Fallout


Roland L.

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Nachdem mich Kay ja so nett gebeten hat Bilder einzustellen, zeige ich mal meine letzte Bunkerbegehung in Nürnberg.


Zum 30ten Jahrestag gab es diesmal wieder eine besondere Führung durch den Nürnberger Untergrund: Der Atombunker unterm Hauptbahnhof.

Eigentlich ein völlig blödsinniges Ding das seine Enstehung in den 70gern des letzten Jahrhunderts zwei Umständen zu verdanken hatte.
1. Es wurde die Nürnberger U-Bahn gebaut und daher musste der Bunker aus dem II Weltkrieg weichen. Wenn man aber zu dieser Zeit
einen Luftschutzkeller abwickelte, mußte man für adäquaten Ersatz sorgen.
2. Es gab üppig Fördergelder vom Bund für Atombunker (die übrigens für maximal 3% der Bevölkerung reichen sollten, diese Quote wurde aber nie erfüllt)

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Klaus Harms

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Schön, wieder einmal Bilder von Dir zu sehen, Roland!
 
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Roland L.

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Die Bunkeranlage ist zweistöckig, wobei ein Stock nie bezugsfertig eingeräumt wurde. Die Fördergelder gab es aber schon dafür,
die konnte Nürnberg auch ganz gut für die U-Bahn brauchen.

Die Wandstärke des neues Bunkers war weit unter der des II WK Bunkers und dazu noch aus schlechterem Material. Diemensioniert war er für ca 2400 Menschen.
Jeder war betretungsberechtigt, die Anlage sollte nach Erreichen der Höchstpersonenzahl geschlossen werden.
Man konnte also damit rechnen, dass hauptsächlich Bundesbahnbeamte den Krieg überleben werden, jeder andere Nürnberger hätte nicht mal
gewußt, wo der Eingang ist.
Na, das wäre ja was geworden.

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Roland L.

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Die Führung hatte diesemal der Jürgen gemacht, er wußte eine Menge Witze über Fürth, war also überaus kompetent.

Was Witziges am Rande: Zwei Wochen vor der Führung durfte ich Jürgen noch im Falknerkurs quälen. Nächstes Jahr plant er eine Greifvogelschutzstation in Nürnberg zu gründen, wobei ich ihn natürlich unterstützen werde.

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Roland L.

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Die Zeit im Bunker war auf 14 Tage nach Verschluß fest dimensioniert. In dies Zeit hatt jeder Bewohner das Recht auf 8 Stunden Liegen, 8 Stunden stehen und 8 Stunden Sitzen.
Mehr Platz war nicht da. Es wurde auch außer dem Bunkermeister und seine 7 Gehilfen niemand fest eingeplant um irgendwelche Regeln zu überwachen oder durchzusetzen.
Auch medizinische Personal wurde nicht eingeplant, man hoffte, dass schon ein paar fähige Köpfe dabei sein werden. Oder, was wahrscheinlicher ist, man wußte von Anfang an, dass die Anlage völliger Schwachsinn ist. Atombunker waren nur sehr begrenzt sinnvoll und nur dann, weenn kleiner taktische Sprengköpfe in größerer Umgebung einschlagfen. Einen direkten Treffer eines taktischen Sprengkopfes irgendwo in Nürnberg hätte auch in diesem Bunker niemand überlebt.

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Roland L.

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Der Verein hat zum Glück auch noch etliche Gegenstände aus den eingelagerten Waren sichern können.

Hier ist auch das Wundermittel gegen atomare Kontamination von Menschen dabei. Jeder der in der Bundeswehr gedient hat kennt es,
zumindest wenn er in einer Atomwaffeneinheit oder einem ABC Zug war:

Schmierseife

Zur Anwendung wird die Schmierseife auf den nackten Körper mit Wurzelbürsten einmassiert.
Vermutlich ist ein schneller Tod angenehmer.

Das entspricht auch dem, was ich bei der Bundeswehr gelernt habe: Den einzigen Fehler, den man in einem Atomkrieg begehen kann, ist
es zu weit vom Einschlagsort entfernt zu sein.

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Roland L.

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Roland L.

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Weitere Gegenstände aus den Depots. Sogar Hämorrhidenkissen waren eingelagert. Ein ewiges Rätsel der Geschichte wird bleiben, warum
eine Menge Tampons eingelagert waren, mit der man damals vernultich die gesamte BRD für einen Monat versorgen konnte.

Es gab auch eine Unmenge an Trainingsanzügen, die heute auf dem Retromarkt wahrscheinlich hohe Preise bei den Hipstern erzielen würden.

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Roland L.

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Impressionen der "Schlafzimmers"
Ich habe hier versucht das Beklemmende fotografisch umzusetzen.

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Roland L.

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Die Stromanlage ist in normalen Zeiten an das Stadtnetz angeschlossen.
Bei Aktivierung der Anlage hätte dann ein Diesel Generator, für den genau 14 Tage Diesel eingelagert war, die Versorgung übernommen.
Der Generator wäre im Prinzip noch funktionstüchtig, wenn der Auspuff nicht aus Versehen und Unkenntins in späteren Jahren mit Beton ausgegossen worden wäre.
Das Auspuffende war, wie auch schon bei manchen WK II Genrator, in einer Litfaßsäule getarnt.

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Roland L.

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Das stille Örtchen wäre wohl weniger still gewesen. Es war eine Toilette pro 50 Personen vorgesehen.
Auch hat man aus den Fehlern des WK II gelernt und keine Türen mehr eingebaut, sondern nur Vorhänge.
Durch die Erschütterungen und den Bodenversatz verklemmten sich oft die Türen und konnten nicht mehr geöffnet werden.
Da aber nur die Bunker der Nazi-Bonzen über Abtritte verfügten (das gemeine Volk musste sich bei längerem Aufenthalt ind die
Kleidung entleeren), war das nicht so schlimm. Die Bunker unter Schulen verfügten auch meist über Toiletten, die Schüler waren
aber bei den Bombardierungen meist schon aufs Land verbracht.

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Roland L.

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Das Wasser sollte während der Verschlusszeit aus einem Tiefbrunnen gehoben werden. Man ging davon aus, das der Fallout
innerhalb von 14 Tagen nicht bis in diese Schichten vordringen würde. Das Abwasser und die Fäkalien wiederun sollte einfach auf
auf einen Platz vor dem Bahnhof gepumpt werden.

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Roland L.

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Ebenso wie bei den Toiletten waren 1 Washbecken pro 50 Personen vorgesehen. Duschen sind keine eingebaut.
Vieles bei der Einrichtung ist aus Kunststoff, so wie diese Waschbecken.
Man wollte vermeiden, dass die Bewohner Waffen herstellen konnten um entweder andere oder sich selbst zu gefährden.

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Roland L.

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Die Kommandozentrale des Bunkerwarts.
Das Telefon war bis vor zwei Jahren noch funktionstüchtig und man konnte damit andere Bunker erreichen.
Darüberhinaus gab es noch ein Kurbeltelefon und eine Lautsprecheranlage.
Mit dem Kurbeltelefon konnte man nur ein paar Räume innerhalb des Bunkers erreichen.
Den Fernseher hatte ich übrigens in jungen Jahren auch mal.

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Roland L.

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Die Aktivkohlefilter sollten erst kurz vor der Inbetriebnahme eingesetzt werden. Sie werden unbrauchbar, wenn man sie vorher der
Luft aussetzt. Sie wurden noch bis spät in die 2000er regelmäßig überprüft und gewartet.
Vorgelagert ist ein sehr großer Sandfilter. Dessen Aufgabe sollte darin bestehen die Aussenluft, die man auf ca 400 Grad schätzte,
auf eine atembare Temperatur zu kühlen.

Die Aktivkohlefilter sollten dann die ABC Gefahrenstoffe ausfiltern. Nach Einsetzen der Filter sollte der Filterraum zugemauert werden,
da man davon ausging, dass innerhalb des Raumes sehr schnell eine tötliche Strahlenbelastung herrschen wird.
Es konnte also nachträglich nichts mehr repariert werden.

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Roland L.

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Die Steine zum Verschliessen einiger Räume wurden praktischerweise mit einem Griff und einer Einbaunummer ausgestattet.
Gelagert wurden sie direkt neben den Türen.

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Roland L.

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Auch die Küche ist in ihrer Dimension geradzu winzig. Es gibt zwei Kochstellen für die 40 Litertöpfe und eine Herdplatte für Kindernahrung.
Als Verpflegung waren Tee und Suppe vorgesehen. Um Abwechslung in den Speiseplan zu bringen sollte es auch ab und zu Suppe und Tee geben.
Messer gab es auch keine, nur Löffel. Das Geschirr war aus Sciherheitgründen ebenfalls aus Plastik.
Um Aufstände wegen der Verpflegung und ein Erstürmen der Küche zu verhindern gab es zur Ausgabe nur zwei kleine Luken.

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Roland L.

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Roland L.

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==== E N D E ====

Danke fürs Ansehen. Die nächste Sonderführung in den Nürnberger Untergrund wird es voraussichtlich im Januar geben.
Immer zum Jahrestag der Zerstörung Nürnbergs bekommt der Verein eine Genehmigung besondere Keller und Bunker zu zeigen.
Diese Führungen sind immer sehr schnell ausverkauft.

Mein Dank gilt wie immer den Leuten, die diesen Verein zur Bewahrung lebendiger Geschichte ehrenamtlich am Laufen halten.


Wenn ihr mal nach Nürnberg kommt, besucht unbedingt eine der regulären Führungen durch die Bierkeller/Bunker.
Die Führung endet auch praktischerweise in der besten Brauerei Nürnbergs.

Für die Exif-Freunde: Alles mit der Leica M Monochrom I (Jpeg) und dem Summilux 50mm​
 
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