2019 Sommer in den Zentral-Pyrenäen 2 - Bielsa -> Salardu


assiliisoq

Sehr aktives Mitglied
29.6. - 6.8.2019
Trekkingtour durch die Zentralpyrenäen



Teil 1: 29.6.-13.7.2019
Salent de Gallego -> Bielsa

Parc National des Pyrenees Occidentales, Parque Nacional Ordesa y Monte Perdido
Karte IGN rando editions 12, 1:50 000 von 2018


Teil 2: Bielsa -> Salardu 13.-22.7.2019
(Parque Natural Posets Maladeta)

Karte IGN rando editions 13, 1:50 000 von 2019

Teil 3: Salardu -> Salardu
(Parque Nacional des Aigüestortes y Estany de Sant Maurici)
Karte IGN rando editions 06 1:50 000 von 2017


Wie gut, dass ich diesen Sommer keine große, berichtenswerte Tour gemacht habe (alle Pläne gekippt worden :-( ). So komme ich nun endlich dazu, den 2. Teil des letzten Sommers aufzuarbeiten.

Den 1. Teil war ich ja mit Andreas gemeinsam gelaufen. Nun muss er zurückreisen und für mich beginnt der 2. Teil der Tour, der mich nach Salardu bringen soll. Wieder habe ich ~ 10 Tage Zeit, mir eine Route durch den Nationalpark Posets Maladeta zu suchen. Dabei möchte ich möglichst wenige Strecken noch einmal gehen, die ich auf meiner HRP im Jahr zuvor gelaufen bin und daher schon kenne.

Sa, 13.7.2019, Tag 1

Nach langer Zeit stellen wir uns mal wieder den Wecker, sind aber sowieso schon vorher wach. Um 8:00 gibt es Frühstück in unserem Hotel an der Plaza Major in Bielsa: Toast, Butter, Marmelade, Wurst, Käse, Kuchen, Saft, Kaffee - für spanische Verhältnisse also echt ein opulentes Angebot, wenn auch alles in so Mini-Verpackungen bereitsteht. Andreas hat noch Zeit bis zu seiner Abfahrt und begleitet mich noch ein Stückchen aus dem Städtchen hinaus, bis mein Anstieg beginnt. Wir verabschieden uns sehr herzlich. Und ich laufe erst einmal in die falsche Richtung los.




Ich habe den versteckten Abzweig verpasst, merke es aber schnell, drehe um, folge ein Stückchen einer Schotterpiste, dann links eine Holztreppe hinauf. Ab jetzt geht es steil bergauf.
Ich entscheide mich, über den GR19.1 zum Collado de la Cruz de la Guardia hinaufzusteigen, nicht den Weg zum Lago de Cau zu nehmen, wie ich eigentlich geplant hatte. In der Touri-Info in Bielsa riet man mir sehr davon ab, da es im Winter/Frühling durch Stürme und Schnee sehr viele umgefallene Bäume dort gäbe, die noch nicht geräumt worden seien.

Frisch geduscht und im Waldschatten läuft es sich trotz des neu gefüllten Rucksackes herrlich angenehm. Auf etwa 1300 m Höhe verläuft der Pfad lange ohne Anstiege, ich kann einfach laufen lassen. Lange dauert es aber, bis der erste Trinkwasser-Bach über meinen Weg plätschert.

Dann geht es wieder sportlich bergauf, es wird heiß, schwül. Pause, Lippen eincremen, Schirmkappe auf. Dann verlasse ich den dichten Wald und trete auf herrliche Bergwiesen hinaus.







Es wird sehr heiß und drückend. Im Schatten eines großen Baumes mache ich eine Pause und esse etwas.







Bald sollte laut Karte eine Abkürzung direkt hinüber zum Col de Suelza führen. Die kann ich aber nicht finden. Der Hang ist mit viel Geröll voll, das durchwachsen ist von dornigem Gesträuch und hohem Gras. Das lockt mich wenig, mich hier durchzuschlagen.
Ich steige also weiter hinauf bis zum Collado de la Cruz. Noch sieht es nicht nach Regen oder Gewitter in der nächsten Zeit aus, wie der Wetterbericht prophezeiht hat.
Hier lege ich noch ein kleines Trinkpäuschen ein, bevor ich mich querfeldein zum Schotterweg Richtung Suelza-Pass vorarbeite.
Es tut erstaunlich gut, mal eine kleine Weile ohne Auf- oder Abstieg zu laufen.
Nach einer Kurve erkenne ich das Ziel des Schotterweges:
Die Pardinas de Suelza, eine improvisierte Hütte und viele Kühe.




Wieder muss ich mich entscheiden - über einen Pfad über die Punta de Suelza nach Urdiceto zu steigen oder pfadlos über den Collado de Pardinas Richtung Viados zu laufen. Ich bin schon ein bisschen platt. Es ist noch recht früh. Heute Nachmittag und morgen Vormittag soll es regnen und gewittern.
Ich entscheide mich für den Collado de Pardinas.

Quer zum Hang steige ich durch Wiesen hinauf, ab und zu folge ich Kuhspuren. Es dauert nicht allzu lange und ich nähere mich einem flacher werdenden Sattel.
Auf der anderen Seite streife ich durch hohes Gras über erst nur sanft abfallende Hänge.




Ein Bach führt auf einer kurzen Strecke zwischen Quelle und Versickern ein wenig Wasser und gibt mir davon ab.
Über eine Art großzügige natürliche Terrassenlandschaft laufe ich nun nach Osten, erst ohne viel Höhe zu verlieren, bzw. in Stufen kurz steil abzusteigen und dann wieder fast eben zu laufen. Ab und zu treffe ich auf kurze Spuren von Quad- oder Trekkerbereifung.
Nach einer ganzen Weile finde ich mich vor einer kleinen Cabana wieder. Sie ist offen und wird offenbar auch regelmäßig von den hier wirtschaftenden Bauern genutzt.







Nun geht die Quadspur in eine Schotterpiste über, die sich in endlosen, langen Serpentinen den Hang hinunterschlängelt.
Viele bunte Blumen, blaue Disteln, Schmetterlinge, Bienen, große Grashüpfer flattern, schwirren, summen und zirpen um mich herum.
Ein Bach lädt mich zu einer weiteren Pause ein. Ich beobachte ein Murmeltier, das in der Nähe auf einem Stein sitzt.

Etwas weiter stehen am Weg hunderte von Bienenkästen. Bei dieser Wiese muss der Honig sehr lecker werden!




Weiter zieht sich diese Piste den Berg hinab, bis ich unten endlich auf den Fahrweg zur Refugi Viados treffe.
Gleich hier finde ich eine schöne Wiese am Rio Cinqueta, die ich sofort als Zeltplatz belege.
Um 18:00 komme ich hier an, relaxe, wasche mich im Fluss, schaue auf der Karte die Optionen für morgen an, hole in meinem Tagebuch die letzten beiden Tage nach. Als es zu tröpfeln beginnt, ziehe ich mich ins Zelt zurück, koche Abendessen und staune, wie viel Platz ich in dem Zelt ganz alleine habe.





Bielsa -> Rio Cinqueta
20 km, +1750 Hm -1280 Hm
 

assiliisoq

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Sonntag, 14.3.2019, 2. Tag

Nachts hat es ein paar Tropfen geregnet. Heute Morgen ist der Himmel stark bewölkt.
Ich trödel mal wieder rum und komme erst so gegen 10 los.
Von meiner wunderbaren Wiese am Bach laufe ich ein Stückchen in die "falsche" Richtung, talauswärts, bis ich an eine Brücke komme, über die ich ans andere Ufer gelange. Hier kann ich durch den Wald auf Forstwegen und Pfaden zur Refugi Viados laufen, statt am anderen Ufer über die Straße.
Hier werde ich noch einmal voll ausgebremst. Am Wegesrand sind so viele Walderdbeeren reif und bitten geradezu darum, gepflückt zu werden. Sehr lecker!
Auch an einem hübschen, handgebauten Brunnen aus Holz und Stein komme ich vorbei, an dem ich unbedingt das Wasser verkosten muss.




Bald erreiche ich den steileren Teil des Aufstieges zur Hütte, die ich vom letzten Jahr schon kenne.




Diesmal war es jedoch noch kühler, letztes Mal sehr heiß. Statt Volksauflauf beim letzten Mal ist diesmal nur ein weiteres Wanderpaar hier. Dafür sind diesmal die Wirtsleute sehr nett und der cafe con leche funktioniert auf Anhieb. Daher bestelle ich mir gleich noch einen zweiten!

Da es hier keinen Internet-Empfang gibt, bekomme ich keinen aktuellen Wetterbericht. Die Wirtin meint "so lala". Das denke ich mit einem Blick in den Himmel auch.

Eine Stunde verbummel ich hier, bevor ich mich auf den schon bekannten Weg zwischen den Bordas hindurch begebe.







Kurz hinter den Hütten biege ich in Neuland ab. An diesem Zapfen dort oben will ich vorbei, zum Ibon de Millaris.
Der Aufstieg ist mal steil, mal flach, mal über Wiese, mal über Geröll. Insgesamt finde ich ihn weniger anstrengend, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Allerdings hatte ich heute Morgen auch mal wieder etwas Anlaufschwierigkeiten, jetzt nachmittags läuft es wieder leichter.
Mir fällt plötzlich ein, dass ich am Zeltplatz heute Morgen vergessen habe meinen Teebeutel einzupacken. :oops: In dem hohen Gras wird der vermutlich schneller von Nacktschnecken gefressen als ihn jemand findet. Trotzdem habe ich ein ganz schlechtes Gewissen. Was nur dadurch beruhigt wird, dass ich schon ein paar Stücke Plastikmüll wie Müsliriegel-Verpackungen aufgelesen habe. Davon liegt nur recht wenig herum, wenn ich was finde, wandert es in mein Müllbeutelchen.
Ich hoffe daher: Karma +/- 0. :angel:

Über den Weg fließen ein paar rostrote Bächlein, die rostrote Sinterhügel bauen und sogar das Moos rostrot überziehen.
Eisenmangel sollte ich nach reichlichem Genuss dieses Wassers also ausschließen können.




Oberhalb der Waldgrenze erreiche ich die Abzweigung Col de Eriste/Ibon de Millaris. Zu ersterem will ich morgen, zu zweiterem biege ich nun ab. Ein paar Regentropfen lassen mich zügig weitergehen. Ich bitte die Wolken sehr, doch noch zu warten, bis das Zelt steht. Funktioniert. Danke!




Ein kurzes, steiles, aber gut ausgebautes Stück Weg und ich erreiche die Staumauer.
Ab hier sehe ich mich nach Zeltmöglichkeiten um. Nicht ganz einfach. Das Gelände ist entweder steil, felsig oder sumpfig.
Auf einer Landzunge finde ich, was ich suche.

Suchbild mit Zelt:



Nur mit leerem Wassersack und Kamera steige ich noch weiter auf zum Ibon de Leners. Wegen der Aussicht, und auch, weil ich auf einen Bach hoffe, um nicht das Wasser vom Seeufer schöpfen zu müssen.




Beeindruckende Felsfaltungen und Schichtungen. Auf der grünen Landzunge unten rechts steht mein Zelt.




Am Ibon de Leners treffe ich auf dieses Glockenspiel:



Erst hier oben finde ich einen Bach und fülle meine 4 Liter-Blase auf.
Beim Abstieg ziehen wieder dunkle Wolken herauf.







Sie ziehen aber knapp an mir vorbei und ich bleibe verschont.




Statt dessen darf ich die herrliche Sicht aus meiner Küche genießen!





Rio Cinqueta -> Ibon de Millaris ~ 15 km, +1410 m - 470 m
 
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assiliisoq

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Montag, 15.7.2019, 3. Tag


Morgens messe ich 4°C vorm Zelt. Brrr! Der Preis für klaren Himmel.
Es dauert lange, bis die Sonne über den Grat klettert und auf mein Kopfkissen fällt.
Daher wieder nicht vor 10 Leinen los.
Ich wünsche mir ganz oft, schon in der ersten Dämmerung zu frühstücken und ganz früh loszulaufen, in den Tag hinein.
Aber dann kann ich mich doch nicht überwinden aus dem Schlafsack zu krabbeln, bevor mich die Sonne findet.

Ich laufe hinunter, zurück zur Gabelung, und nehme nun den Aufstieg zum Col de Eriste.
Ein steiler Aufstieg führt zu einem flacheren Absatz. Die Sonne steigt mit mir das enge Tal hinauf.
Von hier aus reicht ein Schneefeld durch eine Geröllrinne fast bis zum Pass. Da die recht steil ist, wähle ich zuerst das Blockfeld, was aber mühsam zu steigen ist. Schnell weiche ich doch auch das Schneefeld aus.
Das geht gerade so ohne Schneeketten, wenn ich mich konzentriere.




Schneller als gedacht erreiche ich den Col. Hier pfeift ein kalter Wind, sodass ich nicht lange verweile, Foto zurück, Foto voraus, und mich gleich an den steilen, geraffeligen Abstieg mache.




Bald kommt der Ibon de Llardaneta in Sicht.
Unten lagern schon 2 Gruppen.
Ich versuche mir einen Pausenplatz im Windschatten zu suchen, was mir aber nicht gelingt. Das liegt auch daran, dass der Wind ständig seine Richtung ändert.




Trotzdem genieße ich hier eine Weile die Aussicht, esse einen Riegel und schaue auf die Karte. Irgendwie bin ich schon ganz schön platt, obwohl ich noch nicht viel gelaufen bin.
Das Wetter ist super heute, blankblauer Himmel, aber es bleibt sehr windig und richtig kalt.

Beim weiteren Abstieg erhasche ich einen Blick hinauf in den "Canal", den Anstieg über ein recht steiles Schneefeld hinauf zum Gipfel des Posets. Der Pic Posets ist mit 3375 m der zweithöchste Berg der Pyrenäen und damit ein Publikumsmagnet. Hier arbeiten sich Leute wie eine Ameisenstraße hinauf. Ich hatte bei der Planung überlegt, ob ich den Gipfel auch mitnehmen soll. Dann bietet es sich an, hier am Llardaneto zu übernachten und früh morgens loszugehen, wenn das Schneefeld noch fest ist. Ich lasse den Gipfel aber aus, auf so einen Andrang habe ich auch keine Lust.




Der weitere Abstieg wird bequemer.
Diese Brücke ist wohl nur bei sehr geringem Wasserstand zu benutzen - und dann bräuchte man sie auch nicht.




An der Abzweigung gehe ich nicht zur Ref. Angel Orus, sondern wende mich zum Ibon Eriste. Der Pfad folgt quasi dem Hang, der aber viele Falten hat. So geht es ständig auf und ab, ohne dass tatsächlich an Höhe gewonnen wird. Das finde ich auf Dauer ziemlich anstrengend. Ich habe das Gefühl, der Weg zieht sich ewig. Zwischendurch komme ich an einer kleinen Cabana vorbei, deren Dach halb eingestürzt ist. Hier fließt ein Bächlein, dass ich für eine Trinkpause nutze.
Dann geht das Auf und Ab weiter, einige Klettereinlagen über Geröllblöcke. Die Tendenz ist jetzt aber doch ansteigend. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreiche ich endlich den See.







Im relativen Windschatten eines großen Felsblockes mache ich noch eine Pause und überlege, noch heute den nächsten Pass zu überschreiten. Aber eigentlich reicht es mir für heute.

Ich lasse den Rucksack an diesem markanten Felsen liegen und mache mich auf die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz. Das stellt sich in diesem unübersichtlichen Gelände als nicht ganz einfach heraus, denn es gibt kaum halbwegs ebene Grasplätze, die optimalstenfalls auch noch ein wenig windgeschützt liegen. So laufe ich eine ganze Weile am See entlang, der viele Nebenarme und Rinnen hat, bis ich endlich eine Stelle finde. Hier befinden sich sogar 2 Steinkreise von früheren Bemühungen, Zelte halbwegs vor dem Wind zu schützen.

Ich hole meinen Rucksack und richte mich häuslich ein, hole Wasser und koche Tee.

Da kommen doch tatsächlich noch 3 Spanier, die ebenfalls auf der Suche nach einem geschützten Schlafplatz herumirren und schließlich fragen, ob sie den Steinkreis neben meinem belegen dürften. Na klar! Die sind aber härter als ich und schlafen ohne Zelt nur im Schlafsack. Leider sprechen die genauso wenig Englisch wie ich Spanisch, und so kommt eine wirkliche Unterhaltung nicht zustande. Ich nehme meine Kamera und streife noch ein wenig durch die Landschaft, lege mich an einem wirklich windgeschützten Plätzchen noch ein wenig in die Sonne und genieße einfach die Zeit.

Sobald die Sonne früh hinter dem Bergrücken verschwunden ist, wird es wieder lausig kalt. Ich bin froh, den Windschutz des Zeltes um mich herum schließen zu können.




Ibon Millaris -> Ibon Eriste ~ 8 km, + 810 m - 730 m
 
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assiliisoq

Sehr aktives Mitglied
Dienstag, 16.7.2019, 4. Tag


In der Nacht leuchtete hell der Vollmond. Es war ziemlich frisch.
Heute sind die Spanier um 7:30 wach, hier im Tal ist es noch nicht sehr hell. Sie unterhalten sich lautstark ohne Rücksicht auf ihre Nachbarschaft - mich. Ich war zwar auch wach, hatte mich aber noch nicht wirklich aus dem Schlafsack schälen können.
Ich trödel noch ein wenig, bis die Sonne über den Grat klettert, frühstücke und bin gegen 10 Uhr unterwegs.
Ein schöner Aufstieg führt mich zum Collado de la Plana.
Blick zurück. Am linken, kleineren See habe ich gezeltet.




Es zieht sich, denn immer wieder muss ich Felsen hochsteigen oder die Route suchen. Direkt unter dem Pass liegt ein großer See mit etwas Schnee. Für die 200 Hm habe ich eine ganze Stunde gebraucht!
Oben mache ich eine kurze Pause. Auf den Pässen ist die Chance auf Empfang am größten. Der Wetterbericht für die nächsten 3 Tage sieht die Möglichkeit von etwas Regen vor. Heute ist das Wetter super!

Der Abstieg verläuft erst über steilen Schotter, dann wird er flacher und führt an herrlichen Seen vorbei.







Schöne Zeltmöglichkeiten bieten sich hier. Die drei Spanier treffe ich beim Baden.
Das Gelände wechselt zwischen Felsen und Wiesen, es ist wunderschön, ich komme aber recht langsam voran.
An einem kleinen Wasserfall zwischen zwei Seen lege auch ich eine Pause ein.
Was für eine herrliche Kulisse!







Dann steige ich hinunter zum großen Ibon de Batisielles. Der ist auch schön, aber die vielen kleinen Seen weiter oben mit den vielen kleinen Bachläufen dazwischen haben mit noch viel besser gefallen.




Der weitere Abstieg führt steil durch Wald und Geröll und geht kräftig in die Knie. Ich treffe auf ein paar Leute, die für einen Tagesausflug zum großen See unterwegs sind.
Wunderschön liegt unten der kleine Ibonet de Batisielles in einer wilden Wiese zwischen Wald und Fels.




Hier tummelt sich eine Handvoll Leute mit Kindern, die Picknick machen und ihre Füße in den See halten.
Auch eine Schutzhütte steht hier.

Ich genieße den Ausblick ebenfalls mit einem Riegel und bleibe eine ganze Weile hier sitzen.
Dann mache ich mich auf den Weg ins Tal des Riu Estos.
Der Pfad zieht sich mehr oder weniger eben am Hang entlang Richtung Refugio Estos. Ein ganz wunderschöner Weg mit großartigen Aussichten und immer wieder durch hohe, bunte Blumenwiesen.







Laut meinem Navi sollte irgendwo ein kleiner Pfad nach rechts unten abgehen, der mich auf den Fahrweg zur Refugio bringt. Zwischen den hohen Blumen ist kein Pfad zu erkennen.




Ich laufe einfach querwieseein in die Richtung, die mir richtig erscheint.
Als ich im Bachtal in einen Wald komme, finden sich hier einige Pfadspuren, die offensichtlich selten genutzt werden und sich immer wieder verzweigen. Egal, der Bach muss links bleiben und ich finde problemlos die Schotterstraße.
Der folge ich am Fluss hinauf, bis ich zur Brücke bei den Hütten El Turmo komme. Hier überquere ich den Rio Estos.




Ich wende mich nach SO und laufe über Almwiesen auf die Cabana de la Coma zu. Von diesem Pfad soll nach meiner Karte ein Steig an einem Bach hinauf zur Coma de Perdiguero abbiegen. Den kann ich aber trotz einigen Hin- und Herlaufens nicht finden. Ein Schild zeigt die Richtung, doch einen Pfad finde ich nicht.




Ich steige steil über die Wiese hinauf, wo das Navi den Pfad angibt. Als ich an den Wald komme, wird es echt abenteuerlich. Es wird immer steiler. Wenn ich aufrecht stehe, kann ich mit den Händen den Hang über mir erreichen. Teilweise steht dichter Farn oder brusthohes Gras und Kraut, es liegen umgefallene Bäume kreuz und quer, immer wieder stehe ich vor senkrechten Abbruchstellen oder dicht verfilzten Nadelbäumen, die ich umgehen muss. Manchmal sieht es rechts oder links über mir nach Lichtungen aus, die ich ansteuere, auf leichteres Vorankommen hoffend. Der Bach führt kein Wasser. Eine tiefe Schlucht würde mir den Zugang sowieso verwehren. Ich kämpfe mich immer ein paar Schritte bergan, bleibe stehen, sondiere das Gelände, entscheide mich für die Richtung der nächsten paar Schritte. Mal klettere ich gerade hinauf, mal versuche ich es mit Serpentinen. Etwa 300 Hm muss ich mich auf diese Weise hinaufkämpfen. Es ist unheimlich anstrengend. Das Navi zeigt mir kaum Fortschritte. Trotzdem macht mir gerade diese Passage ohne Weg durch die Wildnis wieder richtig Spaß!
Erst kurz vor Erreichen des oberen Waldrandes stehe ich plötzlich auf Wegspuren! Gibt es ihn doch!? Ist er vielleicht in der Karte falsch eingezeichnet und ich habe seinen Einstieg an der falschen Stelle gesucht? Aber da unten stand doch ein Schild, von dem aus ich keinen Weg gefunden habe. Der Weg auf meinem Navi verläuft ein ganzes Stück entfernt. ... Es bleibt mir ein Geheimnis. Endlich habe ich den senkrechten Wald geschafft und trete oben wieder auf eine Almwiese und sehe zum Pico de Perdigueret hinauf.




Ich folge dem Pfad, finde einen Bach und treffe dort tatsächlich einen Menschen. Er kommt vom Ibon Blanca herunter und berichtet, dass der noch ganz zugefroren sei. Er war völlig begeistert von der Bergwelt dort oben.




Mir ist das so spät am Tag zu anstrengend, noch einige hundert Höhenmeter durch steilen Fels dort hinauf zu steigen. Ich überquere mit dem Pfad den Bach. Der Pfad löst sich kurz danach wieder in viele Tierspuren auf. Ein paar Steinmännchen weisen den Weg ins Felsenland.
Ich entscheide mich, ohne Pfad und Markierungen zum Collado de Perdigueret aufzusteigen, um danach ins Vall de Literola hinunter zu laufen.




Ich folge eine Weile einem ausgetrockneten Bachbett und mache einige kleine Pausen. Das Gelände ist einfach, aber ich bin schon ziemlich platt und brauche daher recht lange.

Collado de Perdigueret, Blick nach SO, links geht´s ins Literola-Tal hinunter.




Nun steige ich auf der anderen Seite wieder weglos hinab. Ab und zu finde ich kleine, zusammengefallene Steinmännchen. Diese Route hier ist wohl wirklich schon lange nicht mehr begangen. Ich folge mal den Steinzeichen, mal meiner Intuition, meist durch Wiese und hohes Gras, zwischendrin Felsabsätze. Ich muss vorsichtig laufen, denn oft ist der Boden nicht zu sehen.

Ich finde einen herrlichen kleinen See in einer Senke. Orchideen stehen in der Wiese. Im Hintergrund schaue ich auf die Aneto-Maladeta-Gruppe.
Schon holen mich die Schatten ein.







Links unter mir fällt eine Felswand senkrecht ab. Ich laufe weit auf einer Hochebene entlang, bis ich zu einem schmalen Tal komme, das sich hinunter windet. Ganz unten kann ich eine winzige Hütte ausmachen. Das muss die Cabana Literola sein.
Über Wiesen steige ich hinab. Ich klettere durch ein Bachbett und arbeite mich durch mannshohes Kraut Richtung Cabana. Die ist jedoch geschlossen und privat, in ihrer Umgebung ist das Zelten ausdrücklich verboten.




Durch mehr von dem Krautdschungel gelange ich an einen zweiten Bach. Auf der anderen Seite steige ich die Böschung hinauf und finde eine akzeptable Wiese. Nicht ganz eben, aber ok. Das Gras sieht aus, als wäre hier bei Starkregen Überschwemmung. Es soll aber nicht regnen. Es ist schon 20 Uhr, ich bin ziemlich geschafft, sehe nirgendwo eine bessere Stelle und bleibe hier.




Über mir am Hang quert ein Schäfer mit seiner Herde und Hunden. Ob der in der Cabana schläft?

Schnell wird es dunkel, ich koche Pü mit 3-Pfeffer-Soße.
Der Himmel zieht sich zu. Hoffentlich behält der Wetterbericht recht und ich saufe hier heute Nacht nicht ab!
Das war einer der besonders abwechslungsreichen Tage. Herrlich! Aber für die ziemlich kurze Strecke von 16 km war ich 10 Stunden unterwegs, incl. aller Pausen. Unheimlich viel Zeit hat mich die steile Waldstrecke ohne Weg gekostet. Ein richtig toller Tag wieder!


Ibon Eriste -> Cabana Literola 16 km, +1060 m -1480 m
 
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assiliisoq

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Mittwoch, 17.7.2019, 5. Tag


Wieder wird es 9:50 bis ich loskomme. Der Himmel ist vollkommen bewölkt.
Der Schäfer ist mit seiner Herde schon über´n Berg. Er kam nicht zur Cabana herunter.
Das Müsli muss ich mir heute Morgen regelrecht hineinzwängen. Ich frühstücke zu Hause gar nicht. Und wenn, dann auf keinen Fall Müsli. Auf Tour finde ich für mich nicht viele Alternativen. Normalerweise geht das dann mit Müsli auch ganz gut. Aber manchmal quillt es mir zu den Ohren raus.

Der Abstieg vom Berg stellt sich als guter Pfad heraus. Ein Schild unterwegs zeigt den Aufstieg zum Ibon Blanco de Literola mit 2,5 h an. Aber auch hier verläuft in Richtung des Pfeiles kein Weg.
Als ich losgehe, beginnt es zu regnen. Ich ziehe alle Regensachen über. Beim Erreichen des Waldes weiter unten hört es wieder auf und ich werfe die Regenhüllen ab. Dennoch bleibt alles sehr grau. Im Tal erreiche ich eine Straße, die ich hinaufstiefele. Nach 1,5 km zweige ich auf eine kleinere Straße ab. Autos kommen so gut wie keine. Nach weiteren 2 km komme ich zu einem Parkplatz, ab hier ist Autoverkehr verboten. Nur ein Shuttle darf bis La Besurta fahren, von wo aus man zur Plan de Aiguallut laufen muss. Das ist auch mein Ziel für heute, allerdings ganz zu Fuß.
Am Hotel/Cafe Hospital de Benasque trinke ich einen Cafe con leche für 1,70 € incl. WLan. Heute, morgen, übermorgen wechselhaft mit Möglichkeiten von Schauern und auch Gewittern, danach wieder Sonne.
Es ist kaum etwas los hier, obwohl es nach einem richtigen Touri-Hotspot aussieht. Kommen die Massen erst nachmittags? Oder erst im August?

Über einen Pfad laufe ich weiter. Fast alle anderen Leute laufen parallel über die Straße.
Meine Beine sind heute irgendwie ziemlich schlapp.
Von einem erhöhten Wegstück beobachte ich lange sicher 20 Geier, die an einem verendeten Kalb (?) um die besten Plätze kämpfen. Ein interessantes Schauspiel. Die scheinen eine feste Rangordnung zu haben, wer zuerst oder am meisten fressen darf. Es gibt Annäherungsversuche, Kämpfe und Flucht. Ein paarmal fliegt ein Geier nur knapp über meinen Kopf hinweg und landet oberhalb im Hang, um die wilde Meute dort unten zu beobachten. Ich wünsche mir mein Tele herbei.

Ab dem Parkplatz La Besurta geht es auf gut ausgebautem Weg weiter hinauf zur Plana. Hier herrscht dann doch etwas Betrieb.
Ich fühle mich immer noch total schlapp.
Es ist schwül, aber nicht wirklich warm.
Die Plana ist sehr hübsch. Eine riesige, völlig flache Wiese mit einem trockenen Bach.
Am Ende dann das Highlight: die Doline, in der das Wasser eines kräftigen Bergbaches einfach verschwindet.




Vorne links verschwindet das Wasser, was nicht schon versickert ist, in einem Loch im Boden wie bei einer Badewanne, wenn man den Stöpsel zieht.




Im Aran-Tal kommt der Fluss wieder unter dem Gebirge heraus und wird zu einem Quellfluss der Garonne.
Am großen Wasserfall steige ich hinauf.




Oberhalb erreiche ich eine weitere Plana mit Fluss.
Ein paar Leute versuchen sich zu sonnen, was in Ermangelung von Sonne nur mäßig gelingt.
Auf der Plana ist zelten verboten, wie ausreichend Schilder unübersehbar anzeigen.
Es ist noch recht früh. Dazu scheint es ungewiss, ob es aufklart oder ob Regen und Gewitter drohen.
Am Ende des Tales steige ich ein wenig in das Tal hinauf, das zum Salenques-Pass führt, meinem Zwischenziel für morgen.
Zwischen Fels und Farn drückt sich der Pfad durch eine Felsspalte hinauf.




Rückblick auf die 2. Ebene.




Gut versteckt hinter einem großen Felsbrocken mitten zwischen Alpenrosen auf einem Inselchen im Fluss finde ich eine sehr schöne Zeltstelle. Es ist noch zu früh zum Aufbauen, 16 Uhr erst. Erst ab 19 Uhr darf hier gezeltet werden. Es macht für mich aber keinen Sinn weiterzulaufen, denn ab hier werde ich vermutlich keinen Zeltplatz mehr finden, bis ich jenseits des Passes wieder abgestiegen bin.
Ich wasche mich und einige Sachen im Fluss. Das Wasser ist kalt, es speist sich aus den Gletschern des Aneto und Maladeta.

Als es stark danach aussieht, als ob gleich der Regen beginnt, baue ich doch das Zelt vorzeitig auf. Hier im Regen zu sitzen neben dem Rucksack und auf den 19-Uhr-Gong zu warten scheint mir wenig Sinn zu machen.
Es regnet dann aber doch nur ein paar einzelne Tropfen.




Die Aussicht auf die Gipfel und Flanken des Maladeta-Massivs ist klasse!

Den ganzen Tag hat mein Magen rumort. Ich habe kaum etwas gegessen und jetzt abends noch immer keinen rechten Appetit. Ich koche eine Tomatensuppe ohne Inhalt, um den Magen ein wenig zu beruhigen und als Wärmezufuhr. Bei 16°C sitze ich um 21 Uhr mit Daunenjacke im Schlafsack. Wahrscheinlich friere ich aus Energiemangel, mag aber nichts mehr essen.



Cabana de Literola-> Plan d´Aiguallut 16 km +825 m -712 m
 
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huckabuck

Sehr aktives Mitglied
Sehr schöne Gegend und Bilder, Du bist ein erfahrener Trekker?
 
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assiliisoq
assiliisoq kommentierte
Immer, wenn man mich lässt, lauf ich mit dem Rucksack los :)
Die Pyrenäen sind ein ideales Revier für mich.
 

dembi64

NF-F Premium Mitglied
ch bewundere Dich. Meine Frau und ich sind auch viel unterwegs. Aber so "extrem" wie Du sind wir (noch) nicht. immer mal wieder eine "normale" Unterkunft mit etwas Luxus wird gerne angenommen.

Vielen Dank dass wir mitwandern dürfen.
 
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assiliisoq

Sehr aktives Mitglied
Donnerstag, 18.7.2019, 6. Tag


Halbzeit der 2. Tour, und auch Halbzeit meiner gesamten Zeit in den Pyrenäen.
Morgens scheint die Sonne!
Meinem Zelt gegenüber behauptet sich eine Kiefer standhaft in dem felsigen Gelände.




Beim Frühstück schaue ich in Wanderrichtung hinauf zum Pico de Aneto mit seinem Gletscher. Mit 3404 Metern ist er der höchste Berg der Pyrenäen.




Heute will ich über seine Schulter laufen, gleich neben seinem Kopf entlang, über den Coll de Salenques.
Schon kurz nach dem Start komme ich Blockgelände.




Ich hatte mir bei der Planung auf der Karte gedacht, das wird ein gemütlicher Tag, einfach von Nord nach Süd an den großen Gipfeln vorbei nett über den Pass spazieren, mich drüben am Llauset-See oder den Anglios-Seen in die Sonne legen, Wäsche waschen, Urlaub machen ...

Das sieht so aus, als wird das anders.
Es wird immer steiniger.
Ich klettere das Vall de Barrancs hinauf.




Die Route ist immerhin bestens markiert. Es stecken viele rot-weiße Fähnchen zwischen den Steinen. Morgen soll hier ein Ultra-Marathon stattfinden. Wie kann man so ein Gelände entlang rennen!???
Ich laufe eigentlich ganz gerne über Felsblöcke. Diese hier haben aber irgendwie eine unangenehme Größe und es ist oft recht steil.

Zu allem Überfluss muss ich zwischendurch meine mühsam gewonnene Höhe noch einmal aufgeben und durch eine Senke steigen. Hier liegt der Ibon de Barrancs. Sieht klasse aus, und an seinem Ufer scheint man auch zelten zu können. Vielleicht hier und dort etwas sumpfig. Hätte ich das gewusst, wäre ich gestern vielleicht noch hier herauf gelaufen.
Vielleicht auch nicht.




Und dann wieder hinauf, immer weiter durch Geröll unterschiedlicher Größenklassen.
Der Pass ist rechts oben.




Als ich mich dem Pass nähere, mehren sich die Schneefelder. Sie werden immer steiler und bald schnalle ich mir Grödeln unter und nehme den Eispickel. Das ist immer noch einfacher als über die steilen Felsbrockenfelder hochzusteigen.




Das letzte Stück zum Pass hoch sah von unten schlimmer aus als es jetzt ist.




Es ist schon 14:30, als ich am Pass ankomme! Himmel, wo ist denn die Zeit geblieben!?

Von Süden her zieht Wetter herein. Die Gipfel über mir sind schon verschwunden.




Es ist kalt und windig. Ich warte nicht lange sondern mache mich zügig an den Abstieg.
Es gibt zwei Markierungen. Eine zieht senkrecht den Berg steil hinunter über loses Geraffel. Die andere schwenkt nach rechts über eine Felsrippe hinüber. Die nehme ich, sieht mir sympatischer aus. Einmal muss ich ein Stückchen abklettern, was aber kein Problem ist.
Dann wieder hinein ins Geröll. Abschnittweise gibt es eine Art Pfad aus Feingeraffel, der sich zwischen den größeren Blöcken hindurchwindet. Dabei geht es immer Rippe rauf, Rippe runter, rauf, runter. Auf einer der Rippen treffe ich die einzigen Menschen heute. Ein Paar, das noch über den Pass will. Als ich mich zum Pass umdrehe, ist der schon nicht mehr zu sehen. Die Wolken sinken schnell tiefer. Sie fragen, wie der Abstieg drüben sei - doch hoffentlich nicht so steinig ...? Leider muss ich sie da desillusionieren.

Endlos zieht sich die Route durch die Blöcke bis zum Estany de la Cap de la Vall.




Es ist zwar schön hier, aber das Wetter treibt mich weiter. Ich habe noch einiges an Strecke vor mir und die Wolken werden immer dichter und dunkler, während sie die Bergflanken hinabsinken.

Unter mir der Estany Negre, dahinter in der Ferne die beleuchteten Berge des NP Aigüestortes, in den ich anschließend auch noch möchte.







Ich versuche mich zu beeilen, habe aber das Gefühl, überhaupt nicht vom Fleck zu kommen.
Der Weg mäandert hin und her, wo es auf der Karte aussieht, als würde er schnurgerade zu meinem Ziel führen.
Es wird so dunkel, kalt und windig, dass ich Regensachen überwerfe, um nicht plötzlich vom Wolkenbruch überrascht zu werden.

Endlich klettere ich über einen flachen Sattel und kann von oben auf den Estany de la Cap de Llauset schauen und auf die durch einen Hügel von ihm getrennte Hütte. Hier war ich letztes Jahr schon einmal. Die Hütte ist neu und das Hässlichste, was mir hier in den Pyrenäen begegnet ist. Total aus Alu.







Letztes Jahr habe ich am rechten Ende des Sees gezeltet. Heute will ich eigentlich gar nicht hier herunter, sondern von einem Sattel auf die andere Seite zu den Anglios-Seen. Die sehen jedoch so sehr von Geröll umgeben aus, dass ich doch wieder meinen bekannten Zeltplatz aufsuche. Erst um 19 Uhr steht das Zelt und ich bin total platt.
Und etwas geschockt, dass die Strecke nur 9 km war! Krass! Und dafür habe ich den ganzen Tag gebraucht!

Wo ich fließendes Wasser bekomme, weiß ich vom letzten Jahr noch. Fast wäre ein Fröschlein mit in den Wassersack gerutscht.
Der große Regen blieb aber aus. Am Ende habe ich vom Sonnenuntergang tatsächlich noch ein paar letzte Strahlen abbekommen.

Vermutlich bin ich auch deswegen so fertig, weil mein Magen gerade überhaupt keine Lust auf Nahrungsaufnahme hat. Heute Morgen nur eine halbe Portion Müsli reingezwängt, tagsüber kaum einen Riegel, jetzt mag ich trotz Anstrengung und Kälte auch nichts. Ich koche einen Liter Tee, um wenigstens etwas Warmes in den Bauch zu bekommen.



9 km, + 950 m, - 660 m
 
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assiliisoq

Sehr aktives Mitglied
Freitag, 19.7.2019, 7. Tag


Um 6 Uhr wache ich auf und muss mal raus.
Klarer Himmel! Vollmond! (Seit 3 Tagen schon! ;-) )




Es ist kalt, ich krieche wieder in den Schlafsack.

Ich warte mit dem Frühstück noch, bis die Sonne aufgeht.







Wieder bekomme ich nicht mehr als eine halbe Portion Müsli runter.
Kein Wunder, dass ich nur so kurze Etappen schaffe. Im letzten Jahr bin ich täglich doppelt so weit gelaufen, mit doppelt so vielen Höhenmetern. Aber ohne Energiezufuhr auch keine Leistung. Ich kann das Problem aber gerade nicht lösen und muss einfach so weitermachen. Meine Beine fühlen sich zum Start so schwer an, als hätte ich schon einen Marathon hinter mir.
Im Laufe des Tages wird das besser, aber ich komme körperlich nicht so richtig auf Touren, als sei ich irgendwie gedrosselt.
Blöd.
Ich genieße die Tour trotzdem sehr, die Landschaft ist großartig, das Wetter meistens auch.
Ich habe keine konkreten Ziele, plane von Tag zu Tag, kann also die Tour meinem Befinden anpassen.

Vor 10 Uhr komme ich wieder nicht los. Vorher habe ich noch Hemd und Shirt gewaschen und fast trocken bekommen.
Ich ersteige den ersten kleinen Pass, den ich vom letzten Jahr kenne und den ich gestern heruntergekommen bin.
Von hier habe ich einen Blick ins Anglios-Tal mit den oberen Seen.




Ab hier geht es bergab. Erst noch durch viel Blockgelände, später weiter unten auch über Wiesenabschnitte.
Am untersten, großen See steige ich ins Wasser und lasse mir von den kleinen Fischen die Zehen putzen. Das kitzelt lustig.




Ein Schmetterling setzt sich dann auf meinen Schuh, weshalb ich natürlich nicht weitergehen kann und mich mit ihm noch 10 Minuten ins Gras legen muss.




Ab hier geht es steil bergab, erst durch einzeln stehende Kiefern, was immer eine ganz eigene Stimmung hat, dann durch dichteren Mischwald.




Diesen Abschnitt bin ich letztes Jahr ebenfalls gelaufen und ich finde es erstaunlich, an wie viele Details ich mich noch erinnere, obwohl ich 45 Etappen gelaufen bin und dies hier nur ein kleiner Abschnitt von einer war.

"Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen", wusste schon Goethe.

Im Flusstal treffe ich wieder auf bunte Wiesen mit brusthohen Blumen.







Der kleine Bach, die hölzernen Wasserleitungen, alles noch da. Ich genieße den Wald und das Plätschern des Baches, der in einen rauschenden Fluss mündet. Ein federnder Waldboden, Vögelchen, einfach mal laufen lassen, ohne auf jeden Schritt achten zu müssen - herrlich!
Dann stoße ich auf die große Straße, muss ein Stück an ihr entlanglaufen, LKWs donnern an mir vorbei. Das Stück kommt mir kürzer vor als letztes Jahr, das nervige Stück zur Refugio Conangles auch.
Auf dem letzten Stück träume ich von Cafe con leche, einem Eis, einem Omlett oder einem Salat ...
Als ich ankomme, ist die Hütte "aus technischen Gründen" bis abends geschlossen :-(

Enttäuscht mache ich mich auf den Weg am Bach entlang, der weder markiert noch ausgeschildert ist, dafür aber sehr hübsch.
Ich betrete ab hier wieder Neuland.
Über weite Wiesen steige ich ein wenig auf.




Unter mir verschwindet die Schnellstraße im Tunnel und wird im Aran-Tal wieder auftauchen.
Ich halte mich links und gelange zu einem wohl fast verlassenen Gehöft.




Ich höre Stimmen, einen Hund, eine Katze liegt in einem Eingang.
Ich schwenke ein in das Vall de Molieres.




Durch hohe, bunte Blumenwiesen laufe ich in das Tal hinein.







Nach einer Weile beginne ich nach einem Zeltplatz zu suchen.
Morgen will ich zu einem Pass hoch, auf der Strecke wird zelten vermutlich schwierig. Also muss ich hier bleiben.

Ich laufe einige Male auf und ab, runter zum Bach, rüber in eine Baumgruppe. Viele Wildtierspuren hier, Wildschweine, Rehe. Denen will ich nicht auf dem Weg stehen. Nach einigem Suchen finde ich einen kleinen Platz zwischen Wiese, Bach, Blumen und Büschen.




Heute um Mitternacht soll der Ultramarathon starten. Über 100 km. Der Schnellste wird nach 18 Stunden im Ziel erwartet. Krass! Für mich unvorstellbar.
Der Wetterbericht sagt für die kommenden 2 Wochen Sonne an, aber auch Temperaturen von 34°C. Puh.
Ich habe den ganzen Tag wieder nichts gegessen, nur Bachwasser getrunken. Dafür habe ich jetzt wenigstens Hunger auf Thai-Cocos-Suppe mit Couscous.

Die Geräusche und Gerüche hier unten sind ganz andere als oben in den Bergen. Schafgebimmel, Mücken, Vögelchen, Insekten, ...

Ich erkunde noch ein wenig die Gegend, laufe barfuß durch Sumpf und Bach und Wiese, erfreue mich an der schönen Stelle, dem Wetter, der Aussicht. Und plane die Tour für morgen.


Estany Cap de Llauset -> Vall de Molieres 13 km, + 340 m, - 1130 m
 
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assiliisoq

Sehr aktives Mitglied
Samstag, 20.7.2019, 8. Tag


Tatsächlich hat es in der Nacht ein wenig geregnet. Heute Morgen scheint aber die Sonne!
Ich frühstücke die oberen beiden Ecken meines Energieriegels - also fast nichts.
Dafür komme ich aber früher los als sonst, "schon" kurz nach 9 Uhr.

Gestern habe ich hinter meinem Zelt Leute vorbeikommen gehört, einen Weg zeigen weder analoge noch digitale Karten.
Er ist aber vorhanden, wie ich gleich feststelle. Da ich gestern vom Weg zum Pass abgewichen bin, um einen Zeltplatz zu finden, muss ich nun selbst sehen, wie ich eine Geländestufe hinauf komme. Der Pfad, der nicht markiert ist, führt am Bach entlang erst einigermaßen eben, dann steiler hoch durch den Wald in das Molieres-Tal hinein. An dem großen Wasserfall geht es in einigem Abstand vorbei. Ah. Ich muss aber irgendwie auf die andere Seite. Oberhalb des Getöses finde ich mich plötzlich auf einer riesigen grünen Ebene aus Wiesen, Sümpfen und Bächen wieder. Der Blick in die Berge und hoch zum Col de Molieres (der weiterhin auf meiner to-do-Liste verharrt) ist herrlich! Was für ein toller Zeltplatz!







Über zwei Bäche muss ich hinüber. Den ersten furte ich barfuß, den zweiten kann ich auf großen Steinen queren.




Durch herrliche Blumenwiesen laufe ich am Bach wieder ein Stückchen zurück.




An der Geländekante vereinigen sich die beiden Bäche und stürzen sich als Le Cascade über Felsblöcke hinunter.




Erst verpasse ich den Abzweig auf den Pfad, den ich nehmen will, und muss einige Meter wieder zurücksteigen.
Dann finde ich ihn und folge ihm. Nach einer Weile mündet er in einen Schotterfahrweg, dem ich fast eben um das Tal herum folge. Noch einmal habe ich von der anderen Talseite einen Blick auf Le Cascade.




Hier treffe ich die einzigen Leute für heute, 3 Spanier, die zum Refugio Molieres wollen.
Kurz danach finde ich den leicht zu übersehenden Wiesenpfad, den ich gleich recht zügig bergauf einschlage.
Ich will über die Port de Vielha, den alten Pass ins Aran-Tal, das bis vor nicht allzu langer Zeit gleichsam von der Außenwelt durch die Berge abgeriegelt war. Bis man den Tunnel durch den Berg trieb, der nun als Schnellstraße für den Kraftverkehr dient.
Seitdem scheint dieser Pass-Pfad etwas in Vergessenheit geraten. Er ist nicht einmal ausgeschildert.
Die Spur ist jedoch gut gelegt, man merkt, dass sie dereinst für den Warentransport mit Tieren angelegt wurde.
Heute ist sie über weite Strecken nur eine dünne Spur im Gras.
Weiter oben ist sie ab und zu mit verblassten rot-weißen Zeichen markiert.
Es geht über Wiese bergan, dann ab und zu durch niedrigen Nadelbaum-Bestand.
Es dauert eine ganze Weile, bis ich den ersten Bach plätschern höre.
Da hier wohl selten jemand vorbeikommt, nehme ich ein hemmungsloses Bad und lasse mich anschließend genüsslich von Wind und Sonne trocknen.

Weiter oben flacht das Gelände ab.
Hier treffe ich auf drei gemauerte Höhlen wie Tunneleingänge.




Sie reichen nur 3-4 m tief in den Felsen hinein und sind sehr feucht innen, z.T. auch mit Wasser am Boden.




Etwas weiter finde ich noch einen gemauerten "Iglu" mit Beton-Sachen drinnen.
Ob diese Bauten etwas mit dem Tunnel zu tun haben, der ziemlich genau unter mir verlaufen muss?
Oder haben zumindest die "Tunnel" mit weidendem Vieh oder der Nutzung der Route als Handelsweg zu tun?

Weidetiere treffe ich hier auf spanischer Seite fast gar nicht. Dabei wären die Weiden hier doch sicher ganz klasse dafür? Auf französischer Seite bimmeln viel mehr Glöckchen an Pferden, Schafen und Kühen. Heute treffe ich nur auf 3 Pferde.

Weiter steige ich Richtung Pass hinauf.




Schließlich treffe ich auf einen richtig gemauerten und gepflasterten Saumpfad und gelange auf ihm zur Port de Vielha.




Es ist 14 Uhr. Ich habe Hunger und vertilge den Rest meines Powerriegels.
Die Sonne ist nun fast ständig von Wolken verdeckt, es bläst ein frischer Wind.
Ich faulenze ein wenig, bevor ich mich an den Abstieg nach Vielha am Aran-Tal mache.

Erst geht es über rutschiges Kleingeraffel recht steil bergab, weiter unten auch schön über Wiesen.

Weil ich nun richtig Hunger habe, erlege ich mit meinem Eispickel einen der letzten Pyrenäen-Bären und verschlinge ihn gleich an Ort und Stelle. Zur Erinnerung errichte ich seinen Gebeinen ein Grabmal.




Mit dem Wasser eines Bächleins gleich nebendran lösche ich meinen Nachdurst.
Kurz darauf komme ich zu einer Cabana, die recht gemütlich aussieht, mit Kamin, hölzernem Schlafpodest und herrlichen, mächtigen Tannen rundherum. Hier treffe ich wieder auf einen Schotterweg, dessen Serpentinen ich durch steile Pfade abkürzen kann.
An einem Aussichtspunkt mit Bank kann ich den Blick auf die wieder auftauchende Schnellstraße "genießen".
Ab hier halte ich Ausschau nach einem möglichen Zeltplatz.
Es dauert noch eine Weile und einige erschlagene Bremsen später finde ich meinen Platz für die Nacht.
Zwischen meinem Weg und dem Bach im Tal finde ich hinter Gebüsch eine tolle Blumenwiese! Leider muss ich einige Blumen platttreten, um mein Zelt aufbauen zu können.




Die ganze Wiese summt und brummt vor Insekten! Herrlich! Nur Mücken und Bremsen lade ich wieder aus.
Um 18 Uhr steht meine Unterkunft und ich genieße bei Tee und Abendessen den herrlichen Abend in dieser wundervollen Wiese!


Unteres Vall de Molieres -> kurz vor Vielha 14 km, +1050 m - 1450 m
 
2 Kommentare
Holeshot
Holeshot kommentierte
der arme Bär. :cry:
 
assiliisoq
assiliisoq kommentierte
Das war Mundraub! ;)
 

juersch2

Aktives und bekanntes NF-Mitglied
Ich hatte schon Angst das du verhungerst bei dem wenigen Essen, aber jetzt ist ja alles wieder im Lot.
LG Jürgen
 
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assiliisoq

Sehr aktives Mitglied
Sonntag, 21.7.2019, 9. Tag


Vom Zirpen der Grillen werde ich geweckt.
Ein Zaunkönig hüpft durch die Zweige direkt vor meiner Tür.
Ich frühstücke wieder 2 Bissen meines Energieriegels und packe ein.
Die Wiese im Bachtal ist nicht so nass wie befürchtet.
Um 9 Uhr mache ich mich auf den Weg nach Vielha.
Ich freue mich, diese wunderschöne Zeltwiese gefunden und genommen zu haben. Vorher war nicht viel guter Zeltgrund, auf dem Weg nach Vielha kam auch nichts besseres mehr.
Vielha selbst ist nicht so hässlich, wie ich das vermutete.
Auf der Karte sieht es auch wie ein Verkehrsknotenpunkt mit großen Straßen und einigen Läden, ein Wintersportort vielleicht.
Über eine kleine Straße am Bach entlang komme ich in den Ort hinein.




Ich gelange zu einem Platz im Zentrum.
Hier gibt es eine Touri-Info.
Ich erkundige mich nach einem Pfad, der in verschiedenen Karten mal eingetragen ist, mal nicht.
Auch hier bekomme ich die Auskunft, dass der letzte Winter viele Bäume gefällt habe und bisher nur die größeren Wege geräumt seien. Ich habe den Eindruck, sie kennt den von mir geplanten Weg überhaupt nicht.
Mein nächstes Ziel und Ende des 2. Abschnittes dieser Reise ist der Ort Salardu, aber natürlich nicht über die Straße. Ich möchte über den Pass am Tuc d´Areho und von Norden absteigen.
Egal, ich beschließe es einfach zu versuchen. Ich habe noch genug Zeit, zur Not umzudrehen und einen anderen Weg nach Salardu zu nehmen.
Ich frage noch nach den unbeweideten Weiden. Mir wird berichtet, dass vor 60 Jahren das Aran-Tal noch von der Außenwelt mehr oder weniger abgeschlossen war. Fast alle Leute hier waren Bauern, deren Vieh oben auf den Almen graste. Der Tunnel habe jedoch den Tourismus gebracht. Hier lässt sich leichter Geld verdienen und die meisten Menschen haben die Landwirtschaft aufgegeben. Die Wiesen bräuchten jedoch das Weidevieh, sonst gehe die bunte Blumenvielfalt verloren und Bäume eroberten sich die Berghänge zurück. Ein Problem, das die gesamten spanischen Pyrenäen beträfe.
In Frankreich finde ich noch immer deutlich mehr Almbetrieb.

Dann sehe ich mich im Ortszentrum von Vielha um.




An dem hübschen Platz steht die Kirche, auf ein paar Bänken im Schatten der Platanen sitzen junge und alte Menschen.
Ein Cafe lädt zum Cafe ein.
Am Nachbartisch bestellen Leute Baguette mit verschiedenen Füllungen.
Mir läuft das Wasser im Munde zusammen und ich bestelle auch eines.




Super lecker!
Und Cafe con leche samt Baguette kosten mich nur 4,20€ ! Am liebsten würde ich hier bleiben!
Es ist Sonntag. Die Kirchenglocken beginnen zu läuten. Sie schwingen an großen Holzblöcken weit aus dem Kirchturm hinaus.







Bevor ich Vielha verlasse, schlendere ich einmal die Hauptstraße auf und ab. Ich finde hier 3 Outdoorläden (mit Schraubkartuschen, wen es interessiert).
An einem Brunnen fülle ich meine Wasserflasche auf, dann mache ich mich wieder auf den Weg.




Es ist schon gut 25°C im Schatten.




Der Pfad führt am Hang entlang, geht dann in eine Piste über. Ich nasche ein paar Himbeeren am Wegesrand.
In der 2. Kehre zweigt der Weg ab, den ich mir ausgesucht hatte.




Hier ist es herrlich schattig. Einige Erdbeeren bieten sich an. Auch das hier scheint ein alter Handelspfad zu sein. Er ist unter einer Schicht von Erde, Laub und Ästen gepflastert. Scheinbar wird er jedoch außer von einem Bach schon lange nicht mehr genutzt, nicht einmal zum Wandern.
Leider endet dieser schöne Weg wieder auf der Fahrpiste.
Der Bach, an dem entlang ich auf den Berg steigen will, müsste sich links befinden. Ich folge dem Fahrweg ein Stück bergab in das Bachtal, dann am Bach hinauf.
Ich muss zwei Zuläufe queren. Bei einem muss ich ein paar dicke Steine hineinwerfen, um ihn trockenen Fußes queren zu können. Dann wird die Spur zu einer recht frisch genutzten Harvestertrasse - extrem tief zermatscht und sumpfig, ganz fies! Am anderen Ende erreiche ich eine Wiese, wo jegliche Wegspur endet. Oh.
Blick auf´s Navi: Ich bin viel zu nah an den Bach geleitet worden, sollte einiges entfernter und höher sein.
Zurück? Natürlich nicht!
Also vorwärts.
Nun beginnt wieder eine Expedition. Ich arbeite mich durch mehr oder weniger dichten Wald mit Unmengen Totholz am Boden ziemlich steil rund 200 Höhenmeter am Bach entlang bergauf. Dabei ist die Entfernung wohl kaum mehr als 500 m. Aber es kostet mich sehr viel Kraft, Zeit und Schweiß, mich durch diesen Bergwald hinaufzuarbeiten. Ein nasses Tuch in der Rucksackaußentasche dient mir immer wieder dazu, mir Dreck und Schweiß vom Gesicht zu wischen. Es dürfte mittlerweise so 30°C haben.
Irgendwann bringen mich Thunfisch und Käse vom Frühstück tatsächlich wieder auf den Fahrweg. Ich sehe aus, als hätte ich mich einen Teil des Weges unterirdisch durchgekämpft. Ich versuche mich grob von Spinnenweben und anderem Anhang zu befreien. Und freue mich: Das war wieder mal ein richtig schönes Stück "Weg" gewesen!
Zur Belohnung wachsen am Wegrand Erdbeeren.
Schnell geht nun der Weg in einen Pfad über, der mich durch Wiesen und Waldstücke leitet.




An einer Stelle ist dann wieder Ende des Pfades. Auf der einen Seite ein Hangrutsch. Auf der anderen ein Bach. Keine Spuren mehr zu sehen. Ich probiere beide Varianten. Nix. Ein Blick in das Gelände, eine grobe Richtung. Ich gehe einfach wieder der Nase nach und versuche die Wiesenwellen so gut es geht auszunutzen.
Ganz überrascht bin ich, als ich unvermittelt vor einem großen Stein im tiefen Gras stehe, auf dem weiß-gelbe Markierungen aufgemalt sind. Dann bin ich wohl nicht ganz falsch ... 3 solcher Markierungen finde ich hier oben zufällig unterwegs. Einen Weg finde ich nicht. Der scheint schon länger als ein Jahr nicht gepflegt worden zu sein. Dabei ist er wunderschön!




An einem Bach mache ich eine längere Pause und esse den Rest meines Frühstücksriegels. Ich ziehe mein Shirt durchs Wasser und lasse es auf einem Stein trocknen. Hier oben wird mich keiner sehen, hier kam schon lange niemand mehr vorbei.




Weiter oben treffe ich dann tatsächlich auf eine Herde hübscher Kühe, die offensichtlich auch überrascht sind, dass außer ihnen hier oben noch jemand unterwegs ist.




Abwechselnd steige ich durch hohe Blumen und abgegrastes Weideland.




Schließlich erreiche ich eine Hügelkuppe, über die hinweg ich auf eine Ebene hinuntersehen kann, durch die ein Bach in mehreren Armen mäandert. Eine Gruppe alter Steinhäuser steht hier, einige Pferde grasen rundherum: Solana de Vilac.




Ein herrlicher Platz!
Ich laufe zum Haus hinüber - niemand hier.
Eigentlich wollte ich noch über den Pass rüber und an einem See auf der anderen Seite zelten. Aber hier gefällt es mir so gut, dass ich spontan beschließe zu bleiben.
Das Zelt stelle ich auf einem kleinen Hügel auf mit herrlichem Blick in alle Richtungen.







Hinter mir das Posets-Maladeta-Massiv, vor mir die Ebene mit Bach und Pferden.




Ich nehme ein ausgiebiges Bad im Bach, als ich eine Stelle gefunden habe, die tief genug ist.
Dann wasche ich alles, was mal wieder gewaschen werden könnte. Schließlich steige ich morgen wieder in die Zivilisation ab.
Während ich an meinem Zelt den Haushalt erledige, biegen auf einmal zwei Autos von einer Fahrpiste zu dem Hof ab. Ups, schnell was anziehen. Die Leute kümmern sich eine Weile um die Pferde und fahren dann wieder weg.
Ich verbringe einen herrlichen restlichen Nachmittag hier, streife ein wenig durch die Wiesen und am Bach und Wasserfall entlang.

Hier oben geht die Sonne spät unter, es ist schon 20:45. Ich koche Abendessen. Es wird schnell kühler.
Aus dem Tal steigen Wolken auf.




Was für ein herrlicher Tag!



vor Vielha -> Solana de Vilac 13 km, +1130 m - 370 m
 
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assiliisoq

Sehr aktives Mitglied
Montag, 22.7.2019, 10. Tag


Morgens weckt mich heute die Sonne, die mich im Tal immer erst viel später erreicht.
Mit den schon gewohnten 2 Bissen vom Powerriegel mache ich mich um 9 auf den Weg.
Das Tal ist wieder wolkenfrei, und auch mein Blick zurück in die Posets-Maladeta-Gruppe.




Ich durchquere das flache Tal. Die Pferde sind gerade irgendwo anders.




Es ist noch nicht zu heiß. Ich genieße den Aufstieg zum Pass mit frisch gewaschenen Haaren und ohne Sonnenkappe.
In 1 Stunde bin ich oben, meist sogar auf erkennbarem Pfad, ab und an auch Steinmännchen.
Der See Estanh de Trueites liegt ein wenig tiefer auf der anderen Seite des Passes.




Fast wäre ich baden gegangen, aber meine Beine laufen einfach weiter.
An einem kleineren See rechts daneben stehen zwei Leute. Sie sehen aus, als hätten sie auch gerade ihr Zelt abgebaut.
Mein Zeltplatz hat mir besser gefallen, ich freue mich, dass ich gestern dort geblieben bin.

Der Pfad hinunter ist gut zu laufen und ausgetreten. Unten verläuft ein Schotterweg, wahrscheinlich ist es von dort eine nette Tagestour hier herauf zum Baden und Angeln.
Durch hügeliges Gelände führt der Weg hinunter, immer wieder flache Senken wie ehemalige Seen.




Bald komme ich zu der Schotterstrecke. Dieser muss ich nun ein Stück folgen.
Einige lange Kehre kürze ich mitten durch Wiesen einfach ab.
An einer Stelle ist in meiner Karte eine Alternativroute eingezeichnet.
Die Stelle ist am Fahrweg nicht markiert. Mit dem Navi finde ich die Stelle, wo es abgehen müsste.
Tatsächlich, da ist eine kleine Lücke im Weidezaun. Dahinter geht es steil eine Böschung hinunter.
Bis zu einem Bach steige ich sehr schön hinab, fast wie durch Macchia.




Etwas unterhalb liegt über dem Bach eine Art Palette als Brücke. Der Weg dorthin ist jedoch ziemlich zugewachsen.
Direkt mir gegenüber allerdings steigt ein klarer Pfad einen steilen Wiesenhang hinauf. Mit einem Schritt bin ich über den Bach rüber. Der Pfad verläuft sich oben auf der Wiese.
Das Navi meint, ich bin etwas oberhalb des rechten Weges.
Da hätte ich also wohl doch die Palette nehmen müssen.
Ich klettere durch einiges Dickicht und über eine Felsstufe hinunter und finde bald einen Pfad.
Wunderschön führt er durch Wiesen, Gebüsche und kleine Waldstückchen. Ein echt toller Weg! Auch dieser scheinbar sehr selten begangen.

Es geht immer steiler zu Tal. Kurz bevor ich wieder auf den Fahrweg stoße, sehe ich unter mir zwischen Bäumen ein Dach. Einen Sonnenschirm. Ein paar Stühle und Tische. Dann höre ich Leute reden.
Ich biege um die Ecke und staune, denn mit einem Restaurant hatte ich hier gar nicht gerechnet.
Oh, wie toll!!
Die große Familie sitzt gerade selbst um einen langen Tisch und isst zu Mittag.
Ich bekomme gleich ein großes Cerveza sin alcohol und eine kleine Speisekarte. Dann lasse ich die freundlichen Leute erst einmal fertig essen.

Später bringen sie mir einen großen gemischten Salat und ein Omlett. Sooo lecker! Ich werde bald quasi in die Familie aufgenommen und bekomme noch ein Cerveza und anschließend einen Cafe. Dabei sehr nette Unterhaltungen. Was für ein herrlicher Platz! Was für nette Leute!
Borda de Lana, hiker´s paradies, tolle Überraschung!




Nun laufe ich am Fluss entlang durch Kiesel, bis ich den Fahrweg nicht mehr vermeiden kann. Der geht bald in Asphalt über. Autos fahren hier fast keine. Schnell erreiche ich Bagergue, das sich ordentlich herausgeputzt hat. Unser Dorf soll schöner werden ...
















Hier bin ich im letzten Jahr schon einmal von Salardu aus durchgekommen. Den Abstieg durch das Tal und am Bach entlang kenne ich von hier aus also.







42°C ... Eispickel und Steigeisen abzugeben!




Zieleinlauf! Ich komme zu früh in Salardu an. Das Refugi Rosta, fast schon mein zweites Zuhause hier, ist geschlossen. In der Vinotheka bekomme ich gerade noch einen Cafe, während sie die Sonnenschirme einklappen. Siesta.







Endlich kann ich im Refugi einchecken. Das Haus ist ein Hostel, Restaurant und Museum. Es ist uralt, ziemlich schief, auch drinnen, und sehr charmant.
Manel begrüßt mich und freut sich mit mir, dass beide Pakete angekommen sind, die ich mir geschickt habe: mein Essen für die nächsten 10 Tage, selbst geschickt von D aus, und eine Gaskartusche, bestellt über amazon in Spanien, da Gas nicht international verschickt wird. Ich brauche mich also nicht weiter um Verpflegung und Ausrüstung zu kümmern, klasse!
Im Lager schläft neben mir noch ein junger Mann, der nicht aussieht, als wenn er schnarchen würde.










Als der kleine Laden im Dorf wieder öffnet, erledige ich ein paar Einkäufe, Postkarten gibt es nur mit verblichenen Wintermotiven. Ich dusche, lümmel mich ein wenig im Zimmer und im Dorf herum. Ich kann es gemütlich angehen lassen, denn morgen bleibe ich noch hier. Das habe ich nach den Erfahrungen im letzten Jahr gelernt. Alle 10 Tage mal ein ganzer Tag Pause tut dem Körper gut. Hat nach dem ersten Abschnitt auch dieses Jahr wieder nicht funktioniert, aber morgen habe ich "Urlaub" :)


Und so lasse ich bei dem sehr guten Essen in der Refugi den Tag ausklingen.


Solana de Vilac -> Salardu 15 km, + 370 m - 1140 m


Der nächste Abschnitt folgt hoffentlich bald in einem neuen Band ...
Vielen Dank für alle, die hier hereinschauen und besonders an alle, die den Bericht durch Kommentare, Ergänzungen und Fragen bereichern!

Hola!
Sylvia


 
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Wölkchen

NF-F Premium Mitglied
Vielen Dank, Sylvia, dass ich an Deiner Reise teilnehmen durfte.
An vielen schönen Ecken habe ich Dich um die Aussicht beneidet
und hätte gerne mit Dir getauscht -nur bei den Spinnengeweben
wäre mir der Spaß vergangen.:cool:

Mit Deinem Appetit war es zwischenzeitlich ja nicht so dolle -bis
auf den Bären:hunger:........mich würde interessieren, wie viel Du nach
so einer Tour an Gewicht verloren hast.
 
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assiliisoq
assiliisoq kommentierte
Hallo Angela! Schön, dass du mitgekommen bist!
Ich verliere auf jeden Fall einiges an Gewicht. Wie viel kann ich dir leider nicht sagen - ich habe keine Waage.
Meine gut sitzende Hose muss ich aber regelmäßig nach einer Weile mit einer Schnur als Gürtelersatz binden, sonst rutscht sie einfach runter.
Als Abmagerungskur taugt so eine Tour aber nur bedingt - nachher hat man so viel Hunger, dann man einfach alles futtert, was nicht schnell genug wegläuft. Wenn man dann auch noch plötzlich aufhört, das im selben Maße weiter umzusetzen, nimmt man mehr zu als man vorher verloren hat. Man müsste schon immer weiter laufen. Oder ganz langsam damit aufhören.
Aufpassen muss man bei längeren Touren ab 3-4 Wochen, dass die Mangelernährung nicht die Substanz angreift. Das ist dann nicht mehr so schön.
 

Bettina

Administrator
Teammitglied
Hallo Sylvia,

nachdem es bereits mit Teil 3 Deiner Pyrenäen-Tour weitergeht, ist es höchste Zeit Deine tollen Reiseberichte in unsere Highlights aufzunehmen :thumbsup:

Die Landschaft ist beeindruckend und ich freue mich immer wieder, dass Du Deine Erlebnisse hier so ausführlich mit uns teilst. Nach wie vor bewundere ich Deine Energie, Ausdauer und Zielstrebigkeit die Du in Deine außergewöhnlichen Touren legst :6874:
 
Kommentar

assiliisoq

Sehr aktives Mitglied
Vielen Dank, Bettina!
Es freut mich natürlich sehr, wenn mein Bericht euch gefällt!
Mir macht es auch Freude, ihn zu verfassen und euch mitzunehmen!
 
Kommentar

Kay

NF-F Platin Mitglied
Bedanke mich auch bei Dir, Sylvia - gerade in der heutigen Zeit hat es sehr gut getan, mental mit Dir in der heilen Welt der Berge unterwegs zu sein.

Ein ehemaliger Skilehrer und Bergführer sagte damals " Besser im Rücken die Berge als die Stadt voll mit Menschen! "
 
Kommentar
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