!Auszeichnung erhalten! 2019 Sommer in den Zentral-Pyrenäen 1 - Gavarnie/Ordesa


Lydian

NF-F Premium Mitglied
Sehr schön, Silvia! Auch eine toll bebilderte Erinnerung an unsere Tage in den Pyrenäen im vergangenen Jahr. Und nun, aus "coroniger" Sicht scheint das so weit weg ......
 
3 Kommentare
assiliisoq
assiliisoq kommentierte
Ihr wart auch in den Pyrenäen im letzten Jahr!? Ja, klettern kann man da sicher ausgezeichnet!
Wo wart ihr denn?

LG Sylvia
 
assiliisoq
assiliisoq kommentierte
Ja, richtig, ich erinnere mich. Die Tour mit dem WoMo.
Ein Stückchen ins Anisclo-Tal laufen wir am nächsten Tag auch noch runter.
LG, Sylvia
 

assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
7. Juli 2019

Fuen Blanca -> Faja Pardina -> Fuen Blanca

19 km, +1450 -1450



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Böööh und määäähh - Weckmusik.
Eine große Herde Schafe zieht um unser Zelt herum. Einen Hütehund sehen wir nicht.
Aber die Bären treffen sich ja auch 100 Meter tiefer. :grins:
Schon um 7 Uhr frühstücken wir, denn wir haben uns für heute eine lange Tour vorgenommen.
Wir wollen zur Faja Pardina, die oben an einem Nebencanyon des Anisclo-Canyons verläuft.
Es gibt zwar ein wenig Info zu der Faja selbst, aber zu dem Weg dorthin so gut wie nichts.
Auf der Karte habe ich jedoch einen Pfad eingezeichnet gefunden.
Die Faja wird üblicherweise von einem Parkplatz aus beschrieben, der in der Nähe des Canyons auf Höhe der Faja liegt.

Es wird also mal wieder eine kleine Expedition.
Wir bauen das Zelt ab und verstauen die Rucksäcke zwischen großen Felsen in der Nähe des Zeltplatzes.
Ich nehme einen Karabiner und zwei Bandschlingen mit, denn es ist die Rede von einer Eisenstift-Passage über dem Fluss.
Aus der Bandschlinge und einem Packbeutel mache ich mir einen UL-Rucksack, worin Wasserflasche, Snacks, Karte, Portemonnaies und Regenjacken untergebracht werden. Das Handy = Navi kommt griffbereit in die Hosenbeintasche.

Trotz des frühen Frühstücks kommen wir erst gegen 9 Uhr los.
Zuerst steigen wir wieder zur Fuen Blanca hinunter.
Von hier aus folgen wir nun dem Rio Bellos durch den Anisclo-Canyon.
Es ist einfach dem Weg bergab zu folgen.
Immer wieder gibt es herrliche Blicke zurück und voraus.


Rückblick zur Gabelung und der Fuen Blanca


Mal laufen wir auf Fluss-Niveau, mal oberhalb durch Wiese oder Geröll.
Bald erreichen wir die Brücke über den Fluss.
An der Brücke weist uns ein Schild den Weg zum Barranco Crapariza und Llano Tripals.
Das ist unsere ausgesuchte Route, um von oben her in die Faja einzusteigen.
Schon kurz danach gelangen wir an die Stelle, wo Eisenstifte an einem Felsen entlang über den Fluss führen.
Ein Stahlkabel zum Festhalten oder einpicken hat seine Berechtigung.
Die Tritt-Stifte sind ziemlich weit auseinander.
Andreas traut der Sache erst nicht so recht.
Durch das Wasser darunter sind die Eisen feucht und etwas rutschig.
Ich überlege, ob ich mir aus den beiden Bandschlingen und dem Karabiner nun eine Behelfssicherung mache, probiere es aber erst einmal einfach so. Und finde, es geht.
Dann lehnt Andreas die Sicherung ebenfalls ab und kommt mir nach.
Die erste Schlüsselstelle ist geschafft!
Eine weitere soll uns beim Abklettern in die Faja erwarten.

Erst einmal klettern wir jedoch über große, glitschige, vermooste Felsen, bis wir zum Barranco Crapariza kommen.




Zumindest halten wir ihn dafür.
Ich habe auf dem Handy keinen Track, die Karte zeigt nur vage an, wo es langgehen könnte.
Durch diesen Canyon, diese Wand, soll es irgendwie nach oben gehen?
Ein Weg ist hier nicht mehr zu finden.
Verpasst können wir ihn auf dem schmalen Streifen zwischen Felswand und Fluss nicht haben.
Er ist offensichtlich nicht mehr sehr existent.
Wir suchen etwas herum und entscheiden dann, vielleicht dem Fluss noch ein paar Meter aufwärts zu folgen, vielleicht finden wir ja da noch Spuren.
In dichtem Busch finden wir tatsächlich ein Schild.
Das zeigt aber keine Richtung an, sondern informiert uns nur, dass wir uns im Nationalpark befinden.
Wo das Schild steht, muss aber immerhin der Weg einmal gewesen sein.
Wir suchen auf und ab und finden tatsächlich ein Steinmännchen, etwas zusammengefallen, aber noch als solches erkennbar.
Es wird etwas schottriger und eine Art Weg ist zu erahnen, der im Zickzack den Hang hinaufführt.
Ab und zu noch ein vermoostes Steinhäufchen.
Wir kriechen durch einiges Gestrüpp, über glitschige Felsen und einen Bach, bis wir unter einer hohen, senkrechten Felswand stehen.
Wir versuchen es nach rechts, nach links, kommen aber nicht weiter.
Durch Gebüsch, Felsen und Bach klettern wir wieder ein Stück runter, suchen hin und her und finden irgendwie nichts wegartiges, bis wir auf einmal wieder an dem Schild stehen.
Ich will schon aufgeben und die Faja dann eben von unten angehen, oder nur eine Runde durch den Anisclo-Canyon wandern, als Andreas doch noch fündig wird! Durch einiges Dickicht geht es schräg links hinauf. Da! Tatsächlich noch ein verfallenes Steinmännchen. Nun ist wieder ein ewig nicht begangener, ehemaliger, vergessener Steig zu erkennen. Hin und wieder verlieren wir ihn, finden ihn aber nun immer nach kurzem Suchen wieder. Weiter oben, wo es felsiger wird, finden wir sogar hin und wieder sehr verblasste rote Striche auf dem Stein.
Der Aufstieg ist wunderschön! Erstaunlich, dass er so verlassen ist. Wir genießen herrliche Ausblicke, kraxeln durch bunte Blumenwiesen, Felsen, Bäume und hohes Gras. Dabei sind wir so mit der Wegsuche beschäftigt, dass ich das Fotografieren vergesse. Schade.
Als wir oberhalb der Felsen auf eine weite, flache, wellige Landschaft kommen, bewachsen mit dichtem, hohem Gras, folgen wir mehr nach Himmelsrichtung dem Verlauf eines Baches, den wir nicht sehen, da er in einem weiteren kleinen Canyon fließt. Irgendwo soll es eine uralte Brücke über den Bach geben. Weder Pfade noch Steinmännchen sind zu sehen.
Nach Navi können wir sie schließlich finden und auf Sicht nach einigem Suchen einen steilen Abstieg hinunter zum Fluss nehmen.

Hier finden wir nicht nur die alte Brücke, sondern gleich darunter auch einen fantastischen Felsen-Pool!
Da müssen wir einfach rein!







Das Wasser ist so warm, dass sogar ich es lange darin zwischen den Kaulquappen und Molchen aushalte! Herrlich!
Wir baden, essen, trinken und genießen.
Bis dunkle Wolken über uns aufziehen! Ups!
Es ist schon ganz schön spät, wir haben sehr viel Zeit gebraucht für die Wegsuche hierher. Und haben die Faja bisher noch nicht einmal erreicht ...
Ich fürchte, wir müssen diesen wundervollen Ort verlassen und weiterlaufen.
Unter meiner Bluse, die auf dem Felsen trocknet, hat sich eine Eidechse schön im Schatten eingerichtet.
 
2 Kommentare
aloa
aloa kommentierte
Klingt nach Abenteuer (y)!!!
Silvia, du kannst das alles so fantastisch schildern.
 
assiliisoq
assiliisoq kommentierte
Oh, vielen Dank! :)
Freut mich außerordentlich, wenn´s dir gefällt!
 

assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
Über fast ebenes Grasland mit Büschelgras, Weidegras und vielen anderen Grasarten wandern wir an den drei Mallatas/Cabanas vorbei.




Diese Strecke läuft sich viel leichter und schneller als vermutet.
An der dritten Hütte treffen wir auf 2 Franzosen, die ebenso wie wir überrascht sind, hier Menschen zu begegnen.
Sie erzählen von einem Wasserfall in der Faja.
Aber erstmal müssen wir da überhaupt hinkommen.




Eine Wanderung durch die Faja wird immer entweder als Hin- und Rückweg beschrieben, oder in umgekehrter Richtung, sodass man diese Kletterstelle hinauf klettern muss, nicht hinunter. Wir sind also höchst gespannt, was uns erwartet. Kommen wir da runter oder müssen wir weiter über das Grasplateau an Rand des Canyons laufen?

Wir erreichen den Rand des Canyons.
Ziemlich tief.
Der hier gut erkennbare Weg läuft ein wenig entgegen unserer Richtung. Nach einer scharfen Kurve stehen wir an der zweiten Schlüsselstelle für heute.
In den Felsen sind Eisenklammern geschlagen.
Das sieht gut aus. Man kann sie wie eine Leiter absteigen.
Es geht senkrecht ein Stückchen runter, einmal um die Ecke, dann stehe ich auf einem ziemlich steilen Gras- und Gebüsch-Hang. Ein steiler, aber ganz guter Serpentinenpfad führt hinunter. Ich warte auf Andreas, der ebenfalls problemlos hinunterkommt. Vor lauter Gucken und Klettern vergesse ich leider wieder einmal Bilder zu machen.
Ihr müsst also selbst hin, euch das ansehen.

Hier ein Blick zurück hinauf. Da oben aus der Felsspalte kommen wir herunter.
Die Wiese ist deutlich steiler als sie hier aussieht. Wenn sie nass ist, muss man sicher sehr vorsichtig sein.




Das war also alles? Es war viel weniger dramatisch als ich befürchtet hatte.
Kurz danach stehen wir in der Faja.
Die zeigt sich ganz anders als die Faja de las Flores.
Viele Buchsbäume wachsen hier und viel gelb leuchtender Ginster.
Das Band ist breiter, man hat nicht diesen direkten Tiefblick 1000 m senkrecht in den Abgrund, aber auch herrliche Ausblicke.
Oft laufen wir wieder unter Felsüberhängen entlang.
Es gibt viel mehr bunte Blumen als in der Faja de las Flores - der Blumen-Faja.
















Das Highlight für mich und auch für Andreas ist aber der Wasserfall!
Wir haben schon wieder ordentlich Durst, als wir ihn erreichen.
Hoch oben aus der Wand duscht der Bach aus einer Felsquelle herunter in einen kleinen Natur-Teich mit Blumen und Mooskissen.
Ein ständiger Regenbogen leuchtet aus dem fallenden Wasser, das meist von Wind zu Sprühnebel zerstäubt wird.
Beim Wasserzapfen werde ich pitschnass. Das macht nichts, ist sogar sehr angenehm, denn die dunklen Wolken haben sich vorerst wieder verzogen und es ist ziemlich heiß.













Hier machen wir noch einmal lange Pause, es ist einfach zu schön! Ein richtiges Paradies in dieser trockenen, felsigen Landschaft.

Schließlich müssen wir aber doch weiter, wir sind nicht einmal am Wendepunkt unserer Rundtour.



Blick zurück auf die Faja Pardina.
 
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assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
Bald weitet sich das Tal, die Felsen über uns weichen zurück, werden flacher und langsam ansteigend finden wir uns wieder auf einer Wiese mit manchmal brusthohen Blumen und Gräsern, besonders Schafgarbe blüht hier sehr viel.




Am Ende des Canyons knickt unser Weg scharf nach Süden ab. Wir sind auf der Llanos Tripals. Weiterhin eben geht es durch Blumenwiesen und Felsen. In einem trockenen Bachbett naschen wir wilden Schnittlauch.




Wir genießen den herrlichen Blick ins Valle Pardina.
Hier in der Nähe muss der Parkplatz sein, von dem Touren durch die Faja beschrieben werden. Bis auf die beiden Franzosen heute Vormittag treffen wir dennoch den ganzen Tag niemanden.




...


Für den Rückweg steigen wir in den Barranco Pardina hinunter, laufen also ganz unten durch das Tal hinunter.




Mit Steinmännchen ist ein Pfad gut markiert. Erst geht es durch Gras und Schotter in den Canyon hinunter, dann recht einfach meist mitten durch das trockene Bachbett oder rechts und links davon über große Steine. Später laufen wir im Wald bis zum Ende des Valle Pardina. Hier führt der Pfad steil und geröllig tief hinunter in den Canyon de Anisclo.
Nun geht es erst wunderbar gemütlich neben dem Bach ganz eben durch herrlichen Wald. Als ich denke, jetzt müssen wir doch bald die Brücke wieder erreichen, steigt der Pfad noch einmal hoch über den Fluss. Meine Beine sind schon etwas müde, aber der Weg zieht sich noch ganz schön lang. Er ist wunderschön, aber ich will jetzt doch die Brücke erreichen und auf die Zielgerade kommen.


Endlich wieder an der Brücke.


An der Brücke schließt sich der Kreis. Hier sind wir am Morgen herübergekommen und haben den Pfad hinauf gesucht.
Jetzt müssen wir noch die restliche Strecke zurück zur Fuen Blanca laufen und etwas höher, wo unsere Rucksäcke auf uns warten.





Fuen Blanca


An der Talgabelung biegt Andreas noch einmal zum Bärenpool ab für ein Bad, ich bin ziemlich platt und steige langsam direkt zu unserem Depot hinauf.
Unterwegs fotografiere ich noch Blümchen.







Ich finde einen Wiesenabsatz über unserem letzten Zeltplatz einen noch besseren Platz, etwas ebener und mit weniger Getöse vom Wasserfall.

Auch diese Runde kann ich absolut empfehlen, wenn man ein wenig abenteuerlustig ist und sich von der Pfadfinderei im Aufstieg nicht abschrecken lässt. Sehr abwechslungsreich, mit vielen wunderbaren Entdeckungen.
Das Wetter hat sich zum Glück wieder berappelt. Die Regenjacke nehme ich gerne umsonst mit.
 
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aloa
aloa kommentierte
hin und weg :) !
 

assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
8. Juli 2019

Fuen Blanca -> Collado de Anisclo -> Refugio Pineta

7 km, +850 -1420



Regen pladdert auf unser Zelt.
Zwischendurch gewittert es auch etwas.
Wir frühstücken. Drehen uns noch einmal um. Hoffen, dass das Wetter besser wird.
Der Regen geht in Schauer über.
Gegen 11:15 beginnen wir in Regensachen den Aufstieg zum Collado de Anisclo.
Den finde ich echt anstrengend.
Er ist recht steil und zieht ohne jegliche Serpentinen geradewegs nach oben.
Mal geht es über Wiese, mal über felsige oder erdige Steilstufen.
Es ist dazu recht kühl, schauert immer mal wieder, von außen nass, von innen feucht.
Die Wolken senken sich tiefer um die Berggipfel.
Oben ist der Pfad durch den Schotter ziemlich erodiert.

Nach 2 Std. stehen wir auf dem Pass.
Ein Foto zurück.




Ein Foto nach vorne.


Valle de Pineta, links das grüne Hochtal La Larri, unser Ziel.


Es weht ein kalter Wind.
Von rechts zieht eine feste, schwarze Regenwand das Tal hinauf.
Unser Plan ist, die Faja Tormosa zu unserer Linken zu laufen und im Hochtal La Larri zu zelten.
Die Faja soll aber nicht ohne sein, zum Teil ausgesetzt, mit Klettereien und der Durchquerung von Bächen, die je nach Wasserstand anspruchsvoll bis unmöglich sein können. Der Rother sagt: Bei Regen ... sehr gefährlich!
Andererseits soll der Weg wunderschön sein...

Wir überlegen jedoch nicht lange und entscheiden uns in Anbetracht der Wetterlage und der Wetteraussichten (Wetterbericht: mehr Regen, mehr Gewitter) statt durch die Faja zu laufen den direkten Abstieg ins Valle de Pineta zu nehmen und auf der anderen Seite nach La Larri wieder aufzusteigen.
Der eisige, kräftige Wind lässt uns zudem nicht lange am Pass verweilen, sondern die Pause auf später verschieben und den Abstieg sofort angehen. Das erste, steile Stück wollen wir gerne vor dem offenbar schnell aufziehenden Starkregen hinter uns bringen.

Steil ist der Abstieg tatsächlich. Dabei wechseln Felsen, große lose Steine und rutschiger Schotter. Hin und wieder brauchen wir die Hände.
Dadurch zieht sich der Abstieg ganz schön in die Länge und zweimal schaue ich aufs Navi, ob wir nicht den Abzweig schon verpasst hätten.
Endlich erreichen wir das Schild, das links zur Faja Tormosa zeigt (mit dem Warnhinweis: Gefährlicher Weg!) und rechts zur Ref. Pineta.
Wir bleiben bei unserer Entscheidung.
Es regnet zwar bisher nicht so heftig wie erwartet, aber es sieht immer noch sehr dunkel aus, Gewitter sind angesagt.

Hier denken wir, dass wir den "schlimmsten" Teil des Abstiegs nun hinter uns haben und erwarten von hier aus einen guten Wanderweg bis zur Hütte. Nun geht es durch Wald und Busch.
Aber da irren wir uns.
Der Abstieg von hier dauert am Ende noch 2,5 h und immer wieder gibt es kleine Klettereinlagen über glitschige Felsstufen zu bewältigen.
Der Regen hält sich glücklicherweise noch in Grenzen, aber um uns herum rumpelt es immer wieder in den Wolken.
Als Aufmunterung naschen wir am Wegesrand sehr leckere Walderdbeeren.

In einer Schauerpause halten auch wir an und essen einen Riegel.
Ich versuche Empfang zu bekommen, gehe aber wieder leer aus. Seit einiger Zeit bekomme ich kaum einmal Empfang mit meinem Handy, während Andreas keine Probleme hat. Komisch, sonst ist mein Handy da ganz gut.
Andreas hat tatsächlich ausreichend Signal und wir beschließen in der Ref. Pineta nachzufragen, ob die evtl. zwei Betten für uns haben. Wir haben Glück!
Durch die Aussicht auf eine warme, trockene Unterkunft mit Dusche und Essen in nicht allzu großer Entfernung laufen wir entspannter weiter.

Als wir den Talboden erreichen, finden wir immer wieder Schilder, die den Umweg über eine Brücke über den Pineta-Fluss ausschildern, falls der wegen Hochwassers nicht zu furten sei.
Oh. Ob der bei dem Regen vielleicht nicht passierbar ist?
Die Hütte liegt gleich jenseits der Furt, der Umweg wäre noch einmal 6 km.

Der Talboden ist breit und mit üppigem Grün bewachsen. Der Regen hat aufgehört, es kommt sogar ein wenig die Sonne heraus.




Wir erreichen gespannt den Fluss und finden das Flussbett fast vollständig ausgetrocknet vor. Das Rinnsal lässt sich leicht auf ein paar Trittsteinen überwinden.
Das Flussbett ist allerdings sehr breit und in viele Arme mit großen Steinen und Kieseln geteilt. Zur Schneeschmelze muss das ein richtig reißender Fluss sein.

Das Refugio ist ein wenig abgeranzt, müffelt ziemlich, die Toiletten riechen recht penetrant, die Duschen sind alles andere als sauber - sonst ist es jedoch ok. Es ist mit dem Auto anzufahren und daher auch von Tagesgästen frequentiert. Oben sind die Stockbetten wie in einem Eisenbahnabteil durch Holzwände in 4er-Gruppen unterteilt, die Durchgänge mit Gardinen zu "verschließen". Wir bekommen ein eigenes Abteil und können uns hier ausbreiten.




Wir duschen und waschen ein wenig Wäsche, die wir draußen auf unsere Leine zwischen zwei Bäume aufhängen.
Es ist zwar windig und regnet nicht mehr, aber es ist ziemlich kühl und die Luftfeuchtigkeit ist noch hoch. Trocknen wird das wohl nicht ganz.

Mit einem Cafe und der Karte schmieden wir Pläne für unsere letzten gemeinsamen Tage.
Beim Abendessen (Salat, Kartoffeln + Bohnen, Bratwurst + Pommes, danach ein Joghurt) meint der Hüttenwirt, in der Faja Tormosa fehle sowieso eine Brücke über einen großen Wasserfall.
Uff! Das wäre ja der GAU gewesen! Abends kurz vor dem Ziel plötzlich dort nicht weiter zu kommen, den ganzen Weg zurücklaufen zu müssen und in der Faja bei Regen und Gewitter keine Zeltmöglichkeit zu finden, weil das Gelände durchweg steil ist, und dann bei Dunkelheit hierher durch die Felsabsätze abklettern zu müssen! Und dafür gab es keine Warnung am Abzweig des Weges!
Da haben wir ja Glück gehabt, uns für den direkten Abstieg entschieden zu haben!

Ich habe selbst hier in der Refugio keinen Handy-Empfang. Seltsam. Ich mache mir ein wenig Sorgen, da ich ja nach Andreas´ Abreise noch 2x12 Tage alleine unterwegs sein will und dann auch die Rückreise organisieren muss - noch nichts gebucht, keine Ahnung, wo ich am Ende auskomme. Wenn das Handy nun kaputt ist ... ? Ziemlich lästig!
Erst um 22:45 liegen wir im Bett, die Sachen zum Weitertrocknen kreuz und quer durch unser Abteil verspannt.
 
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assiliisoq

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9. Juli 2019

Refugio Pineta -> La Larri -> Refugio de la Estiva

7 km, +870 m - 35 m



In der Nacht hat es heftig geregnet und gewittert.
Es hat niemand geschnarcht.
Trotzdem habe ich mal wieder in der Hütte kaum geschlafen.
Keine Ahnung, was mich da wach hält. Im Zelt schlafe ich wunderbar.
Um 8 gehen wir zum Frühstück und sind hier schon fast die Letzten.
Das Frühstück ist spanisch-karg: Toast, Butter, Erdbeermarmelade, Kaffee, ein Gläschen O-Saft.
Dann packen wir zusammen, ein fast blauer Himmel ist dabei sehr hilfreich.
Die frisch gewaschenen Klamotten sind tatsächlich so gut wie trocken.

Frisch duftend laufen wir ein Stück des Weges zurück, wir wollen durch Wiese und Wald auf der anderen Bachseite entlang bis zu der Brücke laufen.
Am Bach endet dieser Plan jedoch.
Durch den nächtlichen Regen ist das Rinnsal tatsächlich zu mehreren tiefen, reißenden Flussarmen angeschwollen!
Also folgen wir dem GR11 diesseits des Baches bis zu der kleinen Kapelle de Nostra Santa de Pineta.
Wir schauen kurz hinein und nehmen dann den Pfad, der sehr schön durch den Wald hinauf zum Llano de la Larri führt.




Wir sind etwas überrascht, als es zu regnen beginnt. Der letzte Himmel, den wir sahen, war blau.
Der Regen wird stärker, wir steigen in unsere Gore-Hüllen.

Der Pfad erreicht eine Schotter-Fahrspur, deren Serpentinen durch Pfade abgekürzt wird. Die sind jedoch so zugewuchert und erodiert, dass wir bald dem Fahrweg folgen.

So gelangen wir zu dem weiten Hochtal La Larri, das wunderschön voller blauer Iris steht.




Wir kommen an einer Erklärtafel zu den Bergen und Gletschern des Circo de Pineta vorbei. Von den Bergen und Gletschern sehen wir leider gar nichts. Es regnet immer fester, die Wolken hängen tief. Schade, der Ausblick soll sehr schön sein.

An der Tafel finden wir einen ganz kleinen Mini-Feuersalamander.
Wie groß sind die, wenn sie schlüpfen? Er ist noch ganz schwarz und hat nur einen gelben Streifen über Rücken und Schwanz. Ich habe ihn in die Hand genommen, Andreas hat Fotos davon gemacht. Die habe ich aber nicht hier, kann sie euch daher nicht zeigen.
Wir setzen den Kleinen etwas abseits ins Gras, damit die Wanderer, die hier scheinbar häufiger aus dem Pineta-Tal hochsteigen, nicht drauftreten.

Wir diskutieren noch ein wenig, ob wir dem GR11 folgen oder die Abenteuer-Variante direkt hoch zu den Munia-Seen gehen wollen. Wegen des Wetters entscheiden wir uns für den sichereren Weg über den GR.
Beim Aufstieg wird der Regen immer stärker, die Wolken sinken immer tiefer, die Sicht wird immer schlechter, der Weg immer matschiger. Eine Mischung aus Lehm und Kuhfladen klebt unter den Schuhen, meine Trailrunner sind durch und durch nass und quatschen bei jedem Schritt.
Als wir in etwas flacheres Gelände kommen, wo Kühe im dichten Nebel unter Bäumen liegen, erzähle ich daher Andreas die Regenballade von Ina Seidel (besser bekannt in der ). Die passt so gut zum Wetter, auch wenn hier kein Moor, Strom und Fischer ist und wir uns - bisher - nicht verlaufen haben.

Ich finde es sehr schade, dass wir von der angeblich tollen Aussicht nichts sehen, und will am liebsten bei nächster Gelegenheit das Zelt aufstellen, um hoffentlich morgen das Panorama genießen zu können.
Andreas will aber weiter und rauf bis an die Seen.

So kommen wir an der Refugio de la Estiva vorbei. Wir hatten schon gehört, dass sie ziemlich zerstört sei, das halbe Dach solle fehlen. Wir machen trotzdem einen Abstecher hin, um in relativer Trockenheit und Windschutz etwas zu essen und auf die Karte zu schauen. Ein spanisches Paar sitzt schon drinnen. Wir drücken uns auf der anderen Seite unter das Stück Dach.
Das Sitzen kühlt uns schnell aus. Bald findet Andreas die Idee hier zu zelten auch gar nicht mehr so schlecht.
Wir lassen die Rucksäcke hier stehen und schauen uns in der Umgebung der Hütte um. Etwas unterhalb finden wir eine fast ebene Stelle und eine Kuhtränke, die von einem Rohr mit frischem Wasser gespeist wird.
Wir reinigen einen Platz von Steinen und Kuhfladen, holen erst einmal nur das Zelt und bauen es auf. Dann holen wir die Rucksäcke nach und ziehen ein.

Es ist erst 14:30. Heute wird das hier wohl niemanden stören.
Wir genießen es im Trockenen zu sitzen und machen es uns in den Schlafsäcken gemütlich.
Wir sehen dem Regen zu, wie er das Zeltdach hinunterrinnt.
Wir hören vorbeiziehenden Kühen und Schafen zu.




Kurz nach 5 gibt es eine Regenpause. Die nutzen wir sofort, um den Tee wieder nach draußen zu bringen und neues Wasser zu holen. Kaum zurück im Zelt beginnt es wieder zu regnen.

Erst ab 8 werden die Regenpausen länger und die Wolken heben und vereinzeln sich.
Wir kochen Thai-Cocos-Suppe mit Couscous.

Wir sind froh, dass wir in den letzten Tagen in der Breche de Roland und in den Fajas so tolles Wetter hatten.
Und natürlich hoffen wir darauf, dass wir in den kommenden 3 Tagen auch noch etwas Sonne und Aussicht genießen dürfen.
 
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assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
10. Juli 2019

La Estiva -> Lagos de la Munia

4,5 km, +540 m -135 m, dazu noch einiges Rumlaufen an den Munia-Seen



Alles richtig gemacht!
Als wir aufwachen, ist es ziemlich kalt, aber der Himmel ist klar, die Aussicht hervorragend, die Sonne beleuchtet die ersten Gipfel.




Wir trödeln herum, haben es auch nicht eilig.
Wir wollen nur unser Ziel von gestern heute erreichen, die Lagos de la Munia.
Das ist nicht so weit.

Querfeldein steigen wir über kurzgefressene Grasberge nach Nordosten hinauf.




Da unten verläuft der GR11 durch ein herrliches, völlig flaches Wiesental, Plana Fonda, perfekte Zeltplätze!
Das könnte direkt aus einem Karl-May-Film sein!
Jenseits des Tales die Sierra de Espierba.
Wir folgen jedoch keinem Pfad außer ein paar Kuhspuren.

Das veranlasst einige Geier danach zu schauen, ob wir nicht zum Mittagessen taugen.




Sie kreisen die ganze Zeit mehr oder weniger dicht über uns.

An einem Regenmesstrichter treffen wir auf eine Kuhherde mit neugierigen Kälbchen, die mir die Hände "waschen" wollen oder mich als Salzleckstein betrachten.




An einem Bach machen wir eine gemütliche Trinkpause, es ist jetzt ganz hübsch warm geworden.
Bald danach treffen wir auf den Pfad, der vom Parkplatz Petramula zu den Seen hochsteigt.




Nach einem steilen Anstieg über Wiesen gelangen wir in Geröll, das bald etwas abflacht und zwischen zwei Bergen hindurch führt.
Wir treffen auf erste Schneefelder, und dann erblicken wir den ersten der Seen mit dem Circo de la Munia im Hintergrund.




Der Steinberg am linken Rand wirkt etwas deplatziert, er ist fast weiß zwischen den dunklen Felsen um ihn herum.

Hier oben in dem Felskessel auf 2500m liegt noch recht viel Schnee.
Auch auf den Seen treiben noch große Eisschollen.










Es ist erst Mittag. Wir machen lange Pause und genießen den herrlichen Blick über den See und die Bergkulisse.
Dann deponieren wir unsere Rucksäcke etwas abseits des Weges und erkunden die Gegend, auch auf der Suche nach einem schönen Zeltplatz für die Nacht. Es ist recht felsig hier oben, wenig Wiese, sehr wenig ebene Plätze.

Hier oben sind wir jetzt nicht ganz alleine, eine Handvoll Tageswanderer sind unterwegs.
Am frühen Nachmittag machen sich jedoch die letzten an der Abstieg.
Von einem hören wir, dass es am Abfluss nach La Larri ganz tolle Ausblicke geben soll.


Wasserfall zwischen den Seen



Grasnelke














Sehr interessante Gesteine finden wir an den Seen, fast bunt, grün und golden, von unterschiedlichsten Adern durchzogen.
Der Rother spricht von Pyrenäen-Urgestein.
Eine kleine Ur-Pyrenäe nehme ich mit, ich kann es mir nicht verkneifen.
Ich brauche sie nur noch bergab tragen, sie fliegt mit Andreas nach Hause.
Einige Wolken ziehen auf und sinken tiefer.
Daher beschließen wir, erst morgen auf den Pass Col de la Munia zu steigen.
Nachdem wir die Seen umrundet haben, folgen wir dem Bach Richtung La Larri zu der "schönen Aussicht".
Wir finden ein Schäfchen, das sich offensichtlich zum Sterben zwischen Steinen zusammengerollt hat.
Erst dachte ich, es ist schon tot, doch es wackelte noch leicht mit den Ohren, um Fliegen zu verjagen.
Ein trauriger Anblick.
Aber machen können wir da wohl nichts als der Natur ihren Lauf zu lassen.




Hier finden wir wunderbare Zeltplätze mit großartigem Panorama!
Das Gras ist von der sehr pieksigen Sorte. Man muss es kräftig plattdrücken vorher, damit es nicht sogar durch den Zeltboden sticht.
Gleich unter uns fließt der Bach.
Perfekt!
Wir holen die Rucksäcke und bauen das Zelt zwischen lauter blauem Enzian auf.
Der Bach bietet sich für eine ausgedehntere Katzenwäsche an (schön, aber lausig kalt!).

Wir kochen Tee und sehen den Wolken zu, wie sie über die Bergflanken schwappen.
Wir kochen noch einen Tee. Das können wir uns jetzt leisten, denn die Gaskartusche muss nur noch für eine weitere Nacht reichen.





Was für ein Zeltplatz!








Zum Abendessen kochen wir Tomatensuppe mit Pü und sind sehr froh, nach den beiden Regentagen hier an diesem tollen Platz heute wieder die Sonne geschenkt bekommen zu haben. Gut, dass wir erst heute hier sind und nicht gestern!
 
3 Kommentare
birchior
birchior kommentierte
Hallo Sylvia,
mal wieder ein sehr spannender Reisebericht, den ich allerdings erst spät entdeckt habe!
Zitat: "Das veranlasst einige Geier danach zu schauen, ob wir nicht zum Mittagessen taugen. "
Weißt Du eigentlich, dass Du da einen sehr seltenen Schmutzgeier fotografiert hast? Du Glückspilz!!!
Herzliche Grüße
Axel
 
assiliisoq
assiliisoq kommentierte
Hallo Axel!
Oh! Echt!? :cool:
Ich wollte längst mal nachgeschlagen haben, was für ein Geier das ist, hab´s aber immer wieder vergessen.
Davon kreisten dort ziemlich viele ... und ziemlich nah.
Sind die standorttreu? Dann hätte ich ein hübsches Fotoausflugsziel für dich :)
Wie weit seid ihr denn schon mit eurem GR10?
Viele Güße, auch an Heike!
Sylvia
 
birchior
birchior kommentierte
Hallo Sylvia,
hat etwas gedauert, sorry!!
Standorttreu sind die Geier meines Wissens nur dort, wo sie nisten. Gelegentlich bleiben sie auch mal etwas länger an einem Standort, falls es dort Aas gibt, normalerweise legen Sie aber immense Strecken (teilweise mehrere Hunderte Kilometer) zurück, um an Nahrung zu gelangen.
Zur Seltenheit: als wir vor ein paar Jahren in Spanien im Geieransitz waren und 25 kg Fleisch ausgelegt wurde, kamen innerhalb weniger Stunden ca. 150 Gänsegeier, 7 Schmutzgeier und 3 Mönchsgeier vorbei. Daraus kannst Du ersehen, dass es nicht sehr viele Schmutzgeier gibt.

Bei unserer GR10-Etappe 2019 haben wir schon recht bald GR10-Halbzeit gefeiert und sind - nachdem wir so weit gekommen sind, wie in den Vorjahren noch nie, nämlich 150 km in 2 Wochen - schlussendlich in Eylie d´en Haut (kennt normalerweise keine Sa... :)) gelandet, von wo wir beabsichtigen, dieses Jahr weiterzulaufen.

Falls keine 2. Welle kommt, sollte das auch klappen...

Falls wir wieder ungefähr 150 km weit kommen sollten, wären wir dann Ende September 2020 auf etwa der Höhe (ca.10 km nördlich) von Andorra.
Nachdem unser März-Urlaub (07.03.-14.03.2020) wegen zu viel Arbeit in der Kanzlei leider getrichen werden musste und unser Mai-Urlaub auf Helgoland (zu den Basstölpeln) leider Corona zum Opfer gefallen ist, überlegen wir aber, ob wir nicht statt 2 Wochen, ganz spontan auf 3 Wochen aufstocken sollten, mal schauen...

Deine Ausführungen zu Deinem neuen Zelt habe ich mit Interesse gelesen. Wir sind letztes Jahr ja mit dem Triplex losgelaufen und waren leider nicht sehr zufrieden.
Jeden Morgen waren die Schlafsäcke nass (nicht feucht, sondern nass) und Heike hat mächtig geschimpft, da sie dazu auch noch gefroren hat, was in unserem alten Zelt, welches wir dieses Jahr wohl oder übel wieder schleppen werden müssen, nicht der Fall war. Das sind dann halt doch gleich mal 1.210 Gramm mehr an Gewicht...
Ich vermute mal, dass es bei Dir mit der Feuchtigkeit besser war, weil Du 2 ja Monate vor uns unterwegs warst, da war es nachts sicherlich noch nicht so feucht wie Anfang/Mitte September und man konnte auch besser lüften.

Allerdings hatten wir auch erstmals die neuen Zpacks-Rucksäcke (Arc-Blast) dabei und die waren richtig toll: federleicht !! (mit allen Zusatztaschen 720 Gramm), mit ausreichend Platz, gut an der Hüfte anliegend und auch sehr gut tragbar. Sogar Heike war begeistert ;)!

So jetzt habe ich aber genug gelabert...

Herzliche Grüße Axel
 

assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
11. Juli 2019

Lagos de la Munia -> Col de la Munia -> Paso las Coronetas

8 km, +410m -930m






Herrliches Wetter begrüßt uns morgens im Schlafsack!
Wir genießen die herrliche Aussicht, die Sonne, das Frühstück.
Das soll unsere letzte gemeinsame Nacht hier oben in den Bergen sein.
Morgen müssen wir in Bielsa im Tal ankommen und dort im Hostal übernachten, bevor Andreas seine Heimreise antreten muss.
Wir lassen es gemütlich angehen und kommen natürlich mal wieder recht spät los.
Unser erstes Ziel ist es, durch den Circo de la Munia auf den Pass zu steigen, bevor wir uns Richtung Tal aufmachen, um kurz vor Bielsa zu zelten, damit wir am letzten Tag nur noch ins Dorf laufen brauchen und dort den Ausklang genießen können.

Wir packen unseren Hausstand und laufen zurück zu den Seen.
Das Schäfchen liegt unverändert dort und wackelt immer noch mit den Ohren.
Am großen See deponieren wir wieder unsere Rucksäcke für den Abstecher auf den Pass (die leichte Kerbe in der Bildmitte, rechts davon der Pic de la Munia, links der runde Buckel Arrouy).




Wir laufen rechts am See vorbei, umrunden die steinige Landzunge zwischen dem oberen und dem unteren See, folgen der linken Seite des oberen Sees bis zu seinem Hauptzufluss und legen hier noch einmal eine Pause ein. Wir trinken kräftig und lassen dann zwischen einigen Steinen die Trinkflasche liegen, um sie auf dem Rückweg wieder einzusammeln.

Weglos machen wir uns nun an den steilen, gerölligen Anstieg.
Jeder findet seinen eigenen Weg zwischen Geländeabsätzen hinauf.




Es ist recht anstrengend und mühsam, sich durch das lose Steinzeug nach oben zu arbeiten.
Ein paar schwache Wegspuren finden wir, als das Geraffel kleinkörniger wird.
Das Ziel, das wir ansteuern, ist das Schneefeld unterhalb des Passes, denn das ist leichter zu sehen als der Pass selbst.

Dann noch um das Schneefeld herum und schließlich sind wir oben!




Auf der anderen Seite kann ich in den Cirque de Troumouse schauen, durch den ich letztes Jahr gestiegen bin.
Wir treffen ein paar Leute, die auf den Pic de la Munia hinaufsteigen.
Das machen wir nicht, denn wir haben ja noch einen langen Abstieg vor uns.

Die Zeit und der Durst treiben uns nach gebührendem Bewundern der Aussicht also wieder hinunter.
Dabei finden wir nun den "richtigen" Weg, der ziemlich einfach an der Bergflanke hinunterführt.
Nachdem wir das steile Stück vom Pass abgestiegen sind, beginnt es auf einmal von oben heftig zu poltern. Ein Blick zum Hang: Ziemlich große Steine springen in hohem Tempo den Berg hinunter! Genau auf uns zu! :oops:
Etwa 10m von uns entfernt liegt ein richtig großer Felsbrocken und ich rufe Andreas zu, sich schnell dahinter in Sicherheit zu bringen!
Die dicken Steine von sicher 30-40cm Durchmesser springen z.T. mit großem Krachen an unserem Versteck vorbei.
Das Spektakel dauert sicher nicht länger als 1-2 Minuten, aber bis unser Adrenalinspiegel sich wieder normalisiert, dauert es noch etwas.
Als sich dann eine Weile nichts mehr bewegt, verlassen wir unseren Schutzfelsen.
Ob da oben einer von den Gipfelstürmern die Lawine losgetreten hat? Oder ob das ganz normale Erosion war?
Jedenfalls haben wir bis auf den Schrecken und ein paar Schrammen von den Hechtsprüngen hinter den Felsbrocken keinen Schaden genommen.

Wir setzen unseren Abstieg fort, finden nach kurzem Suchen die Trinkflasche wieder, bewundern am See wieder die interessanten Ur-Pyrenäen, setzen unsere Rucksäcke auf und verlassen diese herrlichen La Munia-Seen und ihre Bergkulisse.

Nach kurzer Zeit verlassen wir die Felsenwelt und sind wieder auf einem Wiesenpfad unterwegs. Bald kommen wir an die Stelle, an der wir gestern auf diesen Pfad gestoßen sind. Heute folgen wir ihm weiter hinunter in Richtung des Parkplatzes Petramula.
Steil windet sich der Pfad den Berg hinab. Herrliche Blumen blühen auf den Wiesen.
Wir kreuzen kleine Bäche und kosten ihr Wasser.
An den Felswänden ringsum rauschen Wasserfälle herunter.

Wir kommen noch vor dem Parkplatz an eine Wiese, wo es uns so gut gefällt, dass wir uns ein wenig in die Sonne legen.
Und eigentlich keine Lust mehr haben weiterzugehen.
Es ist wirklich herrlich hier! Die Wiese, der Bach, die Blumen, die Sonne!
Wir schauen auf die Karte.
Wenn wir morgen recht früh starten, sollten wir es ganz bis Bielsa schaffen. Geht ja immer nur bergab. Dann haben wir dort eben weniger Zeit, aber hier ist es sicher eh viel schöner.

Es ist erst früher Nachmittag.
Wir waschen unsere Wäsche im Bach und finden einen richtigen Pool, in dem wir zusammen ein Bad nehmen.
Die nassen Klamotten breiten wir auf warmen Steinen zum Trocknen aus.

Ich streife mit meiner Kamera noch ein wenig durch die Umgebung und fotografiere Blümchen.




.











Wir faulenzen den restlichen Nachmittag in der Sonne, kochen Tee, spazieren ein wenig durch unsere Wiese mit ihren Felsen, Bäumen, Büschen und Blumen.
Abends bauen wir dann unser Zelt auf, kochen Tomatensuppe mit Couscous und verbringen eine letzte gemeinsame Nacht im 1000-Sterne-Hotel.
 
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Kommentar

assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
12. Juli 2019

Paso las Coronetas -> Collado de Sarratillons -> Bielsa

19 km, +510m -1470m




Um 7 Uhr frühstücken wir, für unsere Verhältnisse auf dieser Tour recht früh.
Anschließend müssen wir unsere schöne Wiese verlassen.
Wir kommen knapp oberhalb des Parkplatzes vorbei und steigen von hier schräg am Hang hinauf.
Die schmale, von hohem Gras ziemlich überwachsene Spur scheint selten begangen zu sein.
Dennoch finden wir hin und wieder gelb-weiße Markierungen.
Üppige Blumenwiesen werden durch schmale Geröllschneisen unterbrochen.
Zwei Zecken freuen sich über unseren Besuch.
Sie sind es aber nicht, die uns jäh ausbremsen.







Andreas hat es tatsächlich geschafft, die leckeren Erdbeeren zu sammeln - bei mir sind sie sofort in den Mund gewandert.
Was für ein tolles zweites Vitaminfrühstück!

Der Pfad führt ein ganzes Stück weiter als in der Karte verzeichnet und überquert den Bergrücken erst einen Pass später.
Oder sollte ich sagen zwei Handvoll Erdbeeren später?
Ab dem Collado de Sarratillons laufen wir auf der Südseite zurück bis unter den Collado de Espierba (nicht ohne weitere Erdbeerpausen). Nun wird der Pfad zum Forstweg mit weiteren Walderdbeeren.
Als wir denken, wir platzen bald oder müssen einem Vitaminschock erliegen, beginnen zwischen den vielen Erdbeeren auch noch Kirschbäume ihre Früchte anzubieten! Sie hängen übervoll mit kleinen, reifen, süßen Kirschen, hellrote und schwarze. Unglaublich lecker!




Es ist schier unmöglich an ihnen vorbei zu laufen.
Immer, wenn wir uns gerade von einem Baum roter Kirschen losgerissen haben, müssen wir schon wieder für dicke, saftige Erdbeeren anhalten, und haben wir hier gerade nur die größten und rotesten geerntet, stehen wir schon wieder unter einem unwiderstehlich lockenden Baum schwarzer Kirschen. Das reinste Schlaraffenland!
Für die kurze Strecke nach Espierba brauchen wir ein paar Stunden. Wunderbare Stunden!

Zwischendurch wäre Andreas fast noch auf eine Kreuzotter getreten! Die ist aber gerade rechtzeitig noch in einem Buchsbaum verschwunden. Ich habe sie gar nicht gesehen. Als wir sie im Buchsbaum suchen, finden wir im Gestrüpp eine noch recht frische Schlangenhaut! Ganz vorsichtig klaubt Andreas die aus dem Geäst und wir verstauen sie vorsichtig im Essnapf.

Der Feldweg geht in ein ruhiges Sträßchen über, dem wir bergab folgen.
Am Beginn des Dorfes aus weit verstreuten Häusern kommen wir an einen Brunnen, aus dem wir uns bedienen. Ein einheimisches Auto wird dort mit frischem Kühlwasser versorgt.

Wir erreichen die Hauptstraße durch das Pineta-Tal bei Las Cortes und müssen ihr bis zu einem Parkplatz flussab folgen. Hier gibt es eine Brücke, über die wir den Rio Cinca überqueren können.
Auf der anderen Flussseite laufen wir erst über einen schottrigen und gerölligen Forstweg, der später in einen schönen Waldweg übergeht. Kurz hinter dem Stausee Embalse de Pineta finden wir einen Aussichtspunkt, von dem aus wir den ersten Blick hinunter auf Bielsa erhaschen können.




Eine Art Levada führt nicht neben dem Weg entlang, sondern unter dem Weg! Betonplatten verdecken den künstlichen Wasserlauf, hin und wieder gibt es Brücken oder Wartungs-Öffnungen. Aus diesen weht ein eisiger Luftzug.

Ein kurzer, steiler Abstieg führt schließlich nach Bielsa hinein. In dem kleinen Dorf finden wir sofort die Plaza Major und das Hostal Matazueras, das gleich am Platz liegt. Hier haben wir für unsere letzte Nacht gebucht.




Trotz der vielen Obstpausen sind wir noch zu früh, um unser Zimmer zu beziehen, es wird noch gereinigt. Wir können aber unsere Rucksäcke schon hineinstellen.

Auf dem Platz vor dem Haus bestellen wir uns 2 Cervesas sin alcool und stoßen auf unsere wunderschöne Tour an!




Mein Handy bekommt selbst hier keinen Empfang!
Mist!
Ich probiere und fummele eine ganze Weile daran herum, bis Andreas die Idee hat, das Gerät einmal komplett auszuschalten und neu zu starten.
Juhuu! Es funktioniert wieder! Das macht den Rest meiner Tour wesentlich einfacher und entspannter!
Darauf trinken wir noch einen cafe con leche.

Und noch ein Juhuu! Beide Pakete für mich sind angekommen! Der Futternachschub, den ich mir selbst von zu Hause aus geschickt habe, und die Gaskartusche, die ich mir vom spanischen amazon bestellt habe.
Jetzt kann ich den Rest des Tages sehr entspannt genießen und muss mich um nichts mehr kümmern.

Wir drehen eine Runde durch das hübsche Dorf. Ich gönne mir Saft und kaufe noch etwas Sonnencreme.
Als bester Laden stellt sich nicht der Lidl am Plaza Major heraus, sondern die spanische Alimentation oben an der Kehre der Hauptstraße - falls hier mal jemand einkaufen möchte.

Weinverkauf im Supermarkt: Man bringt seinen Kanister mit (oder kauft sich hier einen) und füllt ihn aus dem Hahn in der Wand.


Feuerlöscher für Hochprozentiges


In der Touri-Info erfahre ich, dass der Pfad zum Lac de Cau, den ich morgen evtl. gehen möchte, unmarkiert und in üblem Zusand ist: Seit dem Winter ist hier noch nicht aufgeräumt worden, es liegen noch viele sturmgefällte Bäume kreuz und quer herum. Evtl. ist der Weg streckenweise auch unter einem Erdrutsch verschüttet.

Im Hostal können wir anschließend unser Zimmer beziehen und duschen erst einmal.
Dann sortiere ich meinen gesamten Rucksackinhalt und gebe Andreas alles mit, was ich jetzt nicht mehr brauchen werde: Ur-Pyrenäen, Karabiner, Bandschlingen, leere Futtertüten (die hebe ich auf und verwende sie auf der nächsten Tour wieder), Kartenblätter und den Rother1.

Andreas hatte sich zum Abendessen auf Paella gefreut, doch die ist leider gerade aus. Statt dessen entscheiden wir uns für einen Salat mit Anchovis und Thunfisch als Vorspeise und als Hauptgang Filet - das sich aber als Schweinerippchen entpuppt.
Beim Wein lernen wir, dass Rosso nicht Rot ist sondern Rosé; Rot ist Rojo.

Anschließend baue ich mal wieder die Düse meines Kochers mit Werkzeug des Hauses aus und piekse sie mit meiner Nadel frei. Das Ding verstopft alle paar Tage, keine Ahnung, wie da mal Ruß reingekommen sein kann. Ist ärgerlich, denn dann braucht das Wasser ewig, bis es kocht.

Wie immer in Dörfern und Häusern wird es später, bis wir schließlich in die Betten steigen.
Und wie immer in den Häusern kann ich nicht gut schlafen. Es ist viel zu warm, auf dem Platz ist einiges los, Türen klappern, ... Eigentlich nichts, was mich normalerweise stören würde. Müde genug bin ich auch. Keine Ahnung, woran das liegt.

Ich bin traurig und froh, hier angekommen zu sein.
Traurig, weil hier unser gemeinsamer Teil meiner Tour endet.
Froh, weil alles gut geklappt hat und meine Planung aufgegangen ist, mein Handy wieder funktioniert und meine Care-Pakete angekommen sind.
Morgen wandere ich alleine weiter.
 
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