Technisch reichlich unperfekt ...

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Stefan L.

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... sind die nun folgenden Fotos, doch keines davon möchte ich missen.

Ich darf Euch vorstellen: Josef Lehmann und wie es sich für einen Ruhrpott-Kater gehört mit Kurzform Jupp


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(Ja das Bokeh des 24-85 2.8 - 4.0 ist wirklich schauderhaft)​

Meine Frau bekam ihn mit 6 Wochen und ich durfte ihn mit 6 Jahren kennenlernen. Leider vertrugen er und sein Kumpel Rudi (den wir vor 7 Jahren beerdigen mußten) so gar nicht mit meinen beiden Mädels. Zusammenziehen in einer Mietwohnung schien unmöglich und auch unbezahlbar, da Herr Josef sich mit seinen 6,5kg zu gern auf meine Mädels stürzte und ich fast jede Woche zum Tierarzt mußte. Zum Glück fanden wir unser Häuschen im Grünen und mit etwas gemischten Gefühlen liessen wir die vier ihre neue Heimat erkunden. Rudi war 12, Jupp 6 und meine Mädels 3 als sie das erste Mal in der freien Natur herumspazierten. Unsere Sorgen waren allerdings unbegründet und bereits nach einer Stunde Freigang kam er stolz mit einer Amsel im Maul zurück. Während die anderen drei immer in unserer Nähe blieben erweiterte Jupp sein Revier beständig und auch nach oben

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(Volle Pulle Gegenlicht und dann auch noch Bewegungsunschärfe)​

Das trieb er dann so weit, das er irgendwann schreiend fast in der Krone eines Baumes saß. Meine Frau kletterte ihm voller Panik hinterher und als sie dann in einer Astgabel so festhing, das sie selbst fast nicht mehr herunter gekommen wäre kletterte er genüsslich miauend über ihren Rücken wieder vom Baum herunter.

Die zweite grosse Leidenschaft war die Jagd.

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(AF-S ist irgendwie reichlich bescheuert, wenn man Katzen knipst)​

Oft fanden wir die toten Mäuse und Vögel irgendwo im Haus, einen Großteil verspeiste er aber auch mit Genuß. Spannend war auch zu beobachten, wie sich die beiden jungen Kater, die wir später noch aus einer Tierrettung dazunahmen bei ihm das Jagen abschauten.

Im Gegensatz zu unseren Jung-Katern, die auch schonmal ein paar Tage unterwegs sind, kam Jupp jeden Abend nach Hause und genoß es -insbesondere im Winter- auf dem Sofa zu liegen. Wie es sich für den Chefkater gehört, natürlich ganz oben auf der Lehne.

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(Manchmal ist ein 50 1.4 an einer FX zu viel des Freistellungsguten)​

Keine Ahnung, ob eine der Mäuse schlecht war, oder es das Alter (16) war, jedenfalls wurden im letzten Jahr dann seine Blutwerte immer schlechter und trotz Leber- und Nierenfutter und Schilddrüsentabletten blieben von den ehemals 6,5kg nichtmal mehr die Hälfte übrig und so entstand gestern dieses Foto

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Eigentlich wollte ich noch eine weitere Aufnahme mit Belichtungskorrektur ins Minus machen, aber Jupp sah das anders und krabbelte auf meinen Schoß wo er schurrend blieb, bis wir uns auf dem Weg zum Tierarzt machen mußten.

Dort schlief er in meinen Armen für immer ein ... :heul:
 
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Timotheos

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Drei feine Hunde habe ich schon so im Arm haltend verabschiedet. Man kann den Kummer gar nicht in Worte fassen. Schön, dass die Bilder bleiben.
 
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tiss

Guest
Puh das ist tough :blue:. Danke für das Teilen der schönen Erinnerungen.

Gruß
Matthias
 
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ottilie17

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Puh, Hut ab! In dieser schweren Stunde war mir nach fotografieren gar nicht zumute.

Danke für die schöne Story.

Mein Beileid.
 
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Nikmate

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So ähnlich erging es uns vor einem Jahr mit unserer Katze Momo nach ebenfalls knapp 16 Jahren. Wenn ich deinen Bericht lese kommt das wieder hoch. Die beiden treffen sich hinter der Regenbogenbrücke...
 
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Stefan L.

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Ich möchte Euch für die netten Worte herzlich danken und auch allen die nichts geschrieben haben. Ich bin mir durchaus bewußt, das Trauer um ein Tier nicht für jeden nachvollziehbar ist. Als wir seinerzeit Rudi begraben hatten sagte mein Vater zu mir, das ich nicht so rumheulen, sondern ins Tierheim gehen und mir irgendeine Katze besorgen solle. Das wir immer noch vier hatten und es deshalb nicht darum ging einfach wieder irgendeine neue Katze zu haben war ihm nicht verständlich zu machen.

Mit diesem Thread -deshalb auch der komische Titel und die Einleitung- möchte ich auch ein paar für mich wichtige Erkenntnisse mit Euch teilen.

Nachdem Rudi gestorben war stellte ich fest, daß ich von ihm fast keine schönen Fotos hatte. Also fing ich an wie wild die Viecher zu knipsen, Emmi, der uns zugelaufen war, die Jung-Kater, die so süß waren, das erste Pferd, das zweite Pferd ...

... als es über den Winter immer klarer wurde, das Jupp sein letztes Lebensjahr erreicht hat stellte ich mit Schrecken fest, das ich von ihm und meinen Mädels immer noch kaum schöne Fotos hatte. Die waren halt immer schon da, nicht neu, nicht mehr sooooooooo süß und von denen kann man ja immer mal noch schöne Fotos machen. Ich nahm mir das dann ganz fest für diesen Sommer vor, aber die Natur sah das wohl anders.

1. Erkenntnis: Wenn Du von etwas Fotos machen willst das Dir wichtig ist, dann tue es sofort, wer weiß ob Du "irgendwann" noch die Möglichkeit dazu hast

Die meisten, der in diesem Thread gezeigten Fotos hatte ich schon mehrfach im virtuellen Papierkorb liegen. Hey du hast zig-Kameras und für zig-tausend € Objektive, da kannst Du ja wohl spielend "irgendwann" viel schönere Fotos als diesen Müll machen. Heute bin ich heilfroh, das sich der Foto-Messi in mir durchgesetzt hat und ich sie nicht gelöscht habe.

2. Erkenntnis: Lösche technisch schlechte, aber ansonsten wichtige Fotos nur dann, wenn technisch bessere und genauso wichtige im Kasten sind

Noch ein paar Worte dazu was mich geritten hat in seiner letzten Lebensstunde noch Fotos zu machen.Ursprünglich war es der -natürlich hoffnungslose- Versuch noch ein paar schöne Fotos von ihm zu machen. Mit verheulten Augen ist übrigens der Live-View einem Sucher ziemlich überlegen.
Inzwischen haben diese Fotos eine ganz andere Bedeutung für mich erhalten. Wir haben bei zwei Katern zuvor den "richtigen" Zeitpunkt verpaßt, beide haben deutlich gelitten, bevor wir es übers Herz brachten sie zu erlösen. Meine Frau und ich waren uns einig, das wir -egal welches Tier es sein möge- darauf achten, das es ohne sich vorher quälen zu müssen gehen darf.

Doch war bei Jupp der Zeitpunkt schon gekommen? Ja er war stark abgemagert, hatte ziemliche Verdauungsprobleme und konnte sich nicht mehr lang auf den Beinen halten, aber er trank, fraß, kam auf den Schoß, schnurrte ...

Als ich die Bilder dann auf die Platte zog und anfing im Archiv zu kramen wurde mir erst bewußt, wie sehr er in der letzten Zeit abgebaut hatte. Wenn man so ein Tier jeden Tag sieht fällt es einem nicht so extrem auf, aber der Vergleich von 5-6 Jahre alten Fotos mit denen vom Fr. machen mich sicher, das wir diesmal den "richtigen" Zeitpunkt getroffen haben.
 
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T

tiss

Guest
Vielen, vielen Dank für deine Gedanken und Erkenntnisse. Da bin ich 100% bei dir. Ich denke mir auch manchmal, Du hast doch schon ewig viele Fotos von den Doldis, aber ich möchte fast sagen, man kann nie genug haben.

Gruß
Matthias
 
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xweuf

Sehr aktives Mitglied
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Genau Deine Geschichte habe ich schon des öfteren mitmachen müssen. Aus natürlichen und verkehrstechnischen Gründen heraus. Wenn man 35 Jahre lang immer 3 Katzen hat, bleibt leider auch das nicht aus. Sie gehören zur Familie und sind Teil des Lebens geworden. Entsprechend schmerzlich ist der Verlust der Vierbeiner. Allerdings erträglicher, wenn man weiß, wie es zu ende gegangen ist und nicht Angst haben muss, dass das Tier verletzt, angefahren oder gequält wurde. Letzteres liest man ja immer wieder, keine halbe Stunde von hier.
Aktuell sind es noch zwei, die Lieblinge unserer Kids.
Weil ich auch nie weiß, wie lange es die Räuber noch gibt, nutze ich die mir gebotenen Möglichkeiten, immer mal wieder bewusst Fotos von ihnen zu machen. Auch von ganz alltäglichen Dingen - aus deren Leben eben.
Martin
 
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CorvusNiger

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Danke für deine wertvolle Geschichte, die den Wert eines Bildes abseits jedweder technischen Diskussion vor Augen führt.
 
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mores

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Deinen Erkenntnissen muss ich recht geben - bei all der Theorie und Kunst kommt es im Endeffekt meist nur auf den Inhalt an und was dieser im Betrachter auslöst.

Mein herzliches Beileid.
 
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