Erfahrungen mit selbst erstelltem ICC Profil


holzwurmi

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Liebe Forenmitglieder,

ich möchte hier keine Werbung machen, sondern nur meine Erfahrung zum Thema Farbmanagement teilen.

Seit einiger Zeit versuche ich mit meinem Drucker vernüftige Ausdrucke hinzubekommen. Da ich oft Natur- und Landschaftsfotos mache, sind in den Bilder sehr viele Grün- und Brauntöne.
Als Drucker habe ich einen Canon MG7750, das Papier ist meistens HP Advanced Glossy, oder auch Original Canon Photo Paper Plus Glossy II.
Tinte habe ich Original und neuerdings eine kompatible aus dem großen Fluss (zwei komplette Sätze inkl. Grau für ca. 25€, statt Original 1 Satz für ca. 40€).
Bei fast jedem Druck verschieben sich die Farben vom grünlichen ins gelbe und vom bräunlichen ind rote bzw. magenta. Egal welche Tinte ich verwende.
S/W Druck geht immer ins magenta.

Die Bilder über die EBV so Farb zu verschieben, das die Farbe passt ist sicherlich nicht der Sinn der Sache. Deshalb habe ich einige Fotos beim Dienstleister ausdrucken lassen. Die Kosten gehen da bis zu 3€ für einen A4 Abzug, zusätzlich muss häufig man ein paar Tage warten.

Da ich die Nase davon voll hatte, habe ich mir auch beim grossen Fluss, ein Farbspektrometer vom X-Rite (I1-Studio) bestellt. Falls das nichts ist, kann man das ja auch zurück geben ;).

Als erstes den Monitor profiliert. Dieser hatte mit seinem IPS-Panel (Philips 243V) kaum Abweichungen in der Farbe, war allerdings etwas hell eingestellt. Das Original ICC-Profil des Monitors war schon ziemlich gut! Damit war sicher, das mein Problem nicht in der Darstellung des Monitors oder an der Kamera lag.

Danach habe ich mir den Drucker vorgenommen. Die Software führt den Nutzer einfach durch ein Ablauf. Zuerst wird ein Testmuster gedruckt, welches nach dem Trocknen der Farbe (ich habe ca. 15 Minuten gewartet) mit dem Gerät gescannt wird. Dazu muss im Druckertreiber sämtliche Farbanpassung ausgeschaltet werden.
War bei meinem Canon kein Problem. Wichtig ist es auch die Papiersorte einzustellen, da die Tintenmenge dem Papier angepasst wird. Ich habe einfach Fotoglanzpapier ausgewählt.
Dann wird ein zweites Blatt mit weiteren Testfarben gedruckt und nach dem Trocknen und Scannen wird das ICC-Profil für die Kombination Drucker, Papiersorte und Tinte erstellt.
Da ich als EBV DxO verwende konnte ich im Druckfenster das neu erstellte Profil laden, Farbverwaltung auf das Profil einstellen und im Druckertreiber das Papier auswählen. Rendering Intent auf relativ Farbmetrisch eingestellt. Mit anderen Programmen wird das sicherlich ähnlich sein.
Im Druckertreiber habe ich mir ein Profil erstellt, das das Papier enthält und die Farbeinstellungen ausschaltet.

Der anschliessende Ausdruck eines Bildes in A4 hat mich fast vom Hocker gehauen. Die Farben waren so wie ich mir das vorstellte. Grün satt und keine Verschiebung in gelbliche. Ein Vergleich zwischen den Bildern mit und ohne Profil ist enorm. Die Bilder waren etwas zu dunkel. Das habe ich im Druckertreiber aber einfach korrigieren können.

Die Software bietet auch ein S/W Kalibrierung an. Dazu werden drei Blätter mit Farbmustern gedruckt und anschliessend ausgemessen. Das Profil habe ich separat gespeichert und die Ausdrucke waren jetzt ohne Farbstich. Ein Farbbild habe ich auch mit dem S/W Profil gedruckt, es unterschied sich nur sehr wenig vom ersten Profil.
Da müsste man weitere Tests machen, ob man nur mit einem Profil klar kommt.

Fazit: ich bin begeistert!

Allerdings habe ich auch eine interessante Feststellung gemacht.
Bei dem Kit lag eine Colorchecker Karte zum Weissabgleich bei.
Die Karte habe ich fotografiert und ausgedruckt. Die Farben waren mit dem neuen ICC-Profil und dem Profil aus dem Druckertreiber fast gleich.
Aber nur fast...... Die leichten Abweichungen scheinen bei grösseren Bilder enorme Unterschiede zu machen. Bei Personen- und Architekturfotografie fallen die nicht sehr auf, aber dort wo viele Farben in Nuancen nebeneinander gedruckt werden.


Karte mit Ausdruck Druckerprofil


Karte mit Ausdruck X-Rite ICC-Profil


Links Druckerprofil, rechts neues ICC-Profil

Die meisten Unterschiede sehe ich bei Gelb und Grün, genau wie bei meinen Ausdrucken vorher. Allerdings stimmen nach meinem Eindruck die Farben vom Druckerprofil eher mit der Karte überein. Verwechseln konnte ich die Drucke nicht, da ich sie sofort nach dem Druck beschriftet hatte.

Das Gerät werde ich behalten, auch wenn es mit ca. 400€ nicht gerade preiswert ist.
So habe ich die Möglichkeit auch andere Papiere passend zur Tinte und Drucker zu profilieren.
Wobei ich gerne mal Baryt und ein Premium Papier testen möchte.

Viele Grüße aus dem Tal der Wupper,

Thomas
 
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