Um das 35/2.8 verwenden zu können, brauchst du vermutlich ein Telemakro mit 200mm oder mehr...

Danke.
Von Deiner Klebetechnik-Empfehlung habe ich dann doch lieber die Finger gelassen ;-)


Ich glaube verstanden zu haben das hat was mit den Eintrittspupillen zu tun, indirekt also mit den Verhältnissen Blende:Brennweite.
Wenn ich also ein 105er Makro mit Offenblende 5,6 hätte würde es gehen, weil platt gesagt die Frontlinse dann kleiner wäre als diejenige vom 35er.


Laienhaft gesprochen braucht man gleich große Frontlinsen, und das Brennweiten-Verhältnis Makrolinse/Retrolinse bestimmt die erreichbare Vergrößerung.
11.04.2010 17:24 Two Jack#4
Hallo Frank,

sehr informativ, Danke dafür. Ein 35er in Retrostellung an einem 105er ergibt genau 3:1, bei einem 200er an der Kameraseite wären es schon fast 6:1.

MfG, Wilfried
11.04.2010 17:33 Wuxi#5
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Originally Posted by Two Jack »

sehr informativ, Danke dafür.

Ein 35er in Retrostellung an einem 105er ergibt genau 3:1, bei einem 200er an der Kameraseite wären es schon fast 6:1.

Gerne

Zu dumm, dass mein 35er kein F1,4 ist :heul:

Allerdings wenn ich bereit bin zu croppen kann ich es schon auch verwenden. Dennoch werde ich erst mal mit dem 50er weiterspielen :-)
27.04.2010 09:43 culpain#6
Hallo Frank,

das hast Du gut hinbekommen - danke für Deinen Erfahrungsbericht, der meine Gedanken aus dem anderen Thread bestätigt.

Möglicherweise macht das Arbeiten mit einem Balgen und einem Balgenkopf in der Praxis mehr Spaß - aber es dauert auch länger, ist mehr als deutlich teurer und nicht so fix zur Hand.

Beste Grüße :hallo:

Armin