Chinesischer Erfindergeist

Christian B.

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Chinaware galt ja lange Zeit als billig und minderwertig - und es gab und gibt dafür auch Beispiele. China hat den Ruf, es mit dem weltweiten Patentschutz nicht so ernst zu nehmen und munter drauflos zu plagiieren - und es gab und gibt dafür auch Beispiele.

Aber damit hört es nicht auf. Wir haben hier im Forum schon ausgiebig über den MEGADAP AF-Adapter für Nikon Z geschrieben - eine Entwicklung aus Honkong, die ohne Vorbild ist.

Ein anderes positives Beispiel: Venusoptics mit seinen LAOWA-Optiken liefert gefühlt im Stundentakt Objektive für alle möglichen Kamera-Anschlüsse, die die Welt zuvor noch nicht gesehen hat (vor allem im Weitwinkel- und Makrobereich), und die qualitativ sehr gut sind.

Besonders bemerkenswert finde ich das liebevoll dazu erdachte Zubehör.

Zum LAOWA 4.5/15mm Shift-Objektiv gibt es beispielsweise einen aus vollem Aluminium gefrästen Stativadapter mit Arca Swiss Klemmung, der das Objektiv genau im Nodalpunkt trägt, und einen Filteradapter, in den die magnetischen Filter von H&Y (auch aus China) in Breite 100mm passen. Umbausätze für 100mm Filterscheiben anderer Hersteller gibt es natürlich auch. Genial.

Für jedes ihrer LAOWA Superweitwinkel hat Venusoptics in Zusammenarbeit mit H&Y einen eigenen Adapter entwickelt.

Man kann das alles selbst direkt (etwas günstiger) beim Hersteller bestellen und importieren oder in Deutschland bei Brenner in Weiden/Oberpfalz ordern.

Bilder zeige ich in folgenden Postings.
 
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Christian B.

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Von links nach rechts:​
  • Rollei Verlauffilter GND 0.8 in H&Y Magnetischer Filterfassung​
  • LAOWA/H&Y Magnetischer Filterhalter für LAOWA 4.5/15mm Shift​
  • LAOWA Stativadapter für 4.5/15mm Shift mit Libelle und ARCA Swiss Klemmung​
  • LAOWA 4.5/15mm Shift Objektiv​
  • Gabale Adapter Leica M—Nikon F​
  • MEGADAP MTZ11​
  • Nikon Z7​
  • An der Kamera noch ein - in diesem Setting funktionsloser - Smallrigg L-Winkel (auch in China erfunden und hergestellt)​
 
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SJ Münchfeld
SJ Münchfeld kommentierte
„Da staunt der Laie und der Fachmann (m/w/d) wundert sich.“
 

Christian B.

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Alles sehr funktionell und solide. Die Preise sind nicht ohne, aber im Vergleich zu amerikanischem (RRS und Kirk) und deutschem (NOVOFLEX) feinmechanischem Zubehör preiswert.
 
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Gianty

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Hallo Christian,

China hat uns schon lange bzgl Qualität überholt.
Wir sind nur noch vereinzelt in der Lage, einigermaßen mitzuhalten.

Von den Preisen ganz abgesehen ( das hat viele Gründe )
 
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Christian B.
Christian B. kommentierte
Das kann man m.E. nicht so verallgemeinern, aber ich wollte derartige Fragen hier nicht diskutieren, sondern lediglich auf einige interessante Produkte aus China hinweisen.
 
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pulsedriver kommentierte
Das sehe ich anders. Um mal auf die hier gezeigten Produkte zurückzukommen: Die könnte man hier auch entwickeln und fertigen. Ja, sie wären wohl etwas teurer. Jedoch nicht sehr viel, wenn man für gleiche Stückzahlen plant. Wenn man natürlich gleich das Handtuch wirft und sagt: Wir verkaufen 10mal weniger davon, dann wird es viel teurer. Aber wirklich billig ist Laowa nicht. Das 14mm f/4 kostet 650 Euro. Das manuelle Samyang 14/2.8, das es sogar für DSLR gibt, wo solche Brennweiten eigentlich schwieriger sind, kostet die Hälfte und hat eine Blende mehr Licht. Und selbst die neue AF Variante für Sony E ist einiges billiger als das rein manuelle 14/4 von Laowa.

Das Spannende an Laowa ist eher, dass die sich eben trauen, solche Produkte auf den Markt zu bringen. Nicht die günstigen preise. Bei 650 Euro für ein 14/4 kommt doch so viel bei der Fabrik an, dass auch hier in D auch noch 1 bis 2 stunden Handarbeit bei der Produktion machbar wären.

Die Kamerahersteller sind leider oft viel konservativer.

Wo wir wirklich von China rausgefodert werden bei den Objektiven, sind die viel günstigeren. TTArtisan, 7Artisans, Zhongyi aber auch unter Handelsmarken wie Meike.
 
Christian B.
Christian B. kommentierte
Bezüglich LAOWA: Habe ich doch genau so im Eingangsposting bzw. #4 geschrieben. Die Preise haben es durchaus in sich, aber die Sachen gibt es anderswo einfach überhaupt nicht. Natürlich könnte man das alles hier erfinden und fertigen, aber man tut es nicht. Die Filterscheiben von H&Y sind übrigens aus Glas von Schott, Germany.

Samyang ist so ein Hersteller, der zumindest anfangs ganz ungeniert plagiiert hat. Siehe das erste 2.8/14mm und das 3.5/24mm PC. Sowas kaufe ich schon aus Prinzip nicht. Und die Artisans Objektive, die sich im Design ganz offensichtlich Leica M anlehnen und dann optisch nicht annähernd mithalten können, sind auch nichts für mich.
 

pulsedriver

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Noch ein Nachtrag zu den Haltern: Ich hasse die Magnethalter. Ganz genaues Positionieren ist schwierig damit, also grade bei harten Verläufen oder Reverse Filter. Und die Filter sind fest eingeklebt. Ich nutze sonst aber den super kompakten Nisi V2, teilweise noch reduziert auf 1 Filter. Das nimmt praktisch keinen Platz weg in der Tasche Die Laowa Halter sind alle viel zu wuchtig. Der Nisi V2 ist ca. 13mm dick, reduziert auf 1 Einschub unter 1cm. Damit kommt ich auch bei grossen Objektiven wie dem 70-200/2.8 Sport mit sehr flachen Messengertaschen durch und kann den Halter und Ringe trotzdem noch vor die Objektive tun. Die Tasche für meine grosse DSLR Ausrüstung mit D810 und dem 70-200 Sports, die DNA.15 Slim von Tenba, hat nur 10cm Dicke innen. Die Event Messenger 150, wo das 70-200 auch noch mit der D810 und 3 kleinen FB rein passt, ist auch nur 10cm innen.
Beim 14mm finde ich die Konstuktion für Filter mies. Da geht ein 52mm drauf, aber die Geli ist fest. Wäre die nicht fest, könnte ich jeden Halter nehmen und müsste nicht das fette Teil von Laowa nehmen.
 
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Christian B.
Christian B. kommentierte
So verschiede können die Geschmäcker sein. Ich finde die Magnethalter super.
 

HaDiDi

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Nur eine kurze Anmerkung: Durch das Schreiben und "Abscannen/Lesen" von Schriftzeichen bekommen Chinesen ein frühes Training in Ordnung, Harmonie und Genauigkeit. Chinesen sehen mehr, als Europäer, das habe ich immer wieder bei der Fotografie, aber auch in Produktionsbetrieben festgestellt. Wenn man diese antrainierten Eigenschaften beim Personal nutzt, kann man in China höchste Qualität fertigen. Ich könnte mehr dazu schreiben, aber dann wären wir schnell OT.
 
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dembi64

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"............Ich könnte mehr dazu schreiben..........."

wäre vielleicht tatsächlich mal ein interessantes Thema. Nicht nur, aber auch im hinblick auf zukünftige Fototechnik. Ich behaupte schon seit vielen Jahren das den Chinesen viel zu viel "schlechtes" nachgesagt wird. Die trauen sich an Dinge heran an die der Rest der Welt erst gar nicht denkt bzw. mit viel zu viel Ausreden erst gar nicht angeht.
 
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Christian B.

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Beim 14mm finde ich die Konstuktion für Filter mies. Da geht ein 52mm drauf, aber die Geli ist fest. Wäre die nicht fest, könnte ich jeden Halter nehmen und müsste nicht das fette Teil von Laowa nehmen.
Es gibt jetzt eine neue Version des 4/14 für Nikon und Canon DSLR. Da wurde Dein Wunsch erhört!😌

 
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pulsedriver kommentierte
Ja, grundsätzlich interessant. Allerdings ist das aufgrund der Bauweise (für DSLR mit hohem Auflagenmass) auch deutlich grösser und schwerer.
Ich hab mich im Moment so mit der Sache abgefunden: Für landschaft brauche ich selten 14mm, 18mm sind da wahrscheinlicher. Geht es in die Landschaft, kommt daher das 18mm Samyang als UWW mit. Geht es hingegen in die Stadt, wo ich grade wegen der Simlation von Shift manchmal doch noch mehr UWW als 18mm brauche, bleibt das 18mm zu Hause und das 14mm kommt mit. Da ist die Sache mit den Filtern dann weniger wichtig. Verlaufsfilter sind da schwer zu nutzen.
Was ich noch probieren will sind Einschraubfilter 52mm mit Verlauf. Ich weiss, die erlauben keine Positionierung der Höhe des Verlaufs. Wenn ich aber Landschaftsbilder mit 14mm mache, wird das zu über 90% auf ein Breitformat gecropt. D.h. man kann den Verlauf via Croppen in der Höhe positionieren. Der Horizint ist dann einfach in der Mitte des vollen Sensors, und kommt erst durch Croppen ausserhalb der Mitte zu liegen.
14mm in der Landschaft ohne Breitformat und ohne generelles croppen auf weniger Bildwinkel mache ich sehr, sehr selten.
 

sukarujak

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Plagiatkultur, aber auch eigene Ideen und Innovationskraft, ... Das trifft alles zu, was oben über chinesische Produkte oder Produktion in China gesagt wurde.
Zu ergänzen wäre noch, dass die augenscheinliche Qualität chinesischer Produkte – soweit man das so pauschal sagen kann – zwar deutlich gestiegen ist, die Sicherheitsstandards aber nicht in gleichem Maße. Namhafte europäische Unternehmen, die in China fertigen lassen, unterhalten meist eigene Testlabors, in denen verwendete Materialien, Bauteile, Farben etc. auf Giftigkeit geprüft werden und werden immer wieder fündig, so dass eine engmaschige und kontinuierliche Qualitätsüberwachung nicht nur der Bemusterung sondern auch der Lieferchargen erforderlich ist. Da gibt es bei der Zusammenmischung z.B. von Kunststoff- oder Gummilegierungen in den Werken oder bei den Zulieferern häufig gar kein Unrechtsbewusstsein, wenn dabei z.B. giftige Abfallstoffe wiederverwendet werden. Ich war 13 Jahre in der Elektroindustrie tätig mit Produktionsstätten in China und Indonesien. Ich habe da unfassbare Dinge erlebt.

Außerdem zu ergänzen wäre, dass die Preise für in China hergestellte Waren tendentiell stark ansteigen, was vor allem mit den steigenden Gehältern dort zu tun hat. Ein großer Teil der chinesischen Bevölkerung in den Industriestandorten ist heute gut ausgebildet und hat völlig zurecht auch Ansprüche an einen entsprechenden Lebensstil. Daher ist China kein Billig-Produktionsland mehr. Wenn es heute um Produktion und Einkauf möglichst billiger Waren in Foto- und Elektrobranche geht, geht man eher in Länder wie Vietnam und Thailand, bei bestimmten Produkten auch Indien, Indonesien, Malaysia und Burma.
 
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