Bastelstunde: Nikkor-O 1:4 2.1cm (1959-1967) an Nikon Z7


frbr

Sehr aktives Mitglied
Vorab der Disclaimer: Dies soll keine Anleitung zum Nachmachen sein. Ich rate jedem dringendst davon ab, diesen Versuch, wie hier beschrieben, zu unternehmen. Es besteht ein hohes Risiko, Kamera und/oder Objektiv schwer zu beschädigen.

Im November 2018 habe ich mir ein gekauft. Ich dachte: "Das muss doch irgendwie an der Z7 funktionieren!" Die Kompatibilitätsliste von Nikon dagegen ist eindeutig: Das Objektiv funktioniert nicht an der Z7. Übrigens auch an keiner anderen analogen oder digitalen Nikon-Kamera, außer an der Nikon F (erschienen 1959) und der Nikon F2 (erschienen 1971). Kein Wunder, das Objektiv wurde von 1959 bis 1967 gebaut. Stückzahl ca. 7200. Es handelt sich um eine sehr spezielle Konstruktion, die an den beiden genannten Kameras nur mit hochgeklapptem Spiegel angesetzt werden konnte, da der Tubus weit in den Spiegelkasten hineinragt. Da durch den Sucher dann keine Bildgestaltung mehr möglich war, lag ein Aufstecksucher für den Blitzschuh bei.

Ein erster, sehr vorsichtiger Ansetzversuch an den FTZ-Adapter verlief erwartungsgemäß negativ. Es passte mechanisch nicht, selbst wenn, hätte ich Sorge um den Kontaktblock des Adapters gehabt. Das Objektiv hat so ein Klötzchen montiert, welches wohl als Verdrehsicherung oder Anschlag dient. Siehe Foto.

Also habe ich einen China-Billigst-Adapter F->Z von Gabale gekauft. Diesen habe ich samt Objektiv an Michael @Beuteltier geschickt. Er hat die F-Seite des Adapters etwas abgedreht und im Inneren eine Ausnehmung für das Klötzchen gefräst.

Nachdem beide Teile wieder bei mir eingetroffen waren, habe ich äußerst vorsichtig versucht, den Adapter samt Objektiv an der Z7 anzusetzen. Das hat nicht funktioniert. Es gab eine Kollision des Tubus mit dem Rahmen, der sich um den Verschluss der Z7 herum befindet. Entmutigt, aber auch aus Zeit- und Lustmangel habe ich den ganzen Krempel in den Fotoschrank gelegt.

Ende Januar 2019 war ich es leid, das Objektiv im Schrank stehen zu haben und beschloss, es zu verkaufen. In diversen Foren inseriert, fand sich niemand, der auch nur das geringste Interesse an dem Objektiv hatte. Ich habe es ebenfalls an Händler angeboten, die mit alten Kameras und manuellen Nikon-Objektiven ihr Geschäft machen. Erfolglos.

Jetzt, im November 2019, habe ich die Teile wieder aus dem Schrank geholt und mir nochmal genauer angesehen. Um die Hinterlinse herum ist ein Kranz aus Blech mit vier Schrauben befestigt. Dieses Blech steht etwas über die Hinterlinse hinaus. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass dieses Blech nur ein Schutz für die konkave Hinterlinse sein kann, falls jemand das Objektiv auf dieser abstellt. Also habe ich das Blech demontiert. Und, siehe da, ein weiterer, sehr vorsichtiger Ansetzversuch an die Z7 ist geglückt. Ein weiterer kritischer Punkt wäre die mögliche Kollision des Verschlusses mit der herausgewölbten Hinterlinse. Ich habe keine Informationen gefunden, ob der Verschluss bei einer Z7 genauso weit von Sensor entfernt ist, wie bei einer F/F2 von der Filmebene. Beim Ansetzen des Objektivs ist der Verschluss der Z7 ja geöffnet, eine Gefahr besteht dann nicht. Also habe ich die Z7 auf "Stille Auslösung" umgestellt, das heißt, der Verschluss bleibt immer geöffnet. Nach einigen Minuten Mut sammeln habe ich ausgelöst. Das Bild war im Kasten!

Also raus in den nahegelegenen Park, es gab sogar ein klein wenig Sonne. Nach einigen Bildern wurde ich mutiger. Ich habe den mechanischen Verschluss aktiviert, dann den Fokus des Objektivs auf die Nahgrenze gestellt. Es ist in dieser Stellung am kürzesten. Die Fokussierung findet bei diesem Objektiv durch Verschiebung des inneren Tubus Richtung Sensor/Verschluss statt. Die Frontlinse bewegt sich nicht. Das erste Auslösen hat viel Überwindung gekostet. Dann habe ich mich schrittweise Richtung Unendlich vorgearbeitet. Das heißt, der Tubus hat sich durch die Fokussierung immer weiter in Richtung Verschluss bewegt. Ich habe gehofft, durch das schrittweise Herantasten an Unendlich eine schlimme Kollision zwischen Verschluss und Hinterlinse zu vermeiden, da ich hoffte, ein leichtes Hinübergleiten des Verschlusses über den Buckel der Hinterlinse zu registrieren. Endlich bei Unendlich angekommen, nichts von alledem. Es funktioniert einwandfrei!

Erwartungsgemäß ist die Vignettierung selbst bei kleinen Blenden noch enorm, die Schärfe im Zentrum überraschend gut, im Randbereich kann sie mit modernen Objektiven natürlich nicht mithalten. Es hat aber durch all seine Abbildungsfehler einen sehr speziellen Look, den ich gerade bei quadratischen Schwarzweißaufnahmen sehr mag. Das wird auch der Hauptanwendungsbereich sein.


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Objektiv noch mit Schutzblech:
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Objektiv ohne Schutzblech im Adapter:
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Das nächste Foto wurde mit dem Objektiv gemacht. Es gibt abenteuerliche Farbverfälschungen, die mit dem Weißabgleich in der Nachbearbeitung nicht in den Griff zu bekommen sind: Grüner Farbstich in den Ecken, um den Baum herum magenta.

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frbr

Sehr aktives Mitglied
Zwei Bilder, mit dem Objektiv gemacht:

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Anthracite

Aktives und bekanntes NF-Mitglied
Danke für deinen Bericht. Ich hatte ich auch schon gefragt, ob man das Objektiv nicht an einer Nikon Z verwenden könne.

Erwartungsgemäß ist die Vignettierung selbst bei kleinen Blenden noch enorm, die Schärfe im Zentrum überraschend gut, im Randbereich kann sie mit modernen Objektiven natürlich nicht mithalten. Es hat aber durch all seine Abbildungsfehler einen sehr speziellen Look, den ich gerade bei quadratischen Schwarzweißaufnahmen sehr mag. [...]

Das nächste Foto wurde mit dem Objektiv gemacht. Es gibt abenteuerliche Farbverfälschungen, die mit dem Weißabgleich in der Nachbearbeitung nicht in den Griff zu bekommen sind: Grüner Farbstich in den Ecken, um den Baum herum magenta.
Um Schärfe, Farben und Vignette zu beurteilen im Sinne eines Objektivtests braucht es dann doch eine alte Nikon F oder F2. Konstruktiv bedingt trifft das Licht in den Ecken in einem sehr schrägen Winkel auf, was für Film kein Problem ist, bei Sensoren aber zu deutlichen Verlusten führt. Die unscharfen Ränder und die Farbverfälschungen überraschen insofern nicht. Das kann man aber dem Objektiv nicht anlasten, denn man verwendet es in einem Bereich, für den es nie gedacht war.

Wenn ein objektiver Test nicht dein Ziel ist, kannst du es natürlich einfach weiter für Schwarz-Weiß-Fotos nehmen (das würde ich auch machen). Für Farbbilder könnte man mal schauen, diese Farbverfälschungen sind auch ein Problem für Sony-Nutzer mit einigen Leica-M-Objetktiven, und da gibt es Möglichkeiten, die Farben in der Nachbearbeitung zu korrigieren (ob mit eigenen Programmen oder mit Profilen für LR etc. weiß ich jetzt nicht, das war nie mein Thema), vielleicht ist diese Nachbearbeitung auch auf deine Kombi übertragbar.

Schön kompakt für ein adaptiertes Objektiv ist das 2,1/4 jedenfalls. :f045:
 
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frbr

Sehr aktives Mitglied
Dieses Objektiv tritt natürlich außer Konkurrenz an. Ich habe vorher keine Erwartungen an die Abbildungsleistung gehabt. Im Gegenteil, ich bin sogar positiv überrascht worden, wie gut es im Zentrum abbildet (deutlich besser als ein Voigtländer Color-Skopar 21/4 VM) und bezüglich der Gegenlichtempfindlichkeit. Dass das Verhalten in den Ecken problematisch sein würde (dort ist das Voigtländer natürlich deutlich besser), war auch vorher klar, eben wegen des Unterschieds Sensor zu Film. Ich schätze es einfach als kompakte Möglichkeit (trotz Adapter), um meine quadratischen s/w-Aufnahmen zu machen. Leider hatte ich es noch nicht, als ich diese Bilder gemacht habe: La Isla Mínima.

Für Aufnahmen, die eine gute technische Bildqualität erfordern, stehen noch das AF-S 20/1.8 G und andere zur Verfügung.
 
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