M42 - Orionnebel


Kristian Altmann

NF-F Premium Mitglied
Servus zusammen,

ich hab Anfang der Woche das gute Wetter genutzt und mich mal am Orionnebel probiert. Leider sind wegen fehlendem Autoguider nur 26 von 60 Bildern halbwegs scharf. Der Fokus ist ebenfalls leicht daneben. Das lag evtl. daran, weil er recht tief am Himmel saß und starkes Flimmern aus der Atmosphäre besseres Fokussieren verhindert hat.

Insgesamt sind es 26 Bilder mit 60s und ISO3200 für den Nebel selbst und 4 Bilder mit 60s und ISO1000 für den Kern. Jeweils Stacking in Sequator gegen Rauschen und dann in Gimp zusammengesetzt und etwas nachbearbeitet.

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Equipment:
Nikon Z6, Tamron 150-600mm G2 bei 600mm f/6.3 mit Objektivheizung, iOptron Skyguider Pro,
 

Martin F.

NF Team
Sehr schön auch den „Running Man“ im Nebel darüber heraus bekommen!
 
Kommentar

Wuxi

Sehr aktives Mitglied
Ich kenne mich nicht aus, finde das Bild aber erst mal toll!

Links unterhalb des Nebels ist so eine helle Sonne(?), die einen schwarzen Schatten in ihrem Strahlenkranz hat. Was ist das für ein Himmelskörper?
 
Kommentar

Kristian Altmann

NF-F Premium Mitglied
Danke.
Die "Sonne" ist nur ein weiterer Stern und beim Schatten bin ich nicht ganz sicher. Entweder das ist ein Fehler des Objektivs bei der Blende, oder eine generelle Fehlabbildung. Das scheint immer bei sehr hellen Objekten zu passieren. Auf den meisten anderen Fotos im Netz ist er jedenfalls rund ^^
 
3 Kommentare
hjklemenz
hjklemenz kommentierte
Dieser Stern nennt sich Hatysa (1330 LJ entf.), Es handelt sich um einen Doppelstern. Die beiden Strahlenkränze überschneiden sich optisch, da kann es zu Auslöschungen in der Abbildung kommen.

Ein Super-Bild!

Hans Jörg
 
Wuxi
Wuxi kommentierte
Danke Hans Jörg!

Das Universum ist faszinierend!
 
Kristian Altmann
Kristian Altmann kommentierte
Danke für die Aufklärung. Dann ist es ja schon eher ein Qualitätsmerkmal als ein Fehler :)
 

fx33

NF-F Premium Mitglied
Nikon Z6, Tamron 150-600mm G2 bei 600mm f/6.3 mit Objektivheizung, iOptron Skyguider Pro,
Objektivheizung? Würde es nicht reichen, das Objektiv einfach vor Beginn der Aufnahmen durchkühlen zu lassen?
 
falconeye
falconeye kommentierte

Das Problem ist, dass es in der Nacht kontinuierlich kälter wird.
Das ist das Problem mit der Kondensation. Aber ich denke nicht, der Temperaturunterschied zu einem Innenraum ist das Problem. Im Gegenteil, Fenster beschlagen nicht, wo Autoscheiben dies bereits tun. Weil Fenster wärmer als Autoscheiben sind. Also, genau anders herum.

Wenn die Luft abkühlt, kann sie schnell 100% relative Luftfeuchtigkeit erreichen (d.h. den sog. "Taupunkt" erreichen) und die Feuchtigkeit kondensiert dann irgendwo - Autoscheiben, auf Blättern bildet sich Tau und es bildet sich Nebel. Dagegen und vermutlich nur dagegen, hilft eine Objektiv- bzw. Taukappenheizung. Bringt man ein Objektiv aus dem Warmen in die kalte Nacht, gibt es wenn überhaupt, Kondensation im Inneren des Objektivs, nicht auf den Aussenseiten.

Das Objektiv beschlägt i.d.R. erst, nachdem es ausgekühlt ist und nachdem in der Nacht der Taupunkt erreicht wurde.

Disclaimer: ich sage das alles nicht aus eigener Erfahrung, sondern aufgrund Überlegung. Kann also falsch sein ;)

Nun aber meine Frage:
1. Man soll Objektive ja auskühlen, damit sich ohne Temperaturgradient im Inneren keine Luftdichtegradienten bilden - für max. Abb.leistung.
2. Ist die Luft so feucht, dass sich Tau bildet, so ist sie schon mal nicht "trocken" ;) Aber ist trockene Luft keine Voraussetzung für gute Astrofotos?
D.h.: Hilft so eine Heizung nicht ohnehin nur, wenn man keine guten Fotos bekommt, und im anderen Fall stört sie eher?
 
Kristian Altmann
Kristian Altmann kommentierte
Grundsätzlich hast du mit dem Taupunkt recht. Der beschreibt das Problem ganz genau und variiert sogar bei konstanter Lufttemperatur abhängig von der relativen Luftfeuchte.

Da ich sehr viel Zeit beim Aufbauen, Fokussieren, der Objektsuche und mit Testfotos verbracht habe, war die Linse schon ganz gut durchgekühlt. Grundsätzlich ist saubere Luft dein bester Freund was Astrofotos allgemein und solche Deep Space Objects im speziellen angeht. Das bisschen Luft im Objektiv macht dabei aber kaum etwas aus denke ich. Schlimmer ist Feuchtigkeit, oder sogar Dreck in der Atmosphäre, da dort Licht gestreut wird und das extrem den Kontrast mindert.

Die Heizung verhindert nur das direkte Beschlagen der Frontlinse und damit verbundene Störungen. Ich muss zugeben, dass ich alle meine bisherigen Astrofotos (hauptsächlich Milchstraßenpanoramen) problemlos ohne Heizung gemacht habe. Das war eher ein Test, weil ich sie für 18€ bei Amazon gesehen habe und nicht widerstehen konnte :rolleyes:
 
m-hermann
m-hermann kommentierte
Deswegen heisst ja auch die (sog. "Gegenlicht-" oder "Streulicht-") Blende vorne am Fernrohrobjektiv bei den nachtaktiven Astronomen physikalisch richtig Taukappe!
 
m-hermann
m-hermann kommentierte
Mit der Heizerei vorn am Objektiv handelt man sich immer auch ein zweischneidiges Schwert ein, denn ein Zuviel des Guten führt zu Schlieren (Seeing, Luftbewegung) und beeinträchtigt die Bildqualität. Am besten ist die Heizung regelbar, je nach Temperatur, Luftfeuchte und -bewegung. Schick wäre natürlich ein automatischer Regelkreislauf, der z. B. im Sucher-/Nachführfernrohr den Grad des Seeing erkennt und danach die Heizung entsprechend regelt. Sowas gibt es heute bestimmt schon zu den nahezu automatischen Nachführungen moderner Teleskopmontierungen zu kaufen.
 
mathe
mathe kommentierte
Der Effekt ist auch an parkenden Autos zu sehen. Es kommt vor, dass morgens die Frontscheibe (die in den Himmel sieht) betaut ist, die Seitenscheiben (die zu Hauswänden sehen) aber nicht. Das, was in den Himmel sieht, sieht (bildlich gesprochen) mehr Kälte und beschlägt deshalb eher - sogar in relativ warmen Sommernächten. (Vor Jahrzehnten habe ich das mal in eine Physikvorlesumg gelernt - die Details sind leider weg sedimentiert. Muss wohl mal alten Unterlagen suchen ;))
 

departure69

Sehr aktives Mitglied
Sensationell.

Wenn ich irgendwann mal 600mm Brennweite zur Verfügung hab', würd' ich mich auch mal ganz gern daran versuchen.

Aber:

Was ist ein Autoguider?
Was ist ein Skyguider?
Wo, anhand von welchen Anhaltspunkten, finde ich den Orionnebel am Nachthimmel?

Einen Wolf googeln kann ich mir mit diesen Begriffe selber, aber weiß vielleicht jemand eine Quelle, wo das auch für Anfänger gut erklärt wird? Es geht nicht um Nacht- oder Sternenhimmelfotografie im Allgemeinen, oder um Langzeitbelichtung, das krieg' ich ganz gut hin, auch die Milchstraße ist mir schon öfter gelungen, es geht mir speziell um sowas hier. Ich glaube, man nennt das "Deep-Space".

Vielen Dank.

Viele Grüße

von

Christoph
 
Stefan L.
Stefan L. kommentierte
Jepp und zudem würde ich davon abraten mit einem 600mm Dunkelzoom anfangen zu wollen. Lieber etwas weniger Brennweite, dafür aber eine gescheite FB. Ohne eine motorische Nachführung (Montierung genannt) wird’s aber auch dann nichts.
 
Kristian Altmann
Kristian Altmann kommentierte
Vielen Dank,

an sich ist der Mehraufwand gar nicht so groß. Man muss sich natürlich vorher etwas mit der Materie befassen, aber mit Kamera, (stabilem) Stativ und Teleobjektiv hat man schon den Großteil des Equipments zusammen.

Ich beantworte die Fragen mal rückwärts, weil wir so besser vom Großen ins Kleine kommen.

Infos gibt es wirklich reichlich im Netz. Deutsche Foren kenne ich leider keine, mein zusammengesuchtes Wissen stammt größtenteils von Youtube (Alyn Watts, Nightscape Images, Peter Zelinka, ...). Ich denke aber der Astrotreff könnte ein guter Anfang sein.

Objektsuche/Planung

Stellarium ist ein super Tip zum Planen zu Hause. Es ist kostenlos, hat eine Suchfunktion und du kannst sogar deine Fotoausrüstung anlegen und sehen, was du wirklich sehen würdest. Zusätzlich erfährst du Himmelsrichtung und ungefähre Höhe, was bei der Planung recht wichtig werden kann.
Dann gibt es noch PhotoPills oder TPE (The Photographer Ephemeris) um die Milchstraßenposition zu einem bestimmten Datum und deine Gegner (Sonne und Mond) zu kennen. Bei DeepSpace-Objekten sagt man allgemein, dass die Lichtverschmutzung keine so große Rolle spielt. Bei Weitwinkelaufnahmen ist die ein zusätzliches Problem.
Weil ein klarer Himmel Grundvoraussetzung ist, solltest du clearoutside.com oder windy.com kennen. Damit lässt sich recht zuverlässig die Wolkendecke und Nebel in deiner Region vorhersagen.
Eine sehr ausführliche Beschreibung zum Sternbild Orion mit all seinen Details findest du z.B. hier.

Vor Ort

Wenn du ein interessantes Objekt und einen geeigneten Ort plus Zeitraum gefunden hast, helfen vor Ort entweder wieder Stellarium oder eine andere App für Sternenbilder, die Richtige Stelle am Himmel zu finden. Am besten suchst du dir einen Parkplatz, der nicht zu dicht an einer Straße liegt. Dann musst du das ganze Zeug nicht zu weit schleppen und hast trotzdem keine Probleme mit dem Scheinwerferlicht vorbeifahrender Autos.

Ein ganz wichtiges Thema wurde schon angesprochen und zwar Fokussieren im Dunkeln. Die einfachste Methode ist es, sich einen möglichst kleinen Stern zu suchen, den per Digitalzoom maximal zu vergrößern und dann scharf zu stellen. Das reicht am Anfang vollkommen aus und man muss nicht gleich ne Wissenschaft draus machen. Bei Objekten nah am Horizont und längeren Brennweiten wird es wegen des Atmosphärenflimmerns schon schwieriger. Ich hab mir gerade ein Fokushilfe in Form einer Scheinerblende gebastelt. Kosten 10 Cent und 20 Minuten Zeit. Am Ende ist das nur ne Blende mit mehreren Löchern. Meine hat drei, wie diese. Die Funktion wird hier ganz gut erklärt. Es gibt noch komplexere Batinov-Masken und man kann das auch alles kaufen, aber es geht eben auch simpel.

Equipment

Zum Fotografieren braucht es dann zusätzlich zu Kamera, Stativ und Objektiv (fast) nur noch einen, am besten programmierbaren, Fernauslöser. Mit dem lassen sich dann leicht einzelne Langzeitbelichtungen oder Belichtungsreihen zur Rauschreduzierung machen. Als Faustformel zur Belichtungszeit gibt es die 500er-Regel. Man nimmt seine Brennweite im Kleinbildformat und teilt 500 durch diese Zahl. Damit kommt man auf die maximale Belichtungszeit für scharfe, punktförmige Sterne ohne Nachführung. In meinem Fall wären dass 500/600 = 0.8s, nicht wirklich berauschend. Mit einem 24mm-Weitwinkel ließen sich aber schon gute 20s erreichen (500/24=20,8).

Da sich unser schöner Planet die ganze Zeit dreht, ändert sich auch die Position der Sterne am Himmet permanent. Dementsprechend schwierig sind Langzeitbelichtungen, weil punkförmige Sterne dabei zu Strichen werden. Um das auszugleichen, brauchst du eine sognannte astronomische Montierung oder Fotomontierung. Die gleicht die Drehbewegung der Erde aus und führt die Kamera dem Himmelsobjekt nach. Der Skyguider Pro ist so eine Montierung. Im Grunde reicht der für viele Sachen vollkommen aus.

Da dessen Drehgeschwindigkeit aber nur begrenzt genau ist, werden die Sterne bei zu langer Belichtung auch leicht strichförmig. Um da nachzuhelfen gibt es die so genannten Autoguider. Das ist nichts weiter als eine zweite Kamera mit kleinem Teleobjektiv und angeschlossenem PC. Die richtest du auch auf das Objekt deiner Begierde aus und eine auf dem PC laufende Software kontrolliert ständig die Position des Objekts im Bild. Wenn diese abweicht, wird die Drehgeschwindigkeit der Montierung so angepasst, dass sie wieder stimmt. Damit lassen sich wirkliche Langzeitbelichtungen machen. Für richtig große Brennweiten ist das zwingend notwendig, weil du sonst nur Bruchteile von oder wenige Sekunden belichten kannst und das Rauschen unerträglich wird.

Montierungen gibt es, wie immer, in allen Preislagen. Ich habe mit einem Omegon Minitrack LX angefangen. Der ist rein mechanisch (wie eine Eieruhr), kostet nicht die Welt und reicht für Milchstraßenbilder mit Brennweiten bis 50mm oder 85mm vollkommen aus. Der iOptron Skyguider Pro ist schon sehr gut und genau, für das 600mm braucht es den aber wegen des hohen Gewichtes unbedingt. Die Kleinen können oft nur 1-1,5kg tragen und das reicht halt nicht.

Um die Erdrotation auszugleichen muss man die Montierungen noch entlang der Rotationsachse der Erde ausrichten. Das ist bei uns in der nördlichen Hemisphäre zum Glück sehr einfach, denn wir haben mit Polaris einen sehr hellen Stern direkt neben dem so genannten Himmelspol. Das ist der Punkt am Himmel, um den sich alle Sterne zu drehen scheinen. Wenn man eine Langzeitbelichtung des nördlichen Himmels ohne Nachführung machen würde, sähe die ungefähr so aus. Der Vorgang nennt sich "Einnorden" oder im englischen "polar alignment" und es gibt, wie immer ,unzählige Anleitungen dazu. ich nehme gerne einen grünen Laserpointer zur groben Justage und mache die Feinjustage dann mit dem Auge durch den Polsucher (kleines Fernrohr in der Mitte der Montierung). Dabei hilft wieder eine App (Polar Scope auf dem iPhone) um die genaue Position im Sucher zu kennen.

Aufnahmetechniken

Wie in meinem Originalbeitrag zu sehen ist, habe ich mehrere Fotos zu einem zusammengefügt, um das Rauschen zu reduzieren. Das nennt sich Stacking, weil man mehrere Bilder zu einem Stapel zusammenfasst (Stack). Das Nachführen der Kamera mittels Montierung nennt sich Tracking, weil man dabei das Objekt verfolgt. Bei der Astrofotografie stellt sich oft die Frage "Stacking oder Tracking?".

Falls man eh nur Weitwinkelaufnahmen machen möchte und /oder einem das ganze Geraffel mit der Fotomontierung zu viel ist, gibt es auch die Möglichkeit, mehrere Fotos der gleichen Komposition zu machen und diese Nachträglich zu Stacken.
Dazu gibt es für Windows Sequator (kostenlos) oder auf dem Mac Starry Landscape Stacker (kostenpflichtig). Da sich der Vordergrund nicht bewegt, die Sterne aber schon lässt sich mit denen der Bereich im Bild markieren, der Himmel ist und gestacked werden soll. Die Software rechnet dann die Sternbewegung raus und legt den Himmelsteil des Fotos dann korrekt übereinander.

Eine dritte Methode sind so genannte Composites. Dabei macht man eine oder mehrere sehr lange Langzeitbelichtung des Vordergrundes mit niedriger ISO zwecks Rauschreduktion und eine oder mehrere Aufnahmen des Himmels mit Nachführung. Abschließend wird der Himmel in der Langzeitbelichtung des Vordergrundes mit der nachgeführten Aufnahme des Himmels ersetzt. Ist recht aufwändig, aber die Ergebnisse können sich sehen lassen. Ich habe diese beiden Bilder in Damüls und am Lüner See so aufgenommen.


So und wer bis hier mitgelesen hat, darf sich mal kräftig auf die Schulter klopfen :p Ich hoffe etwas Klarheit in das Thema gebracht und nicht noch mehr Verwirrung gestiftet zu haben...
 
Zuletzt bearbeitet:
dembi64
dembi64 kommentierte
ich gestehe, ich gehöre zu den verwirrten :ROFLMAO:
 
bassheiner
bassheiner kommentierte

Da habe ich an diesem Sonntagvormittag ja mal richtig viel gelernt. Tolle Erklärung.

Grüße aus HB
Heiner
 
hjklemenz
hjklemenz kommentierte
Tolle Erklärungen. Besten Dank.
Zum Thema Fokussierung und Belichtungszeiten habe ich mal was aufgeschrieben:


Hans Jörg
 
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