!Auszeichnung erhalten! 2019 Sommer in den Zentral-Pyrenäen 1 - Gavarnie/Ordesa


assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
29.6. - 6.8.2019
Trekkingtour durch die Zentralpyrenäen


Teil 1: 29.6.-13.7.2019
Salent de Gallego -> Bielsa

Parc National des Pyrenees Occidentales, Parque Nacional Ordesa y Monte Perdido
Karte IGN rando editions 12, 1:50 000 von 2018


Teil 2: Bielsa -> Salardu
(Parque Natural Posets Maladeta)
Karte IGN rando editions 13, 1:50 000 von 2019

Teil 3: Salardu -> Salardu
(Parque Nacional des Aigüestortes y Estany de Sant Maurici)
Karte IGN rando editions 06 1:50 000 von 2017



Sonntag, 22.7.2018 (13. Tag)
Lac d´Arrious -> Campo Plano jenseits der Ref. Respomuso
~ 11,5 km /950 \1050
8,5 Std. unterwegs mit reichlich Stillstand

....
Auf der anderen Seite ist es nicht weit bis zur Refuge Arremoulit.
Nun kommen die beiden Pässe, deretwegen diese Etappe die erste im Guide von Ton Joosten ist, die mit einem E für Extrem anstrengend/schwierig bewertet ist.

An der Hütte frage ich nach den Verhältnissen.
Sehr viel Schnee, sehr steil, ob ich Steigeisen und Pickel habe.
Naja, ich habe Microspikes und Trekkingstöcke ...
Ich solle seeehr vorsichtig sein.
Einige Leute wären wieder umgedreht und zurück gekommen.

Schon kurz nach Verlassen des Sees und der Hütte sehe ich jedoch vor mir nur noch Schnee. Ein riesiges Schneefeld zieht sich hoch bis zum Pass. Das ist so nicht vorgesehen.
...
Mich wundert, dass vor mir hier niemand Spuren hinterlassen hat. Meine ist die Einzige.
So gelange ich am Ende ohne ernsthafte Schwierigkeiten zum Pass. Als ich zurück blicke, denke ich mir, ein Abstieg in dem hier oben doch recht steilen Gelände in dem weichen, rutschigen Schnee wäre weniger lustig.
...
Bis hier herauf sollte laut Guide eigentlich noch gar kein Schnee liegen und es sollte nicht allzu steil sein. Die Crux käme erst hinter dem nächsten Pass, wo es sehr steil hinunter ginge und wo oft noch Schneefelder lägen.
...
Vollbremsung.
...
Schließlich entscheide ich mich schweren Herzens dafür, von hier ein paar hundert Meter durch grobes Blockgelände irgendwie abzusteigen, um dann an die Arriel- Seen zu gelangen, an deren fernem Ufer ich auf eine Variante der HRP treffe und schließlich auf den GR11.
...
Ich erreiche schließlich die Respomuso-Hütte. Ich erfahre, dass die Verhältnisse am Col de la Fache sehr winterlich seien und ohne Hochtouren-Ausrüstung dort nichts zu machen sei.
Ich bin mächtig frustriert.

Dies ist ein Auszug aus meinem Bericht über die HRP, die ich 2018 gelaufen bin. An dieser Stelle traf ich das erste Mal auf zu viel Schnee und musste meine Route ändern. Ich war sehr enttäuscht.
An den Arriel-Seen zwischen dem Pass und der Respomuso machte ich Pause. Und dachte mir damals, dass das hier wunderschön zum Zelten sein müsse. Auf dem Balkonweg weiter zur Hütte dachte ich darüber nach, dass genau hier überhaupt eine tolle Möglichkeit bestehen müsse, im nächsten Jahr (oder so) den verpassten Teil nachzuholen.

Im weiteren Verlauf der HRP wuchs in mir immer mehr der Wunsch, nicht nur auf geradem Wege durch die Pyrenäen zu laufen, sondern sie mit viel mehr Zeit intensiver zu erkunden.


Aus dem Wunsch wurde ein Plan. Aus dem Plan wurde mein 2. Pyrenäensommer.

Ich lade euch ein, mich zu begleiten.
 

assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
29./30.6.2019
Anreise
Sallent de Gallego, 1300m -> Arriel-Seen, 2180m

9 km, +920 -40, 5h unterwegs



Ein knappes Jahr später baue ich abends tatsächlich mein Zelt an den Arriel-Seen zwischen der Ref. Arremoulit und der Ref. Respomuso auf.

Ein ganz neues Zelt!
Auf der HRP im Jahr zuvor lernte ich Jan kennen, mit seinem ZPacks-Zelt. Ich war begeistert.
Ein Freund konnte mir dieses Zelt kurz vor der diesjährigen Tour organisieren.
Ich brauchte nämlich ein leichtes 2-P-Zelt.
Denn ich bin nun nicht alleine hier an den Seen, mein Freund Andreas begleitet mich im ersten Abschnitt bis Bielsa.
Das Zelt habe ich bisher nur einmal im Garten aufgebaut, es kam wirklich noch knapp vorher, und so bin ich sehr gespannt, wie es sich so darin wohnt und wettert.

Unsere Anreise verlief problemlos.
Schon am Abend vorher kam Andreas zu mir. Um 5:45 mussten wir aufstehen und uns zum Flughafen aufmachen.
Pünktlich abgeflogen, pünktlich in Barcelona angekommen. Pünktlich mit dem Bus zum Bahnhof Plaza Espanya gefahren, von dort zum Bf. Sants gelaufen. Neu für uns war, dass wir zum Zug durch so eine Art Security wie im Flughafen mussten. Auf einem Schild werden spitze und brennbare Gegenstände verboten - Messer, Eispickel, Kocher, Feuerzeug ... hat bei der Durchleuchtung jedoch niemanden gestört ...
Pünktlich kamen wir in Zaragoza an. In unserem vorgebuchten Hostal wartete das vorbestellte Paket auf mich: Die Gaskartusche. Ich konnte vorab keine sichere Quelle für Gaskartuschen im Stadtzentrum finden und habe daher wieder einmal auf Lieferung zurückgegriffen.
In Zaragoza brauchten wir eine kurze Pause, es waren 43°C, bevor wir uns zu einer Besichtigungsrunde aufmachen konnten.
Um 20:30 werden die Tore der Kirchen, Museen und anderer Gebäude geschlossen. Daher haben wir uns nur die Fassaden angesehen. Ich bin kein Fan von Städten, aber die Altstadt von Zaragoza gefiel mir gut.




Abends konnten wir hier und da noch ein Bier trinken.




Trotz der Hitze habe ich nach diesem langen Reisetag doch einigermaßen gut geschlafen.

Am folgenden Morgen hat uns der Wecker um 7 aus dem Bett geschmissen, nach einer letzten Dusche für die nächste Zeit haben wir uns wieder auf den Weg zur Bushaltestelle für den letzten Teil der Anreise gemacht. Es war noch etwas spannend, denn meine Infos und Navi-App-Position der Bushaltestelle war eine andere als die, die uns der Hostelier nannte.
Meine war jedoch richtig, wie uns dort der Aushang bestätigte. Und wir waren früh genug, um um die Ecke noch schnell im gerade öffnenden Cafe ein Toast mit Butter und Marmelade und einen Milchcafe zu bekommen.
Auch dieser Bus fuhr pünktlich ab, ließ uns in Sabinanigo raus und pünktlich holte uns auch der letzte Bus ab, der uns endlich zum Startpunkt der Wanderung nach Sallent de Gallego brachte.




Es ist heiß!
Wir finden einen Schattenplatz, wo wir einen Cafe und ein Blätterteigdings mit Tomate und Thunfisch bekommen.
Als schließlich keine Möglichkeit mehr besteht, mit unseren Stühlen weiter dem Schatten zu folgen, schultern wir unsere Rucksäcke und brechen gegen 13:00 auf.
Am Ortsausgang gibt es die letzte Aufforderung, noch einmal den Rucksackinhalt zu reduzieren.




Bis zur Plano Cheto folgen wir dem GR11 ganz gemütlich ohne große Herausforderungen. Es geht über Schotterwege und Pfade, vorbei an Bauernland und durch Wälder.







Durch die noch ungewohnte Hitze machen wir viele längere Pausen und trinken diesen und jenen Bach halb leer.







An der Plano Cheta verlassen wir den GR11 und steigen steil auf einem Pfad zum Arriel Bajo, dem ersten der Arriel-Seen, hinauf.
Hitze, Rucksack und Steigung lassen uns immer wieder Pausen einlegen, in denen wir die Aussicht besonders genießen können.
Wald wird zu Fels und dann zu steilem Geröll, in dem wir zwischenzeitlich auch noch unsere Route verlieren bzw. einer falschen Fährte folgen.










Gegen 18:00 erreichen wir genau die Stelle, an der ich im Jahr zuvor gedacht habe, hier müsse man schön zelten können.
Wir schlagen zum ersten Mal mein neues Zelt in den Pyrenäen auf, zwischen Bach, See, Alpenrosen und Berggipfeln!




Ich bin total glücklich wieder hier zu sein! Die Aussicht ist phantastisch, das Wetter auch!
Ich laufe noch ein Stückchen die Seenkette hinauf, um einen Blick auf meine geröllige Abstiegsroute im letzten Jahr zu werfen. Hier war es, wo ich das erste Mal nicht so konnte, wie ich wollte, und die HRP verlassen musste, um mir meine eigene HRP zusammenzubasteln (die trotz noch einiger Umwege doch sehr schön und auch abenteuerlich wurde).




Wir kochen Waldpilzsuppe mit Pü, Tee zum Nachtisch und fallen bald erledigt in die Schlafsäcke.
 
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4peterse

Sehr aktives Mitglied
Sehr schöne Bilder. Ich war im letzten Jahr auch im Parque Natural Posets Maladeta und bin gespannt auf deine Bilder.
 
2 Kommentare
assiliisoq
assiliisoq kommentierte
Ich auf deine auch! Oder habe ich die schon irgendwo verpasst??
 
4
4peterse kommentierte
Ich habe noch nicht gewagt, meine Bilder hier zu veröffentlichen. Aber das kann ich gerne nachholen.
 

assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
1.7.2019
Ibon de Arriel Bajo -> Ref. Respomuso -> Col de la Fache -> Ref. Wallon

13km, +770 -1090, 9h unterwegs



Es war eine herrliche Sternennacht!
Mit dem Zelt bin ich sehr zufrieden - es ist so wunderbar durchsichtig, dass man die helleren Sterne durch die Zeltdecke sehen kann! (Zum Übernachten auf einem Campingplatz vielleicht suboptimal ... ;)
Es lässt sich schnell aufstellen, bietet gut Raum für 2 Personen, jeder hat seine eigene Apsis, Andreas hat seinen Rucksack darin, mein Rucksack liegt entleert ebenfalls im Vorraum, außerdem kann ich dort noch gut kochen. Dabei kann ich aber nicht gleichzeitig noch durch meine Türe aussteigen. Muss ich ja auch nicht.

Bis 8 sind wir faul und drehen uns immer wieder um, schauen durch die offen gelassenen Türen in die Bergwelt und sehen der Sonne beim Aufgehen zu.
Noch im Schatten frühstücken wir schließlich, um 9:15 starten wir in unsere erste volle Etappe.
Auf die bin ich sehr gespannt, denn es geht über den Col de la Fache, der im letzten Jahr ohne Hochtourenausrüstung nicht machbar gewesen sein soll. Diesmal sind wir mit Leichtsteigeisen und Pickeln ausgerüstet!

Andreas hat ziemliche Kopfschmerzen, weshalb wir ganz langsam und gemütlich loszockeln.
Wir treffen einen interessanten Doppelender, sowas habe ich noch nicht gesehen.




Am Wegesrand blühen sehr viele Alpenrosen (hier eher Pyrenäenrosen). Der Blick vom Balkonweg ins bewaldete Tal hinunter und in die Gipfelkulisse dahinter ist herrlich. Wir laufen fast auf einer Ebene bis zur Refugio Respomuso, vorbei an dem großen Stausee Embalse de Respomuso.




Um 11 treffen wir dort ein. Andreas legt sich noch eine Weile in den Schatten, während ich mit einem Niederländer und einem Franzosen versuche, den aushängenden spanischen Wetterbericht zu interpretieren. Keine dramatischen Veränderungen in Sicht. Zum Col de la Fache hinauf soll noch recht viel Schnee liegen ...

Bis zum Campo Plano, der großen Ebene, wo sich die Wege nach Frankreich (meine letztjährige Fluchtroute), Col de la Fache und Infierno trennen, kenne ich mich schon aus. Hier hatte ich letztes Jahr gezeltet.
Fast verpassen wir das verwitterte Holzschildchen, das den Weg zum Col de la Fache weist.

Jetzt geht es bergauf.
Zuerst noch über Geröll, schon bald jedoch treffen wir auf die ersten Schneefelder.


(Rückblick. Im Hintergrund noch der Respomuso-Stausee.)


Wir legen ein paar Pausen ein, müssen uns als Flachländer erst an die Aufstiege gewöhnen, genießen die Aussicht, die kühle Luft, den Schnee, die Berge.
Ich muss aus jedem Bach probieren. Ich liebe dieses klare Bergwasser, das in jedem Bach anders schmeckt!

Ein paar Bäche müssen wir furten, was aber trotz hohen Wasserstandes mit ein wenig Suchen immer trockenen Fußes über dicke Steine möglich ist.

Der Schnee ist schon recht angetaut, lässt sich leicht gehen, auch wo es etwas steiler wird. Ich bin mit meinen neuen Trailrunnern sehr zufrieden. Ohne Membran bekomme ich natürlich schneller feuchte Füße, sie trocknen aber auch sehr schnell wieder. Im Schnee läuft es sich gut damit.
Vor einer steileren Stelle legen wir zur Übung mal die Grödeln an und tauschen Stöcke gegen Eispickel. Nötig wäre das hier nicht gewesen, aber da wir das Gerödel schon mitschleppen, kann es auch mal aus dem Sack.

So gelangen wir an die Ibones de la Fache.










Dahinter wird es nun doch ordentlich steil bis zum Pass hinauf. Wir haben Glück, dass hier bald der Schnee aufhört und wir den Rest des Anstieges in viel weichem Schotterzeug hinter uns bringen können.




Am Pass treffen wir einen Deutschen, der sein Mountainbike von der Ref. Wallon herauf schleppt.
Er redet ununterbrochen, erzählt, was für ein toller Hecht er sei, dass er das mit dem Bike hier herauf geschafft hat, beschwert sich, dass die Wege ganz schlecht zu fahren seien und er immer tragen müsse ...
Meine Bemerkung, dass das Mountainbiken hier im Nationalpark sowieso verboten sei, überhört er. Ebenso den Hinweis, dass man sich vorab heutzutage recht gut über den Zustand der Wege/die Schneelage informieren könne.
Statt dessen packt er ein ganzes Arsenal an Phones, Tablet, Stativ, ... aus und fotografiert sich selbst. Er bittet uns, von ihm Fotos und Videos mit Tablets und Handies aufzunehmen, in denen er den Helden spielt und mit seinem Bike posiert und Sprüche klopft, wie furchtbar anstrengend das alles sei, wie schlecht die Wege seien und wie großartig er das trotzdem alles meistert ...
Das kommt dann alles in seinen Blog über seine Pyrenäendurchquerung von Nord nach Süd. Sensationell!
Als er dann erfährt, dass es runter zur Respomuso noch viel und lange Schnee geben wird, wurde er wieder stiller. Er dachte, es hier bergab richtig rauschen zu lassen ... Er wird wohl drüben sein Radl den Berg wieder hinunter getragen haben.
Leute gibt´s ...

Wir machen uns nach dieser unterhaltsamen Pause ebenfalls an den Abstieg nach Frankreich. Zum Wandern ohne Rad ist es sehr angenehm. Weite Serpentinen, oben ab und zu noch lange Schneefelder als entspannte Alternative zu den Geröllfeldern.
Erste Murmeltiere in Foto-Reichweite.







Wir können bald ins Tal hinuntersehen, in dem die Refuge Wallon steht. Von hier überblicken wir auch den Aufstieg für morgen zur Port du Marcadau und zurück nach Spanien.




.................








Wir steigen jedoch nicht ganz bis zur Refuge ab, sondern suchen uns oberhalb im Tal einen schönen Zeltplatz.




Um 18:00 steht das Zelt, wir richten uns ein, kochen Tee und Abendessen, genießen den Abend, auch wenn die Sonne zügig erst hinter Wolken und dann hinter den Graten verschwindet.
 
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assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
2.7.2019
Ref. Wallon -> Port du Marcadau -> Collado del Letrero -> Ibon Alto de Cresta de los Batanes

13km, +1170 -730, 9h unterwegs



Mit Sonne auf der Nase wachen wir auf. Nach ausgiebigem Trödeln und Frühstücken schultern wir gegen 9:30 unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg zur Port du Marcadau.

Unser Morgenmurmel begrüßt uns.




Der Aufstieg verläuft auf gut angelegtem Weg durch einige Bäche und wenige Schneefelder.
Um 11:15 stehen wir auf dem Pass. Im Süden sieht man den Embalse de Bachimana.




Es ist ziemlich frisch und ziemlich windig hier oben. Eine erste Pause legen wir daher an einem kleinen See etwas unterhalb ein, der mit sehr hartem, pieksigem Gras gesäumt ist.
Hier schauen wir auf die Karte und diskutieren die möglichen Wege von hier aus. Ich hatte bei der Planung mindestens 3 Möglichkeiten herausgesucht. Wir entscheiden uns gegen die Refugio de Bachimana und für die Variante über den Collado de Letrero. Darüber konnte ich nicht viel herausfinden, was die Sache spannender macht, sicher auch wilder und einsamer. Das gefällt uns. Auf der Strecke scheint es wenige Möglichkeiten zum Zelten zu geben. Das Wetter ist zwar bedeckt, sieht aber sonst nicht gefährlich aus. Hinter dem Pass habe ich einen See auf der Karte gesehen, wo ich auf Zeltmöglichkeit hoffe.
Also weiter!




Solch interessant gefaltetes, eisenhaltiges Gestein begleitet uns eine Weile.
Dann können wir den Circo de Bramatuero einsehen, durch den wir laufen wollen.


Rechts Embalse de Bachimana, links Embalse de Bramatuero Bajo


Wir laufen auf einem hübschen Pfad durch schöne Blumenwiesen bis zum Stausee von Bramatuero. Oben am See machen wir noch eine Futterpause, dann suchen wir uns den Weg nach Osten. Hier und dort steht ein Steinmännchen, manchmal muss man ein bisschen suchen, findet dann aber immer ein Zeichen. Zwischen runden Granitbuckeln steigen wir ein Stück hinauf und staunen, als wir zwischen diesen runden Felsen so etwas wie einen schnurgeraden Korridor finden.
Dann wieder ist das Vorwärtskommen hoch über dem See weglos und anstrengend.




Am Ende des Sees steigen wir auf Wasserniveau hinunter. In einem hübschen, aber sumpfigen Wiesental mit Bach treffen wir eine kleine Gruppe einheimischer Wanderer, die einzigen Leute, denen wir heute begegnen. Sie kommen vom Letrero und meinen, das sei noch ein hartes Stück Arbeit bis dort. Es gäbe aber eine Hütte am oberen See, in der wir übernachten könnten.




Da das Wetter mittlerweile nicht mehr so ganz zuverlässig aussieht, wollen wir auf jeden Fall bis zu der Hütte hinaufsteigen, die gar nicht in meinen Karten verzeichnet ist. Steil und in engen Kehren windet sich der Pfad den Hang hinauf.




Schließlich erreichen wir die Staumauer des Ibon Alto, wo links tatsächlich eine ganz neue Schutzhütte steht, fertiggestellt 2018.




Das ist offen, aber völlig leer. Ein Raum aus Betonwänden und Boden befindet sich unten, eine Leiter führt zu einem Spitzboden hinauf, der ebenso leer ist. Es gibt Strom und Empfang, aber keine Toilette.
Das Wetter sieht noch ok aus, Zeit und Kondition ebenfalls, also weiter.

Meine OSM weist den Weg am Ostufer des Sees entlang, die IGN hat ihn am Westufer eingezeichnet. Die Steinmännchen zeigen ebenfalls ans Westufer, und so folgen wir ihnen über die Staumauer und nach Süden. Es geht immer wieder auf und ab. Am Ende des Sees gelangen wir wieder auf Wasserniveau und laufen ein Stück über feine, graue Sedimente und Schneefelder.
Das ewige Auf und Ab im Zickzack ist anstrengend und ich habe das Gefühl, überhaupt nicht vorwärts zu kommen.


Ibon Alto





Dann endlich der letzte Aufschwung zum Pass, noch einen steilen Grashang, noch einen Geröllhang, dann der breite, fast ebene, noch verschneite Sattel.
Genau hier fallen ein paar dicke Regentropfen aus einer dunklen Wolke und wir machen uns ohne großen Aufenthalt an den Abstieg.
Glücklicherweise hört es wieder auf zu regnen. Der frische Wind bleibt.
Anfangs können wir noch über einige lange Schneefelder recht einfach an Höhe verlieren. Dann erreichen wir eine ziemlich steile Rinne mit viel losem Geröll und Erde darin. Jeder sucht sich hier seine eigene Abstiegsroute und muss vorsichtig sein, nicht mit dem gesamten Material durch die Rinne abzurutschen. Hier und da braucht man mal die Hände.
Anschließend steigen wir weiter einen steilen Geröllhang hinunter, durch den aber ein schmaler, oft rutschiger Pfad von Steinmännchen angezeigt wird.
Wir können auf den Ibon de la Cresta de los Batanes hinunterschauen, an dem ich hoffe das Zelt aufstellen zu können.




Gegenüber bestaunen wir die bunten, verbogenen Gesteine der Westflanke des Vignemale.
Am Seeufer müssen wir noch durch große Blöcke steigen, bis wir das flachere, grasige Uferstückchen erreichen.
Wir suchen ein wenig und einigen uns auf einen Platz, der frei von Geröll und dabei möglichst eben und trocken ist.
Kaum steckt der letzte Hering im Boden, beginnt es zu regnen, richtig dicke Tropfen.
Mit einem Schwung werfen wir die Rucksäcke ins Zelt und hechten hinterher, Tür zu!
Kurz danach beginnt es wild zu hageln!


(Das ist ein Video. Wenn man auf das Bild klickt, spielt es ab. Das kann man sicher eleganter lösen. Aber wie?)


Na, das war gerade rechtzeitig!
Erster kleiner Materialtest für das Duplex. Kein Problem.
Unter dem Fußende des Zeltes sammelt sich in einer Mulde ein wenig Wasser, sollte uns aber nicht weiter stören.

Nach dem obligatorischen Ankommens-Tee scheint die Sonne wieder und wir genießen das Leuchten des Vignemale.
Letztes Jahr habe ich genau auf der anderen Seite gezeltet und die Gletscher bewundert.





Viel Platz zum Zelten gibt es hier nicht.

Zum Abendessen gibt es Pü mit Pfeffersoße. Ein Murmeltier pfeift in der Nachbarschaft. Ich schreibe mein Tagebuch.
Was für ein herrlicher Tag!
21:40 - der Letzte macht das Licht aus.
 
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Klaus Harms

Administrator
Teammitglied
Neben und abseits von mittlerweile nervigen 100.000 gefühlten Coronapostings ist dieser Thread einmal ein Lichtblick am Horizont des Grauens!

Danke für Deine immer fantastischen Beiträge!
 
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Bettina

Administrator
Teammitglied
Hallo Sylvia,
ich freue mich sehr, dass Du uns erneut mit auf Reisen nimmst, so haben wir trotz Stubenhockerei ein wenig Gelegenheit, die Welt zu entdecken. Ich bin gespannt auf weitere Bilder und Geschichten und nehme dieses Thema schonmal in unsere Highlights auf :thumbsup:
 
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assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
3.7.2019
Ibon de la Cresta de los Batanes -> San Nicolas de Bujaruelo

13 km, + 270 -1310, 5h unterwegs



Gerade lagen wir gestern Abend im Schlafsack, da fiel der Berg über uns auseinander.
Immer wieder polterten Steine den Hang hinunter.
Ob das vom Regen kam? Oder noch Nachwirkungen der Frostsprengung des letzten Winters?
Andreas hat vorsichtshalber seinen gefüllten Rucksack über unser Kopfende gelegt, damit wir nicht direkt von so einem Stein getroffen werden können. Ich war skeptisch ob der Wirksamkeit (außer dem psychologischen Effekt), hatte aber auch nicht das Gefühl, sie würden zu uns herrollen. Um das Zelt lagen keine neuen, losen Steine herum, sie würde schon in irgendeiner Rinne vor uns umgeleitet.
Jedenfalls schliefen wie unbehelligt.

Morgens scheint dann wieder die Sonne von einem strahlend blauen Himmel!




Andreas ist schon früh auf, ich bin ziemlich faul.
Wir haben es heute wieder nicht weit, die Tour ist ziemlich entspannt geplant.
Unser Ziel ist der Abstieg durchs Ara-Tal bis Bujaruelo, dann noch ~2h den Berg drüben wieder rauf Richtung Breche de Roland, da an einem See zelten.

Wir bewundern also eine Weile das Panorama, die Blümchen und die Murmeltiere.
Erst um kurz vor 10 machen wir uns auf den Weg.
Erst erwartet uns ein recht steiler Abstieg, damit die Knie warm werden. Unterwegs ein weiterer See.
Als wir das Ara-Tal erreichen, verlieren wir den Pfad. Er verläuft sich irgendwo in der hohen Wiese zwischen den vielen Blumen.
Die Richtung ist aber klar, dem Bach abwärts folgen.










Irgendwo entdecken wir auf der anderen Seite den Pfad und furten den Bach.
Huuuuh, frisch!




Weiter laufen wir herrlich entspannt über wunderschöne Blumenwiesen.
Am Pluviometre treffen wir auf den GR11, der von der Ref. Bachimana herüberkommt.
Mit ihm geht es hin und wieder durch etwas Blockgelände, hauptsächlich aber weiterhin Wiese.




An einem Wasserfall machen wir eine längere Pause.
Wir versuchen ihn mit seiner doch recht imposanten Fallhöhe in das helltürkise Becken zu fotografieren, aber die Bilder wollen nicht so recht zeigen, was wir sehen.




Während wir hier herumspielen, braut sich hinter uns in den Bergen ein Gewitter zusammen.
Schwarze Wolken senken sich über die Gipfel und in die Täler hinunter.
Sie jagen von einer Seite zur anderen. Es ist stürmisch dort oben.
Wir nehmen die Beine in die Hand und sehen, dass wir zu Tal kommen.
Kurz bevor uns die Wand erreicht, packen wir uns und unsere Sachen wasserdicht ein und essen noch schnell einen Riegel.
Durch Regen und Nebel laufen wir weiter. Bald erreichen wir den Wald und die Schotterstraße.
Fast hätten wir die Abzweigung zu einem Wanderweg verpasst.
Durch Buchsbaum-Wald folgen wir dem Rio Ara bis San Nicolas de Bujaruelo.
Ich wage kaum auf ein Cafe zu hoffen. Beim Planen hatte ich nur herausfinden können, dass es hier ein Refugio gibt.

Genaugenommen gibt es hier NUR ein Refugio. Mit Restauration! Perfekt!
Wir trinken etwas, an die Hauswand gedrückt gegen den Regen.
Um 16:00 öffnet die Rezeption. Spontan fragen wir nach 2 Betten. Irgendwie ist es hübsch hier und die Lust, bei Gewitter noch die 600Hm drüben wieder hochzusteigen, ist mäßig.
Wir haben Glück und bekommen sogar ein 2er-Zimmer mit Dusche! Das verspricht eine entspannte Nacht zu werden.

Wir bestellen 2 riesige Hamburger, dazu Cerveza sin alcool.
Der Regen lässt nach, der Wind ist noch etwas doll.
Das macht es schwierig mit der Mayo das Bier zu treffen.




Als wir nach dem Essen aufstehen, staunen wir nicht schlecht: Der Himmel ist wieder knallblau!




Da hätten wir gut auch noch weiterlaufen können.
Egal.
Wir nutzen die Gelegenheit und waschen unsere Garderobe, die wir in Sonne und Wind zum Trocknen aufhängen.
Stadtbesichtigung: Refugio, Zeltplatz gegenüber, Kirchenruine, mittelalterliche Brücke.
Der Hauptspaß der Tagestouristen (Parkplatz vorm Haus) ist es, sich vom Rio Ara unter der Brücke durchtreiben zu lassen. Brrrr, ich bin bekennender Warmduscher.

Wir gönnen uns noch einen cafe con leche caliente (mit heißer Milch), erkaufen uns für 1€ den Zugang ins Internet und schauen uns den Wetterbericht für die kommenden Tage an: Die nächsten zwei Wochen super! 1-2 Tage nächste Woche mal Gewitterneigung.

Wir erfahren, dass die Refuge Breche de Roland immer noch wegen Renovierung geschlossen ist, dass man aber in der Umgebung zelten kann. Auf dem Schnee oder daneben. (Daneben? Da stelle ich mir nur Geröll vor ...) Ich überlege, wie wir die Eispickel am besten als Heringe einsetzen können. Freistehend ist das Zelt nicht.

Um 20:30 gibt es Abendessen für alle. Süßkartoffelsuppe, Gulasch mit Salat, Vanillepudding. Dazu Wasser und Wein für alle 8 Leute am Tisch, außer uns nur Spanier.
Es wird fast 23:00, bis wir in den Betten liegen.
 
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assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
4.Juli 2019
San Nicolas de Bujaruelo -> Port de Boucharo -> Breche de Roland -> Plano de San Fertus

11km, +1570 -510, 9h unterwegs



Mein Tagebucheintrag am Ende des Tages: WAS FÜR EIN GENIALER TAG!
Es war wirklich in doppeltem Sinne ein Highlight der Tour!

Um 7 stehen wir auf. Seltsamerweise haben wir beide nicht gut geschlafen, trotz unseres ruhigen 2-er Zimmers. Der Kopf war die ganze Nacht wach. Waren es die 2 Cafe am Nachmittag/Abend? Die stören mich sonst nicht. Oder haben wir zu viel gegessen? Mir geht es auf solchen Touren aber fast immer so, dass ich im Zelt bestens schlafe, wenn ich eine Nacht in einer Hütte verbringe, schlafe ich schlecht. Auch ohne dass andere Leute schnarchen oder anders nerven.

Zum Frühstück gibt es Toast, Butter, Käse, Saft, Kaffee, ..., für spanische Verhältnisse schon recht reichhaltig.
Um 8:20 machen wir uns auf den Weg.
Wir überqueren die alte Steinbrücke und sofort führt der Pfad in steilen, engen Serpentinen durch Wald den Hang hinauf.
Hier sind einige Leute unterwegs, manche überholen wir, andere überholen uns.
Das Wetter ist perfekt!
Die Hänge leuchten gelb von blühendem Ginster.




Der Morgen ist noch herrlich kühl, das Leben ist schön!
Als wir oben aus dem Wald auftauchen, zieht sich der Pfad lange mit wenig Steigung an einem schottrigen Hang entlang bis zur "Electricitas"-Hütte, wo wir den Bach Barranco Lapazosa erreichen. Hier hatte ich eigentlich geplant in der letzten Nacht zu zelten. Das wäre tatsächlich großartig gewesen! Was für ein wundervoller Platz!




Wir machen lange Pause, plantschen an dem wunderbaren Bächlein herum, fotografieren jedes Blümchen, liegen in der nun schon recht kräftigen Sonne auf der Wiese und können uns kaum von diesem paradiesischen Fleckchen trennen.

Links oben sieht man schon den Pass Port de Boucharo auf 2273m.




Unsere Etappe hat aber doch gerade erst begonnen, und wir haben noch einiges vor.
Wir müssen weiter.
Der Pfad verläuft schön durch das Hochtal am Bach entlang, zieht dann den Hang hinauf und klettert schließlich in steileren Serpentinen zwischen Blöcken und Schotter und Schneefeld zum Pass hinauf. Nach insgesamt 3 Std. stehen wir hier oben.


Zum Pass hinauf



Port de Boucharo



Vignemale (links) vom Port de Boucharo


Vom Pass aus sieht man links den hohen Parkplatz am Col de Tentes, fast auf gleicher Höhe mit unserem Pass. Daher ist diese Gegend nicht die einsamste. Wir treffen heute aber recht wenig Leute. Es ist Donnerstag, und die Ref. Breche de Roland ist wegen Renovierung geschlossen. Die ist sonst bestimmt das Ziel vieler Tageswanderer.
Wir halten uns an der Port de Boucharo nicht lange auf und sind neugierig auf den Cirque de Gavarnie und die Breche.
Jetzt in Frankreich genießen wir einen hoch verlaufenden, fast ebenen Wanderweg mit großartigen Ausblicken!
Wir lassen uns Zeit zum Gucken und Fotografieren.







Schließlich gelangen wir an den großen Sarradets-Wasserfall. Der Aufstieg geht teilweise durch diesen Wasserfall, teilweise an ihm entlang.




Wieder legen wir eine längere Pause ein, essen und trinken etwas, fotografieren und beobachten, wie 2-3 andere Grüppchen oder Paare die kritische Stelle über eine breitere Bachstelle passieren. Entweder muss man ziemlich weit springen, auf halb überspülten Steinen hinüber oder über eine recht dünn aussehende Schneebrücke gehen. Ich bekomme auf den Steinen einen nassen Schuh, Andreas kommt auf der Schneebrücke unbeschadet hinüber.

Neben dem Wasserfall geht es nun ohne richtigen Pfad durch Geröll recht steil hinauf, bis wir ein riesiges Schneefeld erreichen, das sich bis zur Breche ziehen wird.




Auch mit meinen Trailrunnern laufe ich auf dem Schnee gut. Nach einem lang geschwungenen Aufstieg erreichen wir einen Grat, von dem erstmals die Breche de Roland in Sicht kommt.
Wie gebannt bleiben wir stehen und staunen!




Ohhh! Aaaaah! Woooow!

Die Kerbe in der Felswand ziemlich in der Bildmitte ist die Breche de Roland, die Roland mit seinem Schwert Durendal geschlagen hat, weil er das Schwert nach einer Niederlage gegen Karl den Großen zerstören wollte.
Links davon ist der Cirque de Gavarnie. Rechts hinten ist der Taillon, 3144m. Auf den wollte ich gerne noch rauf. Wenn man genau hinsieht ist auf halber Strecke zwischen Breche und Taillon auf dem Grat ein kleiner Nupsi, das ist El Dedo, der Finger.
Hier befinden wir uns im französischen Parc National des Pyrenees, jenseits der Breche befindet sich der spanische Parc Nacional Ordesa y Monte Perdido. Auf spanisch heißt sie Brecha de Rolando, lokal aragonesisch Breca de Roldan.
Schräg links unterhalb der Scharte kann man vielleicht ganz klein die Ref. Breche de Roland erkennen.

Zu der laufen wir nach ausgiebigem Staunen nun hinüber.




Es sind zwar ein paar Leute unterwegs, aber wohl nicht vergleichbar mit dem Massenandrang, den man hier sonst an einem Sommertag haben kann, wenn die Hütte geöffnet ist.
Mit einem Zelten um die Hütte herum ist es aber wie erwartet nicht so einfach, im Sommer scheint es alles Geröll zu sein, jetzt sind wieder bis spät ins Jahr hinein große Schneefelder hier, die überwiegend recht steil sind. Wenn man unbedingt wollte, würde es aber vermutlich schon gehen.

An der Hütte halten wir uns nicht lange auf, wir wollen rauf zu der Scharte.
Über steile Schneefelder müssen wir noch ohne Grödeln im Zickzack hinauf, bis wir auf einem weiteren Aussichtsplateau ankommen.

Boah! Wooow! Ooooh! Ahhhhh!


Breche de Roland



Cirque de Gavarnie, der Wasserfall hat eine Fallhöhe von über 400m und ist einer der höchsten Europas.





40m ist die Kerbe breit und 100m tief!

Auf dem Schneepfad sind 2 Menschlein zu erkennen.







Nachdem wir umgerechnet mehrere Filmrollen vollgeknipst haben, legen wir hier die Grödeln an, um den letzten Anstieg zu meistern. Der Hang ist gefühlt viel steiler als er auf dem Bild aussieht, außerdem ist er recht fest und teilweise leicht vereist. Da sind mir die Spikes gerade unter den Trailrunnern doch ganz lieb.




Noch ein wenig über Geröll und Felsen.




Dann stehen wir in der Breche!




Wir wissen gar nicht, wohin wir gucken sollen. In alle Richtungen ist es unglaublich faszinierend und großartig!
Wir gucken und fotografieren wie die Wilden, laufen hin und her, rufen uns zu "Komm mal hierher!" und "Von hier ist es Wahnsinn!", wir klettern in den Felsen herum und bekommen doch das alles nicht so in all der Gewaltigkeit aufs Bild, wie es in Echt um uns herum wirkt.
Und dazu haben wir, nachdem ein Paar den Abstieg nach Frankreich angetreten ist, sogar die ganze phantastische Gegend für uns alleine!
 
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assiliisoq

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Irgendwann jedoch müssen auch wir uns an den Abstieg machen. Für den Taillon ist es nun zu spät. Egal. Hier musste man einfach länger bleiben! Schöner ist es da oben sicher auch nicht.

Ich hatte mir bei der Planung einige Abstiegs-Varianten angesehen.
Ziel könnte ein Hochtal sein, das nach Karte und Satellitenbildern eben und grasig sein könnte - und hoffentlich mit einem Bach, der scheinbar eher saisonal fließt. Da aber die Schneeschmelze noch in vollem Gange ist, mache ich mir hier nicht allzu viele Sorgen.
Der Abstieg über den versicherten Gamstieg "Pas de Isard" vorbei an der großen Grotte war mein Favorit. Dort ist es jedoch noch sehr verschneit und sehr steil. Das fällt eher aus.
Eine Variante zieht weit Richtung Taillon hinüber, eine geht von hier aus ziemlich senkrecht nach unten. Sie sieht begangen aus und so entscheiden wir uns für diese.
Steile, schottrige, rutschige Serpentinen führen nach unten, dort ist ein Pfad erkennbar.







Wir gelangen in ein bizarres Karstgebiet, von dessen labyrinthischem Gewirr ich vorher gelesen hatte. Der Pfad ist jedoch meist gut zu finden, hin und wieder markieren Steinmännchen den Weg.




Ein Bach verschwindet ganz plötzlich neben uns in einem Kreis aus losem Schotter.
Das verwitterte Kalkgestein ist messerscharf, oft geht es steil hinunter, es kostet mich viel Konzentration und irgendwann merke ich, wie meine Energiereserven am Ende sind. Wir machen an einem grasigen Platz noch einmal Pause mit Powerriegel. Von hier können wir unser Ziel gut überblicken. Ein großes, ebenes Wiesental. Mit Bach! Und weit ist es auch nicht mehr. Daher können wir uns jetzt ganz entspannt Zeit lassen.


Plano de San Fertus


Nun geht es noch ein paar Geländestufen hinunter, immer wieder muss man ein wenig suchen.
Dazu immer wieder stehen bleiben, zurückschauen, immer noch staunen und immer wieder Fotos machen.
Schließlich erreichen wir die Wiese. Ein absoluter Traum-Zeltplatz! Viel viel schöner, als ich mir das bei der Planung erhofft hatte!




Da oben diese Karsthänge sind wir heruntergekommen.
Um 18:15 steht das Zelt.
Der Bach ist eiskalt!
Er blubbert aus einem kreisrunden Loch im Boden, das man auf dem Panorama oben sehen kann.
Ob es der Bach ist, den wir oben haben verschwinden sehen? Wahrscheinlich.
Er fließt einmal über die ganze Wiese und verschwindet am anderen Ende wieder in einer Felsspalte.




Wir sind vollkommen glücklich und erkunden unser kleines Paradies ein wenig.




Dabei finden wir einen kleinen Pool, eine "Sackgasse", in der das Wasser steht und von der Sonne richtig schön aufgewärmt ist. Andreas nimmt ein Bad im Pool. Bis er von irgendwas feste in den Rücken gezwickt wird und aus dem Wasser springt.




Um uns herum Wollgras und Murmeltiere, dann schlendert eine Gruppe von sicher 50 Gämsen etwas entfernt über unsere Wiese! Herrlich! Später kommen noch 3 Wanderer mit 2 Zelten und richten sich am anderen Ende der Wiese ein.

Wir kochen draußen Tomatensuppe mit Couscous.
Etwas Wind kommt auf und es wird frisch.
Gegen 9 krabbeln wir in die Schlafsäcke, lassen die Türen aber offen, nur das Fliegennetz schließen wir.

Ein wirklich genialer Tag geht zu Ende!
 
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assiliisoq

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5. Juli 2019

Plano de San Fertus -> Faja de las Flores -> Plano de San Fertus

11km, +800 -800, den ganzen Tag unterwegs



Gestern hatte ich mir mein erstes "besonderes Ziel" erfüllt, die Breche de Roland. Und sie war tatsächlich sehr beeindruckend!
Ich bin mit den Erwartungen bei solchen Highlights gerne etwas vorsichtig, die Gefahr, dass sie enttäuscht werden ist groß.

Heute steht mein zweites Wunsch-Ziel auf meinem Wanderplan. Die Faja de las Flores.
Ich habe viele wilde Sachen darüber gelesen, und dass sie echte Klettereinlagen bietet, bei denen eine Klettersteigausrüstung durchaus empfohlen wird.
Auf die können wir hoffentlich verzichten, denn wir wollen nicht aus dem Ordesa-Tal heraufsteigen, sondern von oben kommen. Auf meiner Karte sieht das aus, als müsse das gehen.

Nach dem Frühstück bauen wir das Zelt ab und packen, bringen die Rucksäcke jedoch nur etwas abseits am Hang hinter einem dicken Stein unter. In der Hoffnung, dass die Murmeltiere kein Interesse an unseren Tütensuppen oder Salzrändern finden.
Wir wollen heute Abend hier wieder ankommen und noch einmal in diesem herrlichen Tal übernachten.
Zur Sicherheit markiere ich die Position der Rucksäcke im Navi.

Handy und Geld kommen in die Hosentaschen, die Kamera um den Hals und eine leere Plastikflasche binde ich mir mit einer dünnen Kordel wie mit einem Gürtel um den Bauch. So brauche ich nichts tragen und laufe ziemlich unbeschwert.

Ich bin gespannt, was uns erwartet!

Der Beginn der Tour fällt gleich sehr spannend aus!
Wir überqueren unsere Wiese am Bach entlang bis zu der Stelle, wo er sich als Wasserfall im Hades verliert.
Kurz dahinter sahen wir gestern die 3 anderen Wanderer von unten auftauchen.

Uuuups! Ein ziemlich senkrechter Kamin will hier abgeklettert werden.
Der Kalkstein ist messerscharf, ich muss sehr vorsichtig sein, mir weder Haut noch Kleidung zu zerreißen.
Sicher 15-20 m geht es hinunter!
Dann stehen wir wieder auf einer flachen Wiese. Auf dieser ist der Bach schon vertrocknet oder versickert, lediglich ein Tümpel hält noch Wasser.


Am Ende der Wiese ist die Felswand, die wir runtergeklettert sind. Oben die Breche, links davon El Dedo, rechts La Tour.


Durch ein wildes Kalklabyrinth mit tiefen Canyons, Abbrüchen, Wiesen, Spalten, Plateaus ... suchen wir uns einen Weg mit vielen Umwegen und Sackgassen. Ein Pfad ist hier meist nicht zu erkennen. Steinmännchen stehen hier und dort, eigentlich überall mal, aber scheinbar nur so in der Gegend. Wir mäandern also einfach frei Nase herum und machen dabei sicher deutlich mehr Strecke als mein Navi geradeaus anzeigt. Und einige Höhenmeter beim ständigen Auf- und Absteigen.
Sehr schön ist es hier aber schon!




Endlich finden wir einen Abstieg zu einer langen, größeren Wiese quer zur Wanderrichtung.
Hier treffen wir tatsächlich auf einen Pfad, wohl den Camino Cotatuero, der aus dem Ordesa-Tal und durch die Clavijas heraufkommt, den Klettersteig.
Wir finden einen schon etwas verwitterten Schäferunterstand.




Murmeltiere und Gämsen tummeln sich hier.




Und kurz darauf treffen wir das erste Mal seit unserem Zeltbach auf fließendes Wasser! Karst ...

Wir legen uns in die Wiese zwischen bunte Blumen, trinken ausgiebig und erholen uns ein wenig von diesem Auftakt, der deutlich anstrengender war, als ich mir das vorgestellt hatte. Wir haben auch ziemlich lange gebraucht, hauptsächlich wegen der Wegsuche. Ein Schmetterling setzt sich abwechselnd auf unsere Hände und meine rote Kappe. Ob er das Salz ableckt?

Es wird langsam richtig heiß. Wir machen uns auf, endlich in die Faja zu kommen.
Eine Faja ist ein schmales Band, ein Absatz oder Balkon in einer Felswand, oft sehr hoch oben über dem Tal.
Nur noch eine kurze Sucherei, dann beginnt der schmale Simsweg.
Jetzt wird es wirklich schwierig vorwärts zu kommen. Nicht wegen des Pfades, sondern weil wir alle paar Meter fotografieren müssen. Die Ausblicke werden mit jedem Schritt besser!





Unten rechts das grüne Cotatuero-Tal, noch einige 100 m über dem Ordesa-Tal.


Ich bekomme das nicht richtig aufs Bild, aber der Wasserfall dort stürzt sich viele 100m senkrecht ins Ordesa-Tal hinunter!







Wir freuen uns riesig, am Weg büschelweise Edelweiß zu finden!




Noch ein Stückchen weiter und wir können ins Ordesa-Tal hinuntersehen - 1000 Meter unter uns!!!




Der Pfad ist anfangs schon ein wenig gewöhnungsbedürtig. Gerade so breit, dass man einen Fuß vor den anderen setzen kann. Leicht abschüssiger, feiner Schotter. Neben dem linken Fuß senkrechter Abgrund. Huuuh!
Ich taste mich vorsichtig vorwärts, Andreas nimmt das gelassener.


Aussichtspunkt


Links oben auf dem grünen Band verläuft an der Felskante der Pfad.







Vor lauter stehen, staunen, fotografieren kommen wir kaum vorwärts. Die Faja ist gar nicht so wahnsinnig lang, vielleicht 3 km, aber man kann gut einige Stunden darin verbringen. Und wir sind sehr froh, dass wir uns diese Zeit nehmen können, da wir nicht aus dem Ordesa-Tal hochsteigen und dorthin wieder abklettern müssen. Kann ich nur empfehlen, diese Variante.

Ob die Wanderer dort unten ebenso stehen und zu uns heraufstaunen? Oder sehen sie von diesen gewaltigen Felswänden gar nicht so viel in dem dichten Wald?
An einem grasigen Vorsprung legen wir uns eine ganze Weile in die Sonne, genießen die Ausblicke und essen Nüsse.

Nach vielleicht der Hälfte der Faja beginnt sich der Fels über uns vorzuwölben und so laufen wir wie durch einen halb offenen Stollen hoch oben durch die Felswand.










Ich hatte gelesen, dass man in der Faja einige Wasserfälle passiert. Daher haben wir sie ohne Wasservorräte betreten. Einen Wasserfall oder auch nur ein Rinnsal finden wir jedoch nicht.
Mittlerweile haben wir solchen Durst, dass ich mit meiner Wasserflasche eine ganze Weile an einer langsam tropfenden Stalaktite im Überhang ausharre und die Tropfen zu einem Schluck Wasser für jeden von uns auffange.
Nicht viel, eher eine feuchte Zunge.

Der Pfad wird dann gemütlicher, der Felsabsatz etwas breiter, wir kommen etwas zügiger voran.




Da wir schon halb vertrocknet sind, schauen wir nun, dass wir weiterkommen.
Kurz vor Ende finden wir noch eine ergiebigere Tropfnase, der wir so viel Wasser entlocken können, dass wir wieder etwas entspannter wandern.
 
2 Kommentare
aloa
aloa kommentierte
phantastisch (y)
 
assiliisoq
assiliisoq kommentierte
Danke sehr!
Freut mich, wenn es dir gefällt!
 

assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
Schon aus einiger Entfernung erahnen wir das Ende der Faja, ein grünes Tal, dass sich nach rechts erstreckt.
Gleich am Ausgang der Faja werden wir von ein paar halbwüchsigen Murmeltieren begrüßt.







Während wir so sitzen und ihnen zusehen, gesellen sich einige Gämsen dazu.











Ganz schön neugierig!
In diesem Tal wimmelt es nur so von Isards.
Während wir weiterwandern klettern sie um uns herum in und auf den Felsen.










Wir gewinnen wieder an Höhe und haben herrliche Blicke zurück!
Auch hier könnte man großartig zelten!
Dieser Bach entspringt und verschwindet ebenso plötzlich wie der auf unserer Zeltwiese.




Wir klettern zu ein paar Höhlen hinauf, die links über dem Tal liegen.




Wieder kommen neugierige Gämsen schauen, was wir hier machen.










Nach einigem Suchen finden wir den Taleinschnitt, durch den wir zu unseren Rucksäcken zurück laufen wollen.
Es geht noch einmal feste und weglos hinauf. Bis zum Sattel zieht es sich mächtig. Immer noch eine Stufe.

Endlich erreichen wir den Pass und bald können wir in unser Tal hinuntersehen.

Nun folgt ein Abstieg, der mir wahrscheinlich viel länger vorkommt, als er tatsächlich ist.

Unten finden wir ohne Probleme unsere Rucksäcke unangeknabbert wieder.
Aber an unserem Platz steht doch tatsächlich schon ein anderes Zelt! Ey!
So suchen wir uns außer Sicht ein hübsches Plätzchen an einem Nebenbächlein, das immerhin für eine Topfdusche reicht.




Auch die Faja de las Flores hat mich nicht enttäuscht! Wer in der Gegend ist und schwindelfrei, sollte dort einmal entlanggelaufen sein! Von oben her umgeht man die Eisenwege und Kletterstellen, durch die man aus dem Ordesa-Tal durch muss. Außerdem ist die Runde, wie wir sie gemacht haben, wohl deutlich kürzer, man hat also mehr Zeit zum Staunen.

Wieder lassen wir einen großartigen Tag gemütlich auf der Wiese in der Sonne ausklingen.
Mit dem Wetter hatten wir besonders in diesen beiden Tagen, die echte Highlights boten, riesiges Glück!
 
1 Kommentar
Kay
Kay kommentierte
Bin so gar nicht schwindelfrei und habe nur gestaunt !
Die Murmelis und Gämsen gefallen mir außerordentlich - hätte nie gedacht, dass man so nah miteinander sein kann. Toll !
 

juersch2

Aktives und bekanntes NF-Mitglied
Super, einfach super.
das Bild mit den Gämsen gehört definitiv in die Highlights.

LG Jürgen
 
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Wölkchen

NF-F Premium Mitglied
Der Pfad ist anfangs schon ein wenig gewöhnungsbedürtig. Gerade so breit, dass man einen Fuß vor den anderen setzen kann. Leicht abschüssiger, feiner Schotter. Neben dem linken Fuß senkrechter Abgrund. Huuuh!
Sylvia, bis zu diesem Pfad hatte ich erst eine kurze Schnappatmung -Schlange-, aber dieser Pfad hat mich geschafft.

Danke, für diesen spannenden Reisebericht, mit den fantastischen Bildern.:)(y)
 
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assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
6. Juli 2019

Plano de San Fertus -> Ref. Goriz -> Fuen Blanca

12 km, +590 -1090



"Ruhetag" steht in meinem TourPlanungsKalender.
Hier hatte ich uns einen Puffertag eingebaut, falls das Wetter gestern oder heute die Breche oder die Faja nicht zugelassen hätte.
Für nicht benötigte Puffertage gibt es natürlich zusätzliche Optionen. Nicht, dass Langeweile aufkommt! ;)

Nach einem gemütlichen Frühstück packen wir unseren Hausstand und ziehen los Richtung Refugio Goriz. Wir durchqueren unser Wiesental nach Osten zu dem großen Kuhfladenberg. Ein kahler Kalkhügel, der mit seinen Schichten aussieht wie ein riesiger Kuhfladen.
Am Wiesenende müssen wir ein wenig suchen, um einen Weg zum Pass neben dem Kuhfladen zu finden (amtlich Collado und Pico del Descargador). Auch hier sind im Karst wieder tiefe Brüche und Spalten wie im Gletscherbruch, die umgangen werden müssen. (Am Nordrand des Tales wäre wohl ein Weg gewesen, aber wir dachten, wir sind schlauer und können am Südrand abkürzen ...)
Das Wetter ist wieder herrlich, dichte Blumenpolster säumen den Weg.




Von hier haben wir einen weiten Blick über die Plano de Millaris, die über weite Strecken steinig und trocken ist.
Über die Faja Luenga (keiner dieser Balkonwege, ein normaler Pfad entlang des Tales) geht es nun leicht abwärts.
Bald schon können wir in der Ferne die Refugio de Goriz als winzigen Punkt erkennen.


Die Ref. ist der helle Punkt unter dem tiefen Taleinschnitt rechts. Der Weg führt durch das Tal mit dem kleinen Mäanderbach.
Der niedrige Pass hinter der Ref. ist der Collado de Goriz, über den wir später noch laufen.


Manchmal ist der Pfad gut zu erkennen, manchmal müssen wir suchen. Einmal folgen wir einem falschen Pfad mit Steinmännchen, der auf einmal in eine andere Richtung abbiegt.
So gelangen wir durch das langgestreckte Tal weiter Richtung Hütte. An einer Stelle heißt es noch einmal einen Felsabsatz hinunterklettern.

Nach vielleicht 2 Stunden wandern erreichen wir mittags die Hütte. Es ist heiß und wir legen uns ins Gras in die Sonne.
Um die Hütte herum kreisen viele riesige Geier und einige Milane.
Nach und nach kommen aus dem Ordesa-Tal weitere Wanderer hier herauf. So viele Menschen haben wir schon seit Tagen nicht gesehen.




Wir gönnen uns jeder ein Stück Pizza und eine Flasche alkoholfreies Bier, später noch Cafe con leche. Ziemlich lange bleiben wir hier in der Sonne liegen, schauen dem Treiben der Leute und der Vögel zu. Ist ja Ruhetag! ;-)
Wir haben zwar keinen Empfang, aber ein Wetterbericht hängt an der Hütte aus: Heute und morgen schön, danach mindestens 2 Tage lang wenig Sonne, dafür Regen und Gewitterneigung.
Die nette "Bardame" gibt mir ein wenig von ihrem Sunblocker ab, denn meine Lippen sind von der Sonne und der trockenen Luft ziemlich aufgesprungen und reißen besonders beim Essen immer weiter ein. Aua.

Schließlich machen wir uns wieder auf den Weg.
Bis zur Fuen Blanca folgen wir nun dem GR11.
Er steuert zuerst den Collado de Goriz an. Dabei haben wir schöne Blicke ins Ordesa-Tal, den Gran Canyon der Pyrenäen.




Es geht über schöne Wiesen und dann ein wenig hinauf auf den Pass.
Was für gewaltige Kräfte müssen hier die Felsen verbogen haben!




Beim Abstieg geht es abwechselnd über Geröll, Wiesen und senkrechte Wandabbrüche.
Der erste dieser Abbrüche ist der anspruchsvollste. Wieder müssen wir gut Hand anlegen und abklettern.
Wir machen vorher kurz Pause. Irgendwie stehen wir beide etwas neben uns. Der Kaffee? Zu wenig getrunken? Zu viel Sonne? Jeder schiebt sich einen Riegel rein, wir müssen ein wenig Konzentration und Energie tanken, bevor wir uns in die Wand hängen.
So schlimm ist es dann gar nicht.


Ja, hier geht es runter!


Zwischen den Abbrüchen laufen wir zur Erholung über flache Wiesenabsätze.
Nach dem 3. Wandstück müssen wir noch einen Bach furten, was aber problemlos geht. Hier legen wir noch eine kleine Trink- und Erholungspause ein, bevor es durch den Taleinschnitt weiter nach unten geht.


Hier noch durch den Bach.


In dem engen, tiefen Tal wird es früh schattig.
Oberhalb des Baches verläuft der gut erkennbare Pfad nach unten.




Nach einer Weile nähern wir uns der Talgabelung und laufen wieder in der Sonne.




Unten im Canyon de Anisclo ist es aber schon ziemlich schattig. Man sieht den Verlauf des Weges und den Rio Bellos.




Bald erreichen wir die kleine Refugio de Fon Blanca, eine offene Steinhütte.




Ganz in der Nähe finden wir diese interessante Unterkunft:




Ein steinzeitliches Schlumpfenhaus?

Ein sehr großer Zipfelmützenfelsen mit einem Hohlraum darunter, in dem man nach Boofen-Art seine Schlafmatten ausrollen könnte.

Wir zelten aber lieber.
Das ist hier gar nicht so einfach, wie ich mir das von der Karte her vorgestellt hatte.

Es ist alles ziemlich knubbelig, leicht abschüssig und von hohem, widerspenstigem Kraut bewachsen.
Unterhalb der Hütte finden wir jedoch am Bach eine Stelle, wo es ganz gut geht.
Der Blick ist genial! Die hohen Berge herum, 3 Wasserfälle rauschen herunter und treffen sich hier: aus dem oberen Anisclo-Tal, aus dem Tal, aus dem wir kommen, und oben aus dem Berg heraus die Fuen Blanca, die weiße Quelle.


Fuen Blanca



Blick zur Talgabelung in der Abendsonne


Etwas oberhalb unserer Zeltstelle bildet der Bach einen herrlichen Pool, leider schon im Schatten.
Die Felsen leuchten in der Abendsonne.











Als wir uns gerade so schön eingerichtet haben, kommt Andreas die Idee, dass das hier DER Treffpunkt der Pyrenäenbären sein könnte! :oops: Da liegen große Haufen herum (ich sage Schaf), die Wiese ist zertrampelt (ich sage höchstens Wildschwein). Andreas lässt sich aber nicht beirren und bringt erst einmal unsere Essensvorräte ganz weit weg irgendwo unter.
Dann findet er aber an dem Bach auch noch einen riesigen Knochen (ich sage Kuh).
Er will hier weg!
Es ist 9:30. Gleich wird es dunkel.
Wir kennen uns schon sehr lange und sehr gut. Ich weiß genau, Diskussion ist zwecklos, der Film ist nicht zu stoppen. Ich packe also ziemlich missmutig und genervt alle meine Sachen wieder in den Rucksack, Andreas holt die Vorräte wieder aus dem Versteck. Wir bauen das Zelt ab, schultern die Rucksäcke wieder und steigen das Anisclo-Tal hinauf.

Das ist ziemlich steil, es dauert eine Weile, bis wir wieder einen Platz finden, der eben genug ist ein Zelt aufzubauen.
Es wird langsam dunkel. Wir sind jetzt sicher 100 m höher und damit glücklicherweise ganz außer Reichweite der nachtaktiven Bären, die sich da unten alle am Bach treffen.
Ich sage nichts, froh, dass Andreas nicht auf die Idee kommt, dass Bären diese 100 Hm schon auch überwinden könnten und ihre Nase sie wohl auch hier zu unserer Tütensuppe leiten würde. :ignore:
Der Wasserfall hinter unserem Zelt ist so laut, dass wir sicher auch das Brüllen der Bären nicht hören würden und damit gut schlafen könnten.

Um es vorweg zu nehmen: Wir haben diese Nacht überlebt.
Andreas hat den riesigen Knochen mitgenommen. Später findet er heraus, das es der Oberschenkel einer Kuh ist.

Die kleine Episode wurde schnell zum Running Gag und wir haben noch viel darüber gelacht :giggle:


Was für ein "Ruhetag"!
 
Zuletzt bearbeitet:
Kommentar

Kay

NF-F Platin Mitglied
Das ist doch richtig erstaunlich : Da reißen die Bären eine Kuh und nur der Knochen bleibt übrig. Ihr seid Helden !
 
Kommentar

Klaus Harms

Administrator
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1 Kommentar
assiliisoq
assiliisoq kommentierte
Herzlichen Dank! :6874:
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