Blende verharzt?


rstobbe

Sehr aktives Mitglied
Hallo,

ich habe am Wochenende festgestellt, dass bei meinem Nikkor AiS 2.8/28mm die Blende, wenn einmal auf maximale Öffnung gestellt, sich nicht mehr schließt. Schraubt man das Objektiv von der Kamera ab und schiebt von Hand an dem Blendenhebel (ist dies der Blendenmitnehmer?), so funktioniert die Blende wieder, aber eben nur bis zu dem Zeitpunkt, wo wieder maximal aufgeblendet wird, danach bleibt die Blende wieder offen. Ist dies auf eine verharzte Blende zurückzuführen und wenn ja, wieviel wird die Reparatur beim Nikonservice ungefähr kosten?

Danke und ciao
-- Rüdiger
 

Sven Schneider

Nikon-Clubmitglied
Hallo Rüdiger,

wie Du schon richtig vermutest, handelt es sich um verharztes Fett an der Blende und der Objektivmechanik.
Erfahrungsgemäß kostet die komplette Reinigung incl. fetten etc. bei Nikon 75 Euro netto.
Solange es sich nicht um ein "Billigobjektiv" handelt (z.B. 3,3~4,5/ 35-70mm o.ä., die Du für weniger Geld bei eBay kaufen kannst), ist de Instandsetzung allemal lohnenswert.
Erfahrungsgemäß wirst Du nach der Reinigung auch wieder deutlich bessere Kontraste und Farben erhalten, da sich häufig Staub und Fettdunst auf den Linsen in der Nähe der Blende ablagern.

Gruß Sven
 
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rstobbe

Sehr aktives Mitglied
Danke Sven,

dann geht die Optik also ab nach Frankfurt zu Mandic, ich glaube die machen auf Altmetall.

ciao
-- Rüdiger
 
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Ekkehart

Aktives NF Mitglied
Hallo zusammen,
seit kurzem habe ich pro Film zwei, drei Bilder dabei, die völlig überbelichtet sind. Per Ausschlußverfahren konnte ich eine (ja,eine) leicht verölte/verharzte Blendenlamelle in meinem MF-Nikkor 50mm/1,4 als alleinigen Verursacher ausmachen.
Einschicken? - Nein.
Also ran an den Speck: Linse komplett auseinandergenommen, gereinigt und zusammengebaut. Geht an die Nerven und nimmt Zeit in Anspruch, ist aber selbst für einen Hobby-Friemler wie mich durchaus machbar. Selbst wenn denkbar ist, daß sich irgendwann erneut o.g. Phänomen einstellt, weiß ich nun, was zu tun ist, und kann mit Mut und Zuversicht die Sache angehen.
Das Procedere habe ich schriftlich (in Worten und als Skizze) dokumentiert und kann dies im Bedarfsfall an Betroffene weitergeben.
 
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K

klaus harms

Guest
Re: RE: Blende verharzt?

Hallo zusammen,
seit kurzem habe ich pro Film zwei, drei Bilder dabei, die völlig überbelichtet sind. Per Ausschlußverfahren konnte ich eine (ja,eine) leicht verölte/verharzte Blendenlamelle in meinem MF-Nikkor 50mm/1,4 als alleinigen Verursacher ausmachen.
Einschicken? - Nein.
Also ran an den Speck: Linse komplett auseinandergenommen, gereinigt und zusammengebaut. Geht an die Nerven und nimmt Zeit in Anspruch, ist aber selbst für einen Hobby-Friemler wie mich durchaus machbar. Selbst wenn denkbar ist, daß sich irgendwann erneut o.g. Phänomen einstellt, weiß ich nun, was zu tun ist, und kann mit Mut und Zuversicht die Sache angehen.
Das Procedere habe ich schriftlich (in Worten und als Skizze) dokumentiert und kann dies im Bedarfsfall an Betroffene weitergeben.
Wenn Du magst und damit einverstanden bist, mail es mir doch bitte zu, dann stelle ich die Anleitung gern in unsere FAQ!
 
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sebastel

Unterstützendes Mitglied
an der beschreibung wäre ich ebenfalls interessiert (auch wenn's bei mir ein AF 35mm/2.0 betrifft).

gruß
sebastian
 
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Ekkehart

Aktives NF Mitglied
Hallo Klaus, hallo Sebastian!
Ich wollte erst mal mit dem instandgesetzten Objektiv ein, zwei Diafilme mit sämtlichen Einstellungen von Blende und Verschlußzeit durchjagen und das Ergebnis auswerten, dann mein Geschriebsel/Skizzen in ein ordentliches Format bringen, die Linse nochmals zerlegen und dies mit meiner F2 anständig ablichten, den Diafilm entwickeln lassen, die Bilder einscannen und dann erst det Janze hier reinstellen ... Hätte nicht gedacht, daß sich so schnell Reaktionen einstellen - und dann noch vom "owner" (Hallo Klaus!) himself!
Ich mach mich heute abend ran ... Auf bald!
 
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Sig

Sehr aktives Mitglied
Ich hatte im März schon 'mal beschrieben, wie ich ein 50/1.8 AF entfettet habe. Hier noch einmal zur Erinnerung, ev. hilft es Euch ja:

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Viele frühe Nikon AF-Objektive haben das Problem, dass aufgrund eines ungeeigneten Fettes in den Gewindegängen der Entfernungseinstellung Öl auf die Lamellen der Blende gelangt. Dies führt dazu, dass die Blende nicht mehr zurückschnappt oder sich zu langsam bewegt, was wiederum überbelichtete Bildern hervorruft. Man kann das leicht prüfen, indem man durchs Objektiv auf die geschlossene Blende sieht. Die Lamellen müssen völlig trocken sein.

Ich hatte ein Objektiv mit sehr viel Öl auf der Blende, das nicht mehr benutzbar war. Es handelt sich um die neuere Version, schon mit dem gummierten Fokusring, ist aber nicht die Chinavariante sondern noch made in Japan. Ich denke die anderen Versionen sind nicht viel anders. Nach untenstehender Reparatur funktioniert das Objektiv wieder einwandfrei, Dauer ca. eine Stunde, man braucht als Werkzeug einen guten Kreuzschlitzschraubenzieher, doppelseitiges Klebeband und eine 36iger Nuss aus dem 1/2 Zoll Knarrenkasten. Es war unerwartet einfach.

1. Objektiv auf Unendlich stellen und Blende auf kleinster Stellung verriegeln
2. Bajonett abschrauben (3 Schrauben) und vorsichtig abnehmen
3. lose eingelegten Blendenmitnehmerring herausnehmen
4. Blendenring abziehen. Der Rastmechanismus fällt dabei nicht heraus, er besteht aus einem kleinen angeschraubten Federring.
5. 2 Niederhalter für die Linsengruppe (zwei Bleche mit je 2 Schrauben) abschrauben
6. die lose eingesteckte Welle mit Ritzel zum Fokusantrieb entnehmen
7. Die komplette Linsengruppe aus dem Objektivtubus langsam herausschrauben. Dabei die Position markieren, bei der sich beide Teile trennen. Es gibt mehrere mögliche Positionen, in denen man die Teile montieren könnte, nur eine ist richtig. Ich habe einen weichen Bleistift verwendet. Vorsicht, später den Strich nicht verwischen.
8. Den vorderen Objektivring (auf dem die Bezeichnung des Objektivs steht) abschrauben. Dazu muss man ein Werkzeug improvisieren, mit dem man genug Kraft und Reibung aufbauen kann um den Ring zu drehen. Ich habe festgestellt eine 36iger Nuss aus dem ½ zoll Knarrenkasten hat den richtigen Durchmesser. Darauf habe ich vorne doppelseitiges Klebeband geklebt und dann mit der Hand den Ring (gegen den Uhrzeigersinn) abgedreht, ging ganz einfach.
9. Darunter kommen 3 Schrauben zum Vorschein. Diese Schrauben lösen, dann kann man die Vorderlinse in ihrer Kunststoffhalterung abnehmen.
10. Jetzt den Haltering der Hinterlinsengruppe abschrauben. Das geht mit bloßer Hand, gegen den Uhrzeigersinn. Jetzt vorsichtig die hinteren Linsen herausdrücken, diese sind nur eingesteckt. Vorsicht es sind mehrere Teile, deren Reihenfolge man sich merken muss, am besten als Türmchen auf dem Tisch liegen lassen.
11. Nun hat man die Blendenmechanik in der Hand und kann diese von Öl befreien. Dazu lässt man dieses Bauteil komplett montiert, legt es in ein Glas mit Lösemittel und bewegt die Blende so lange hin und her, bis das Öl abgespült ist. Ich habe Spiritus verwendet, was etwas länger dauert, sonst wird häufig Feuerzeugbenzin empfohlen. Man kann auch sehr vorsichtig mit einem Q-Tip nachhelfen, aber Achtung die Blendenlammellen sind extrem dünn und leicht zu beschädigen.
12. Das man bei der Demontage alle Teile von überflüssigem Öl befreit ist wohl klar.
13. Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge ist einfach. Trotz allem würde ich beim Zerlegen Fotos machen.

Viel Spaß und bitte keine Schadenersatzforderungen falls etwas nicht klappt.

Gruß
Sig
 
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Micha 007

Unterstützendes Mitglied
Ich hatte mich nicht getraut das Objektiv ganz zu demontieren und habe daher die Blendenlamellen von der Seite gespült und auf der anderen Seite mit Tempo aufgesogen, ging auch. Was mir beim 50ger jetzt auffällt ist, dass ich das Gefühl habe beim fokussieren "quietscht" es, also ohne Geräusch...

Gruß Michael
 
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K

klaus harms

Guest
Re: RE: Blende verharzt?

Hallo Klaus, hallo Sebastian!
Ich wollte erst mal mit dem instandgesetzten Objektiv ein, zwei Diafilme mit sämtlichen Einstellungen von Blende und Verschlußzeit durchjagen und das Ergebnis auswerten, dann mein Geschriebsel/Skizzen in ein ordentliches Format bringen, die Linse nochmals zerlegen und dies mit meiner F2 anständig ablichten, den Diafilm entwickeln lassen, die Bilder einscannen und dann erst det Janze hier reinstellen ... Hätte nicht gedacht, daß sich so schnell Reaktionen einstellen - und dann noch vom "owner" (Hallo Klaus!) himself!
Ich mach mich heute abend ran ... Auf bald!
Wen verwundert es!:)

100.000 Mal habe ich es geschrieben, dass gerade Foren, so auch diese von Beiträgen und Informationen dieser Art leben. Und aus genau diesem Grunde unterstütze ich mit aller Kraft jede Initiative, die hilft, den Informationsgehalt unserer Community noch zu steigern!

Danke Dir; Deine Mail habe ich erhalten.
 
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sebastel

Unterstützendes Mitglied
zum "quietschen" ...
beim zerlegen der fokussierschnecke kann man zwar überschüssiges fett entfernen, ich würde aber das objektiv nicht "trocken" zusammensetzen wollen.
gerade die kunststoffgewinde benötigen das fett, um "satt" zu laufen.
ein kleines bißchen fett am lager der antriebswelle des AF sollte auch nicht schaden.

achtung: nicht das fett wahllos oder in großen mengen verteilen, sonst ist die blendenlamellenreinigungsaktion bald wieder fällig.

gruß
sebastian
 
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AndreasH

Sehr aktives Mitglied
Soweit ich weiß werden in Objektiven sehr spezielle Schmierstoffe verwendet. Man kann in eine Objektivschnecke nicht einfach irgendein Fett aus dem Automobilbereich oder sonstwoher hineinpacken.

Wo bekommt man diese Fette her?

Grüße
Andreas
 
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Sven Schneider

Nikon-Clubmitglied
bekommt man z.B. die Fette her.

Cheers Sven
 
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Ekkehart

Aktives NF Mitglied
Nikkor MF 50mm/1.4 Lamellen reinigen:

Unten genannte Bilder können auf Anfrage hier via PN oder direkt bei [email protected] angefordert und zugesendet werden

0. Objektiv aufwärmen: In der milden Herbstsonne, mit einer Rotlichtlampe, oder – wie ich - in der Sauna während der Aufwärmphase. Dabei laufend die Blende auf- und zumachen. So werden die harten Ölstellen etwas dünnflüssiger

1. Objektiv auf Unendlich stellen und Blende auf kleinste Stellung bringen

2. Bajonett abschrauben (3 Schrauben) und abnehmen

3. Blendenmitnehmerring herausheben

-- Bild Lens_Schritt_3 --

4. HintereLinsengruppe mit Fingern herausschrauben

-- Bild Lens_Schritt_4 --

5. Halbrunden Metallbügel, links mit einer Schraube befestigt, und dessen Metallhalterung, die in der Mitte zwischen linker Schraube und dem Blendenstift liegt und mit zwei kleinen Schrauben gehalten wird, entfernen

-- Bild Lens_Schritt_5 --

6. Die zwei metallenen Halterungen, die die Linse mit dem Objektivtubus in einer Führungsnut halten, raus: Je zwei Schrauben

-- Bild Lens_Schritt_6V --
-- Bild Lens_Schritt_6N –

Jetzt vom vorderen Ende die Sache angehen:
Objektiv auf ganz nah stellen
7. Den außenliegenden schwarzen Ring lösen: Ein winziges Schräubchen
-- Bild Lens_Schritt_7 --

8. Vordere Linsengruppe rausschrauben

9. Jetzt ist nur noch der Tubus mit dem Lamellenring übrig und ist von beiden Seiten zugänglich. Diesen ganz sachte mit einem mit Spiritus / Waschbenzin getränkten Wattestäbchen oder sehr weichem Pinselchen abputzen, dabei per Bewegung des Blendenstiftes möglichst alle Stellen im Lamellenfächer erwischen. An allen restlichen Teilen (vor allem im Schneckengang) das überflüssige Öl/Fett abwischen, grobe Teile per Zahnstocher rauspicken – keine Bange, es bleibt genug drin, um ein geschmeidiges Funktionieren zu gewährleisten. Ggf. mit Graphitpulver leicht bepudern

10. Nun wieder alles -- Bild Lens_Schritt_10 -- zusammensetzen, und dabei viel Geduld einplanen. Die vordere Linsengruppe läßt sich nur in einer möglichen Position einschrauben. Die Blende bleibt ganz zu, die Entfernungseinstellung auf Unendlich drehen

Gutes Gelingen!
 
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