Sollte man alles Nutzen, was Software kann? (Luminar 4)


bassheiner

Sehr aktives Mitglied
Manchmal kaufe ich Dinge, die man eigentlich nicht braucht und ja, ich bin ein Spielkalb.
Da ist es nicht verwunderlich, dass ich nach einem tagelangen Bombardement mit
Luminar 4 Werbebannern an dieser Stelle, letztlich das Programm ausprobiert und
gekauft habe.

Soweit so gut. Die Software hat ihre Qualitäten und ist wirklich nicht schlecht und leicht
zu bedienen. Ein Highlight ist die Möglichkeit, in Fotos auf die Schnelle einen flauen
Himmel gegen einen spannenden auszutauschen. Es steht eine Auswahl an Himmelbildern
zur Verfügung, die man auch noch durch eigene Aufnahmen von interessanten Wolkengebilden
und Sonnenuntergängen ergänzen kann. Das Ganze funktioniert sozusagen auf Knopfdruck
ohne eigenes Zutun. OK, man muss lediglich den passenden Himmel aussuchen.

Wirklich toll und es auszuprobieren macht Spaß.

Aber dann beginnt auch schon mein Dilemma. Wenn ich mir nun hier oder auf Flickr, 500px
oder sonst wo tolle Landschaftsbilder mit dramatischen Himmeln ansehe, denke ich seit
ich Luminar 4 ausprobiert habe, ob das alles echt ist oder alles nur ein Fake. Gleichzeitig
habe ich Zweifel, diese Option selbst zu nutzen.

Darum meine Frage an Euch, wie Ihr zu solch einer Bildbearbeitung steht.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel. Erst mein Original und danach
dasselbe Foto mit dem Himmel von Luminar.

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Grüße aus HB
Heiner
 

Klaus Harms

Administrator
Teammitglied
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Emc2

Aktives NF Mitglied
Die Frage wird philosophisch: Was ist Photographie? Wo ist der Übergang von Photographie zur Kunst im künstlerischen Sinne? Ob ich die Vorschläge von Luminar nehme oder auf Wolkenbilder zurückgreife, die ich in der Vergangenheit gesammelt habe, um sie per Photoshop zur Verwendung in anderen selbst produzierten Bildern zu nutzen - wo ist da der Unterschied? Ich sehe ihn nicht. Denn in beiden Fällen werden zwei getrennte Bilder zu einem neuen Bild verschmolzen. Stimmt, das ist keine Photographie im eigenlichen Sinne, das ist Kunst. Aber auch die Verwendung eines Verlaufsfilters ist schon der Einsatz eines künstlerisch wirkenden Werkzeugs - und es ist unerheblich, ob hier Helligkeitsverläufe oder Farbverläufe dem eigentlichen Bild aufaddiert werden. Aus meiner Sicht ist Photographie nicht nur das "objektive" Abbilden der "Realität", sondern weitaus mehr. Was ist objektiv? Das Objektiv hat einen Gelbstich, die Farbtemperatur wird nicht genau getroffen, der Sensor sieht anders als das menschliche Auge. Und mein Auge interpretiert das Grün der Pflanze anders als das Auge meines Nachbarn. Was ist Realität? Wir wählen einen Bildausschnitt, und vorbei ist es mit der wertfreien Interpretation der abgebildeten "Realität". Stellt sich also die Frage: Was will ich mit (m)einem Bild ausdrücken, und wie komme ich zu diesem Ausdruck?
Gruß Emc2
 
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Christoph Blümer

NF-F Premium Mitglied
Weil ein Bild, das (teilweise) von einer Software erzeugt wurde, keine Foto ist.
Diese Argumentation weiterspinnend wäre für mich die Frage, wo bei Dir dann die Grenze der Bildbearbeitung ist (s/w-Bilder wären dann ja auch kein Foto im eigentlichen Sinn, wenn sie nicht auf s/w-Film aufgenommen bzw. als s/w-JPG direkt aus der Kamera ausgegeben wurden).
 
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Furby

Nikon-Clubmitglied
Luminar 4 ist eine tolle, einfach zu bedienende Software, mit der man ergänzend zu ViewNX-i und Capture NX-D gut arbeiten kann. Wer einen der Beispielhimmel verwendet, dann ist das ein Fotodilettant. Zumindest, wenn er die Fotos dann als sein eigenes Werk vorstellt. Andererseits, wenn sich jemand ein Album mit tollen selbstfotografierten Himmeln anlegt und die dann nach Bedarf verwendet, was soll's. Ist mal mindestens kein Plagiat. Ging vorher auch schon, war aber mit ein paar Stunden Arbeit verbunden. Mit anderer Bildbearbeitungssoftware, wie sie Fotoamateure wie in diesem Forum, aber auch Profis nutzen, lassen sich ähnliche Verfremdungen machen. Wenn man das mit selbstgemachten Fotos veranstaltet, warum nicht. Mit geklauten oder sonstwie erworbenen Fotoelementen: NJET! Ich hatte mal eine Testversion von Luminar und kann diese Software empfehlen. Uber diesen Himmelskram hinaus hat sie viele interessante Optionen. Und wo es eitle Menschen mit einer kriminellen Ader gibt, wird halt auch betrogen (Siehe die abgekupferten Promotionen im Bereich der Politdarsteller). Warum sollte man deshalb solche Software nicht einsetzen.
 
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Wuxi

Sehr aktives Mitglied
Weil ein Bild, das (teilweise) von einer Software erzeugt wurde, keine Foto ist
Aber trotzdem ein Bild.

Eine Komposition eben.

Ich finde das alles erlaubt ist und das Beispiel zeigt ja auch sehr gut dass trotz solcher Tricks kein gutes Bild entstehen muss. Weil das ablegende mittige Fährboot auch mit dem wilden Himmel nicht besser aussieht.

Wenn ich 2 Minuten belichte um Wasser und Wolken verschwimmen zu lassen oder Passanten zu Geistern werden, dann habe ich auch ein Bild geschaffen das es so mit meinen Augen gesehen nie gab. Wo ist da der Unterschied ob ich es so mache oder am Luminar?
 
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Wuxi

Sehr aktives Mitglied
Stephen Wilkes hat ein ganzes Buch vorgelegt mit eindrucksvollen Tag-Nacht-Übergängen. Das wäre ohne Komposition auch nicht möglich gewesen.

Was ist mit Panos? Alles Fake!!! ?
 
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HaDiDi

Sehr aktives Mitglied
Dann kann ich auch gleich mit Malerei anfangen.
Malen, zeichnen kann ich nicht, somit brauche ich die Kamera und Software um meine künstlerische Ader auszuleben.

Und da ich nicht nur dokumentarisch unterwegs bin, bearbeite ich Fotos kräftiger. Kompositionen und Kollagen gehören auch dazu, letztendlich zählt das Ergebnis. Bei mir steht Luminar 4 dieses Jahr auf der Kaufliste.

Die Portrait-Filter scheinen sehr gelungen. Da lassen sich dann auch "reifere Mädels" gerne wieder portraitieren. ;)
(Gerade das einfache Optimieren von Portraits mit Luminar 4 - Haut, Augen, Mund, schmaleres Gesicht, etc. - könnte zum Problem für professionelle Portrait- und Hochzeitsfotografen werden.)
 
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mhensche

Sehr aktives Mitglied
Das Netz ist voll von Tutorials zum Austauschen des Himmels, es wurde also immer schon gemacht. Wird jetzt halt durch eine ziemlich pfiffige Software erledigt, inklusive passender Färbung des Originals.
Ich finde das ziemlich genial.
Aber ich nutze es nicht, so wie ich generell keine Composings, Doppelbelichtungen, etc. mache.
Aber ... bei Photoshop nutze ich mal sowas von nicht alles :)
Da lösche ich mal die Ecke der Softbox und mache etwas Beautyretusche.

Am Ende teile ich die Meinung: es ist halt kein Foto mehr, sondern ein Composing. Und so lange nichts anderes behauptet wird, ist für mich erlaubt, was gefällt (egal wem, also im Zweifel auch nur dem Autor).
 
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ditau

Unterstützendes Mitglied
Weil wir dann dieses Forum nicht mehr brauchen!

Dan muß Klaus aber stempeln gehen.:closed:

Der Sinn des Forums war vielleicht einmal ein qualifizierter Gedankenaustausch zum Thema Fotografie. Jetzt gehts um Rendite.
 
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K73

Aktives NF Mitglied
Abgesehen davon das mir der Himmel nicht besonders gefällt, die rechte Seite sieht sehr künstlich aus, stehe ich eher auf einem konservativen Standpunkt. Alles was ich vor Ort mache wie z.B Filter anwenden, Langzeitbelichtungen etc. sind für mich noch Handwerk. Das war in der Fotografie schon immer üblich. Das nachträgliche Austauschen des Himmels fällt eher in eine andere Rubrik. Solche Dinge waren auch in einer klassischen Dunkelkammer nicht ohne Weiteres möglich.
Ich mache sehr viele Fotodokumentationen, auch für Publikationen, Ausstellungen etc. und habe schon ein schlechtes Gewissen wenn ich mal einen im Weg stehenden Ast zur Seite biege. Aber das ist ein unendliches Thema.
 
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bassheiner

Sehr aktives Mitglied
Danke schon mal für die rege Beteiligung und Eure Gedanken zu diesem Thema.

Prinzipiell befürworte ich die Nachbearbeitung von Fotos, um sie möglichst nahe an die erlebte Atmosphäre vor Ort zu bringen.
Also dem Foto mehr würze geben. Auch störende Elemente entfernen – wie beispielsweise ein Verkehrsschild vor einer malerischen
Altstadtkulisse – finde ich vollkommen OK.

Was mich bei Luminar 4 aber irgendwie geschockt hat, ist die Perfektion dieser Anwendung. Ist der Himmel langweilig, nehme ich
mir einen besseren bei Luminar aus dem Regal und ein Klick und die Sache ist erledigt. Spinnt man diese Entwicklung weiter, wäre
der nächste Schritt dann eine Auswahl von wunderschönen Landschaften. Ich fotografiere einen grandiosen und dramatischen
Himmel über der vollkommen nichtssagenden Skyline von Klein Dödelsdorf. Macht ja nix … ich greife zur Software, die ein Angebot
fantastischer Landschaften bereithält.

@Wuxi: Das Foto vom 'mittigen Fährboot‘ habe ich gewählt, weil es zeigt, wie perfekt Luminar dort gearbeitet hat. Die Software hat die kleine Rauchfahne über dem Schornstein erhalten und nicht einfach als kleine Wolke am ursprünglichen Himmel überlagert. Ist doch schon verrückt.

Nun ja, in der Musik wird mit Samples gearbeitet, Collagen sind in der bildende Kunst auch nicht ungewöhnlich und wir selbst lassen uns
mit künstlichen Hüften, Herzklappen, falschen Zähnen, Brustimplantaten usw. usw. aufmöbeln.
Dann sollte man im Endeffekt bei Fotos auch keine Hemmungen haben … oder doch?

Grüße aus HB
Heiner
 
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K73

Aktives NF Mitglied
Die Frage wäre ob das dann noch eine Fotografie ist. Ich würde mir eine andere Bezeichnung einfallen lassen. Im Bereich der Fotokunst ist das alles legitim, aber wenn Dokumentationsbilder oder Reportagen so bearbeitet werden...

Im Fotokurs meines Neffen gab es etwas Ähnliches. Hier sollte aus verschiedenen Bildern von Gebäuden, Landschaften usw. ein neues Bild "Stadt der Zukunft" zusammen gesetzt werden. Ziel war ganz einfach die Bildbearbeitung mit AffinityPhoto zu üben.
Die Ergebnisse waren sehr beeindruckend, aber eben keine Fotos.
 
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adventure

Sehr aktives Mitglied
Wer einen Himmel oder was auch immer austauchen will, der soll das machen. Sieht ja auch oft sehr gut aus.
Mich selber würde es stören, nicht weil ich das nicht könnte sondern weil ich diese Atmosphäre nicht so vorgefunden habe beim fotografieren.
Es gab Sujets da war ich oft schon mehrmals, nur um eine bestimmte Stimmung zu erleben, die ich im Kopf hatte. Dies finde ich halt auch spannend.
 
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Bremenfrosch

NF-F Premium Mitglied
Das fängt bei mir damit an, welchen Anspruch ich an mich selber setze und was ich im Endeffekt mit meinem Foto ("Kunstwerk") anfangen möchte.

Ich bin weitgehend bei der Fraktion, dass ich meine Fotos bis auf die leichte Anpassung von Belichtung, Kontrast etc., Beschnitt sowie evtl. noch Farbtemperatur so lasse, wie sie aus der Kamera kommen. Das ist auch schon eine erhebliche Manipulation ggü. analoger Fotografie.
Das ist mein Anspruch an mich.

Nun gibt es manchmal aber Fotos, da ragt irgendetwas störend ins Bild, was auch durch Beschnitt nicht herauszubekommen ist. Oder da ist etwas, das nicht in die Landschaft passt. LR und Photoshop bieten da schon erhebliche Möglichkeiten. Man muss beim Ergebnis nur ehrlich sein zu sich und anderen. Beispielsweise ragt bei meiner Oldtimerfotografie immer mal wieder eine Fußspitze oder Hand ins Bild, das hat mit dem Bildinhalt nichts zu tun, die ist schnell weggestempelt.

Und dann gibt es noch Fotos, die einfach nur schön aussehen müssen! Hin und wieder fotografiere ich für einen Bekannten zur Präsentation auf der Homepage seiner Zimmervermietung. Für die Außenaufnahmen kann ich nicht auf einen Postkartenhimmel warten und die Innenräume müssen freundlich, hell und einladend sein. Diese Fotos werden zumeist nicht von Fotografen auf kalibrierten Eizos betrachtet sondern überwiegend auf Smartphones, da müssen sie wirken. Für diese Fotos greife ich schon etwas tiefer in die Trickkiste, der Austausch des normalerweise grauen, Bremer Himmels kommt immer zuerst. M.E. vollkommen legitim.

Zum Thema Software ein gedanklicher Exkurs.
Eigentlich ist jede Software in der Fotografie doch einfach nur ein Werkzeug wie ein Akkuschrauber. Meinen ersten Akkuschrauber habe ich mir vor ca. einem Jahr gekauft. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich alle Schrauben etc. mit Muskelkraft (!) mithilfe verschiedener Schraubendreher, Schlüssel oder meinem Profi-Spiralschraubendreher fest- und wieder losgedreht. Für Löcher jeglicher Coleur habe ich eine kabelgebundene Schlagbohrmaschine größeren Kalibers verwendet. Nun werden überall Akkuschrauber angeboten, gute Qualität, nicht sehr teuer. Jeder hat einen. Wäre der nicht auch mich ein Fortschritt? Ich habe mir einen kleinen, handlichen gegönnt. Funktioniert gut, macht auch Spaß, ist teilweise einfacher als mein altes Gedöns - es wäre aber auch ohne gegangen ...

Genau so sehe ich es mittlerweile mit den vielen, vielen Softwareangeboten, nicht nur für die Fotobearbeitung. Ich frage mich (seit vielen Jahren des nutzlosen Ausprobierens von aller möglichen Software) immer, ob ich diese Anwendung wirklich dauerhaft und oft einsetzen werde. Wie groß ist der Fortschritt und die Zeitersparnis? Geht das nicht auch mit Bordmitteln? Ja, es ist erstaunlich, was technisch möglich ist, das fasziniert mich als kleiner Technikjunkie auch. Aber das Ergebnis ist oft mit etwas mehr Zeitaufwand (ich verdiene kein Geld damit, es ist Hobby) für meinen Geschmack auch in Ordnung.

Langeredegarkeinsinn ... Jeder muss selbst wissen, was er mit seiner Fotografie und seinen Fotos anfangen und aussagen will. Wenn ich mit meinen Fotos Geld verdienen würde, dann müsste ich schnell zum gewollten Ergebnis kommen. Solange die Nutzung meines Equiment für mich eine Freizeitbeschäftigung ist und dafür ausreichend Zeit vorhanden ist, werde ich meine Fotosoftware nur bei erheblichem Bedarf sinnvoll erweitern und eher ein Stückchen Hardware (altes Glas oder Adapter oder so) kaufen und damit draußen herumspielen.

Geschmackssache.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Fotografieren!

VG Holger
 
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