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Milchstraßenfotografie ist keine Zauberei

Ich sehe Sterne! Milchstraßenfotografie ist keine Zauberei

Wir freuen uns über einen Gastbeitrag unseres Partners SIRUI. Diesmal geht es um die Sternenfotografie. Neben den fantastischen Fotografien von Marcel Sahlmen gibt es Tipps und Tricks zur Technik und Ausrüstung für dieses fotografische Spezialgebiet. Lassen Sie sich inspirieren!

Der Blick in den Nachthimmel ist oft faszinierend. Gerade außerhalb großer Städte lassen sich schon mit bloßem Auge hunderte Sterne erblicken. Schon der berühmte deutsche Dichter Novalis stellte die Dunkelheit als faszinierend dar und schrieb: „Himmlischer als jene blitzenden Sterne dünken uns die unendlichen Augen, die die Nacht in uns geöffnet.“

Doch wie lassen sich die faszinierenden Ansichten des Nachthimmels auf den Sensor bannen? Bedarf es teuren Equipments, einer komplizierten Nachführung oder genügt eine normale Spiegelreflex-Ausrüstung in Kombination mit guter Planung?

Sie werden es sich denken: Letzteres reicht für ansehnliche Bilder der Milchstraße und des Sternenhimmels absolut aus. Im Folgenden möchte ich in aller gebotenen Kürze beschreiben, wie ich dabei vorgehe. Welche Mittel bedarf es zur Planung, wo findet man geeignete Orte, was sollten Kamera, Objektiv und Stativ können?

Schritt 1 – die Planung

Ich sehe Sterne! Milchstraßenfotografie ist keine Zauberei

Eingangs möchte ich auf die planerischen Aspekte Bezug nehmen. Viele Fotografen haben den Begriff „Lichtverschmutzung“ schon mal irgendwo gelesen. Die muss dringend umgangen werden, wenn die Milchstraße auf den Fotos ansehnlich aussehen soll. Aber auch simple Dinge wie die passende Jahreszeit, die passende Uhrzeit und der Stand des Mondes müssen beachtet werden. Schon vor Start des Fotoausflugs lässt sich daheim am Computer einiges in Erfahrung bringen. Die Mondphase lässt sich via Google oder gar auf der Smartwatch anzeigen – für die Milchstraßenfotografie gilt: Je schwächer der Mond, desto besser. Der Stand der Milchstraße lässt sich unter anderem mit Applikationen wie „Stellarium“ für jeden Ort der Welt vorhersagen.

Ich persönlich nutze zur Planung die potente Handy-App „PhotoPills“ – dort kann sich man nicht nur die Zeiten von Sonnenunter- und -aufgang ansehen, sondern auch (vor Ort) die Milchstraße mittels Augmented-Reality beobachten.

Schritt 2 – die Location

„Lichtverschmutzung“ ist seit dem Wiedererstarken der Umweltbewegung in aller Munde: Lichtquellen nehmen zu, Industrie- und Gewerbegebiete sind oft auch nachts stark beleuchtet. Das schadet Insekten -und stört Fotografen! Orte mit geringer Lichtverschmutzung lassen sich vorab im Internet auf der Lightpollutionmap finden. Schon ein kurzer Blick darauf genügt, um zu sehen, dass es beispielsweise in den Hohen Tauern in Österreich oder im Bayerisch-Tschechischen Grenzgebiet eher dunkel ist, während gerade in dicht besiedelten Gegenden viele Lichtquellen gen Himmel strahlen. Doch auch „daheim“ sind Milchstraßenbilder nicht unmöglich,wenn das Zentrum eben jener im Sommer zentral am Nachthimmel steht.

Die Auswahl eines ruhigen, wenig belebten Ortes ist jedoch nicht alles: Um spannende Bilder vom Sternenhimmel zu schießen, ist auch ein vernünftiger Bildvordergrund nötig. Ruhige Bergseen bieten sich an, aber auch Gipfelkreuze sind dankbare Motive. Hier sind der Kreativität fast keine Grenzen gesetzt.

Ich sehe Sterne! Milchstraßenfotografie ist keine Zauberei

Schritt 3 – die Ausrüstung

Eingangs habe ich erwähnt, dass es keiner besonderen Ausrüstung bedarf. Das bezog sich vor allem auf komplizierte Gerätschaften wie Nachführeinrichtungen. Was sehr wohl gebraucht wird: Eine Kamera, die hohe ISO-Werte verträgt, ein lichtstarkes Objektiv mit geringer Brennweite (Begriffe wie Coma möchte ich nicht groß ansprechen, dazu gibt es genug Einträge in einschlägigen Foren!) und ein stabiles Stativ!

Ich sehe Sterne! Milchstraßenfotografie ist keine Zauberei

Gerade wer in den Bergen unterwegs ist, wo es wenig Lichtverschmutzung gibt, möchte natürlich Gewicht sparen. Nachts auf den Gipfel marschieren ist anstrengend genug. Ich setze seit Jahren auf stabile und zugleich leichte Stative von SIRUI und nehme zum Wandern und Fotografieren stets mein Carbon-Stativ SIRUI T-2204X mit dem K-30X Kugelkopf mit. Diese Kombination bietet für mich die ideale Mischung aus Gewicht und Flexibilität.

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Transportiert wird meine Ausrüstung seit Anfang des Jahres im SIRUI Urban Pro 15 Rucksack, dort bringe ich auch noch einige Klamotten und Hygieneartikel für Hüttenübernachtungen unter. Elementar sind übrigens auch Handschuhe, Mütze und warme Klamotten – nachts wird es in den Bergen selbst im Sommer frisch!

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Schritt 4 – die Ausführung

Viel gibt es hier nicht zu sagen respektive zu schreiben: Rausgehen und fotografieren, aber mit Bedacht. Klug ist es stets, sich bei Tageslicht entsprechende Motive rauszusuchen und nachts rechtzeitig vor Ort zu sein. Da sich die Erde dreht, wandern die Sterne am Firmament. Es bedarf also einigen Vorwissens, damit man nicht enttäuscht wird.

Belichtungszeit

Diese hängt von Brennweite, ISO und Helligkeit ab – bei etwa 15 mm Brennweite am Vollformat-Sensor sollte man nicht länger als 12 Sekunden belichten, sonst werden die Sterne nicht als Punkte abgebildet, sondern verschwimmen zu Strichen. Um Verwacklungen zu vermeiden, sind die Spiegelvorauslösung mit Selbstauslöser respektive ein Fernauslöser hilfreich!

Empfindlichkeit (ISO-Wert)

Hier sollten Sie natürlich keine exorbitant hohen Werte einstellen, um Rauschen zu vermeiden. Oft benötigt man aber mindestens ISO 1600, teils sogar 3200 oder 6400, um ausreichend helle Bilder zu erhalten. Empfehlenswert ist daher eine moderne KB-Kamera. An meiner Nikon D750 nutze ich meist ISO 6400 für Milchstraßenfotos.

Brennweite

Natürlich werden Sie nicht den gesamten Nachthimmel auf ein Bild bannen können. Je geringer die Brennweite, desto länger kann aber die Belichtungszeit sein und desto beeindruckender wirkt die Milchstraße, wenn sie über der Landschaft steht. Selbst 15 mm am KB-Sensor sind manchmal zu wenig, hier kann es helfen, mehrere gleich belichtete Fotos hernach am Rechner zu einem Panorama zusammenrechnen zu lassen!

Blende

Kurz gesagt: So offen wie möglich! Die meisten Sterne sind zwar heller als unsere Sonne, aber Millionen Lichtjahre entfernt. Um dieses weit gereiste Licht auf den Sensor zu bringen, sind weit geöffnete, lichtstarke Objektive notwendig. Gute Chancen hat man mit Optiken, die Blende 2.8 oder offener anbieten. Das mag auf ein 24/1.4, 15-30/2.8 o.Ä. zutreffen. Auch Versuche mit 50 mm oder mehr können spannend sein, hier ist die maximale Belichtungszeit, um Striche zu vermeiden, jedoch deutlich kürzer.

Im Folgenden möchte ich noch drei Bilder samt Aufnahmedaten präsentieren. Äußerer Umstände wegen lassen sich die Einstellungen selten 1:1 anwenden, aber als grobe Richtlinie helfen sie sicherlich. Verwendet wurde bei allen Fotos die Nikon D750 samt Tamron 15-30/2.8 VC USD, die Fotoausrüstung stand auf dem stabilen SIRUI T-2204X Dreibein mit K-30X Kugelkopf.

Ich sehe Sterne! Milchstraßenfotografie ist keine Zauberei

Juli 2017, Herzogstand, Bayern: Im Sommer steht die Milchstraße in Deutschland sehr zentral am Firmament, etwa gegen ein Uhr nachts. Hier bin ich schon abends auf den Gipfel marschiert und habe den Sonnenuntergang genossen. Für das Foto habe ich die Kamera samt SIRUI Stativ aufs Kreuz ausgerichtet, den Selbstauslöser aktiviert und bin mit heller Taschenlampe ins Bild gelaufen. 15 mm, ISO 6400, Blende 2.8, 13 Sekunden.

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April 2017, nahe Mittenwald, Bayern: Die Aufnahme ist um 2:39 Uhr nachts entstanden. Prägnant zu sehen ist die Lichtverschmutzung, die einige Häuser ausstrahlen – das beinahe magische Leuchten hinter dem Wald hat mir aber doch irgendwie gefallen. 15 mm, ISO 6400, Blende 2.8, 10 Sekunden.

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Oktober 2017, Antholzer See, Südtirol: Im Herbst wird das Zentrum der Milchstraße schon sehr früh sichtbar, hier habe ich um halb neun abends den Auslöser gedrückt. Das Hotel am anderen Ufer des Sees strahlt sehr hell und wurde daher in Photoshop etwas abgedunkelt. 15 mm, ISO 6400, Blende 3.2, 15 Sekunden.

Über Marcel Sahlmen

Marcel Sahlmen, Markenbotschafter für SIRUI, fotografiert seit 2008 mit digitalen Spiegelreflexkameras. Neben diversen Tätigkeiten für Tageszeitungen, Politiker und Institutionen gibt der studierte Politologe regelmäßig Fotokurse und ist für sein Leben gerne in den Bergen unterwegs. In den alpinen Gegenden versucht er, zwei Leidenschaften unter einen Hut zubringen: Rennradfahren und Fotografieren! Tagsüber radelt er. Zu Sonnenuntergang, nachts sowie vor Sonnenaufgang steht er auf dem Gipfel hinter der Kamera.

Weitere Informationen
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